Standpunkt Warum es richtig ist, jetzt voll auf Elektroautos zu setzen

Die Bundesregierung sollte Großbritannien, Frankreich und Norwegen folgen und das Potenzial von Elektrofahrzeugen für den Kampf gegen den Klimawandel nutzen, fordern LeasePlan-Chef Tex Gunning und Nigel Topping von „We Mean Business“ in ihrem Gastbeitrag.

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Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für unsere Gesellschaft und jeden Tag wächst die Notwendigkeit, sich dem entgegenzustellen. Dabei stellt der Verkehrssektor eine große Herausforderung dar, birgt aber auch die größten Chancen.

Der Verkehr verursacht momentan 23 Prozent des weltweiten energiebedingten CO2-Ausstoßes. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) hat kein anderer Bereich einen so schnell wachsenden CO2-Fußabdruck. In Deutschland, dem Heimatland der Energiewende, ist es der einzige Sektor, in dem die Treibhausgasemissionen seit 1990 gestiegen sind. Hier gibt es definitiv Einiges zu tun.

Eine der wichtigsten Lösungen ist endlich den Kinderschuhen entwachsen und steht bereit, den Weg zu einem Verkehrssektor ohne CO2-Emissionen zu ebnen – das Elektrofahrzeug. Dank enormer technischer Fortschritte werden Elektroautos immer erschwinglicher und können auch in puncto Reichweite mit vielen herkömmlichen Pkw mithalten. Wie der EV Readiness Index 2019 von LeasePlan zeigt, stellt die Nutzung eines Elektrofahrzeugs in immer mehr europäischen Ländern eine tragfähige Alternative dar.

Die Zeichen stehen auf Elektromobilität

Während in der Bundesregierung gerade über die Mobilität der Zukunft diskutiert wird, stehen die Elektrofahrzeuge als Wachstumsmotor und Klimaretter bereit. Die Staaten und Unternehmen, die beim Umstieg auf Elektroautos vorangehen, tragen zum Kampf gegen den Klimawandel bei und nutzen gleichzeitig die volkswirtschaftlichen Chancen eines wachsenden Marktes, inklusive neuer Arbeitsplätze.

Die jüngsten Entscheidungen bei Volkswagen, den Wechsel zur Elektromobilität zu beschleunigen und bis 2028 70 komplett elektrische Modelle auf den Markt zu bringen, zeigen einmal mehr, dass sich die größten Automobilhersteller auf die elektrische Zukunft vorbereiten.

Dies zeigte sich auch Anfang März auf dem Genfer Autosalon, wo Hersteller wie VW, Honda und Citroen Dutzende neuer Elektrofahrzeuge vorstellten. Audi gibt sich so selbstbewusst hinsichtlich des neuen Kurses, dass die deutsche Nobelmarke auf dem Autosalon ausschließlich Elektrofahrzeuge ausstellte.

Bis heute haben sich fast alle weltweit führenden Autohersteller dazu bekannt, in Zukunft ihre Produktflotte ganz oder teilweise zu elektrifizieren. Die Produktion hunderter neuer Elektrofahrzeuge ist in Planung. Vor dem Genfer Autosalon wurde diese Botschaft auch von der deutschen Automobilindustrie verbreitet, die in den nächsten drei Jahren fast 60 Milliarden Euro in Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren investieren will.

Einer der Hauptgründe dafür ist die steigende Nachfrage. Die USA sind Europa hier aktuell davongefahren. Teilweise ist dies auf den Erfolg zurückzuführen, mit dem Tesla seine Elektrofahrzeuge an den Mann bringt – auf die Einnahmen bezogen war das Model 3 von Tesla im letzten Jahr der Spitzenreiter unter den US-Autos. Wenn die deutschen Autobauer darüber entscheiden, mit welchen Modellen sie ihre weltweite Vormachtstellung behaupten wollen, sollten sie diese Entwicklung keinesfalls außer Acht lassen.

Nach Angaben der Umweltorganisation Transport and Environment beträgt der Anteil der Elektrofahrzeuge in der EU magere zwei Prozent. Damit fiel Europa 2018 erstmals hinter die USA zurück, wo vier Prozent der Fahrzeuge elektrisch unterwegs sind.

Auch wenn in vielen Ländern der Anteil der Elektrofahrzeuge noch niedrig ist, deuten die Verkaufszahlen eine exponentielle Wachstumskurve an, die in den kommenden Jahrzehnten zu einer Dominanz auf dem Markt führen wird. Der Umsatz von chinesischen Plug-in-Fahrzeugen (PEV) stieg im Februar 2019 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 175 Prozent und macht nun 4,8 Prozent des größten Automarktes der Welt aus.

In der Zwischenzeit arbeiten über 35 Unternehmen, darunter LeasePlan, in der Initiative EV100 daran, den Übergang zu nachhaltigeren Antrieben voranzutreiben. EV100 ist eine globale Initiative der Climate Group, die sich dafür einsetzt, dass sich die großen, weltweit tätigen Unternehmen sich schneller Elektrofahrzeugen und der entsprechenden Infrastruktur zuwenden.

Jetzt sind politische Weichenstellungen wichtig

Weltweit engagieren sich die politisch Verantwortlichen zunehmend für die rasche Einführung von Elektroautos als entscheidendes Instrument, um Schadstoffbelastung in den Städten zu reduzieren und die Pariser Klimaziele zu erreichen.

Zahlreiche Länder haben das Potenzial von Elektroautos als wichtiges Mittel zur Lösung dieser Probleme einerseits und als treibende Kraft für wirtschaftliches Wachstum andererseits erkannt. Großbritannien, Frankreich und Norwegen haben sich bereits verpflichtet, die Produktion von benzin- und dieselbetriebenen leichten Pkws in den kommenden Jahrzehnten vollkommen einzustellen. China erhöht die Verkaufsquoten für Elektrofahrzeuge – für 2019 liegt die Quote bei zehn Prozent.

Solche Ankündigungen haben Signalwirkung und geben der Wirtschaft die nötige Investitionssicherheit, aber es muss noch mehr getan werden. Die aktuell tagende Verkehrskommission ist eine großartige Chance den Unternehmen zu zeigen: Es ist Zeit, in die elektrische Zukunft des Automobils zu investieren.

Tex Gunning ist Vorstandschef von LeasePlan, dem weltgrößten Dienstleister für Fuhrparkmanagement und Autoleasing. Nigel Topping ist CEO der Initiative „We Mean Business“.

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