Standpunkt 2019 droht ein Fadenriss

Der Präsident des Branchenverbands Wind, Hermann Albers, befürchtet, dass 2019 und 2020 nahezu kein Windrad mehr gebaut werden wird, weil die bei den Auktionen so erfolgreichen Bürgerenergiegesellschaften viel Zeit bekommen. Was sind ändern müsste, schreibt er in seinem Standpunkt.

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Auch die zweite Ausschreibungsrunde Wind an Land war wieder durch Akteure dominiert, die die Voraussetzungen der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) definiertenBürgerenergie erfüllen. Diesmal waren es 95 Prozent der bezuschlagten Menge. Die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse erhöhen weiter die Unsicherheit, ob wir den Zubaukorridor von 2800 Megawatt pro Jahr nach 2018 sowohl zeitlich als auch hinsichtlich des Volumens erreichen können.


Dies liegt an den sehr viel längeren Realisierungszeiträumen für Bürgerenergie. Zulieferer und Hersteller, aber auch Baunebengewerbe, Logistik und Projektierer setzt diese Unsicherheit stark unter Druck. Hier ist der Bundestag gefordert, sowohl das Ausbauvolumen zu erhöhen als auch die Regeln für eine Teilnahme als Bürgerenergie zu überarbeiten.


Darüber hinaus bewegt sich die Preisentwicklung sehr stark nach unten und macht einen starken Wettbewerbsdruck deutlich, der sich auf die tatsächliche Realisierung auswirken wird. Dies können wir aber frühestens in zwei Jahren beurteilen lassen. Handeln müssen wir aber jetzt.


Im ersten Halbjahr 2017 wurden gut 45 Prozent des Ausbaus in südlichen Bundesländern Nordrhein Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen aufgestellt. In der jetzt veröffentlichten Ausschreibungsrunde schneiden diese Bundesländer mit 12 Prozent der bezuschlagten Gebote deutlich schlechter ab. Die genauen Ursachen dafür müssen in den Blick genommen werden. Auch hier sehe ich das unzureichende Ausschreibungsvolumen als eine Ursache für diese Entwicklung. Aber auch die sogenannten Korrekturfaktoren im EEG, die die verschiedenen Windverhältnisse ausgleichen sollten, sind nicht richtig gewählt.


Insgesamt sehen wir eine deutliche Gefahr, dass es durch die Entwicklung der Ausschreibungsergebnisse in den Jahren 2019 und 2020 zu einem Abriss beim Ausbau der Windenergie kommt. Die Politik sollte nicht riskieren, dass in der Folge die technologische Spitzenposition, die deutsche Unternehmen in rasch wachsenden internationalen Märkten haben, gefährdet wird. Gleichzeitig stellt ein niedriger Ausbau die Klimaschutzziele völlig in Frage. Wir müssen jetzt handeln.

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