Standpunkt Auf neuem Kurs

Am 24. Mai endet die Geschichte der Braunkohleverstromung in Berlin. Das entlastet das Pro-Kopf-Budget der Berliner im Jahr um 180 Kilogramm. Warum das nicht die einzige Klimabaustelle ist, schreibt Günther Müller von Vattenfall in seinem Standpunkt für den Tagesspiegel Background.

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Ab morgen ist die Braunkohle in Berlin Geschichte. Das ist eine gute Nachricht. Denn Braunkohle setzt unter allen fossilen Brennstoffen das meiste Kohlendioxid (C02) frei. Es erfüllt die Vattenfall Wärme Berlin – aber auch mich persönlich  – mit einem gewissen Stolz, den in der Klimaschutzvereinbarung mit der Stadt für spätestens 2020 festgelegten Ausstieg aus der Braunkohle so viel früher zu schaffen. 600.000 Tonnen CO2 werden damit jährlich vermieden. In der Pro Kopf Klimabilanz sind das 180 Kilo, die jede Berlinerin und jeder Berliner damit statistisch reduziert. Dass die 180 Kilo CO2 Ersparnis von jedem konventionellen Berliner Auto innerhalb von nicht mal 1500 Kilometern auf Berliner Straßen wieder in die Luft gepustet werden können, zeigt nebenbei, dass es auf dem Weg zu Klimaneutralität noch ein paar andere Baustellen gibt.


Ich freue mich auch, wie gut unsere Entscheidung in die politische Landschaft passt. Dass der schrittweise Ausstieg aus der Kohle und der massive Einstieg in die Wärmewende richtig und notwendig sind, ist eine gemeinsame Erkenntnis, an deren Realisierung wir weiter gemeinsam arbeiten müssen. Diesen großen Konsens, der in der Energiewende und damit auch in unserem Geschäft neue Dynamik erzeugt, nimmt Vattenfall nicht nur in der Berliner Politik wahr. Insbesondere die beiden internationalen Klimaschutzkonferenzen in Paris 2015 und Marrakesch 2016 haben einen nachhaltigen Eindruck in der Energiebranche hinterlassen. Unter dem Einfluss der dort gefassten Beschlüsse hat der Wandel im gesamten Vattenfall-Konzern hin zu einer konsequenten Ausrichtung auf die Erreichung einer CO2-freien Energieproduktion innerhalb einer Generation noch an Fahrt gewonnen. Damit hat Vattenfall endgültig Kurs auf die Erneuerbaren genommen. Das ist gut für Berlin und wird sich nicht im Ausstieg aus der Braunkohle erschöpfen.


Vattenfall will die Wärmewende


2020, also ebenfalls noch in dieser Legislaturperiode, werden wir ein Versprechen einlösen, das wir 2009 in der Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin gegeben haben. Der CO2 Ausstoß von Vattenfall in Berlin zur Erzeugung von Wärme und Strom für mehrere hunderttausende Haushalte wird sich dann gegenüber 1990 mehr als halbiert haben. Weit mehr als eine Milliarde Euro werden dann in die Erneuerung unserer Wärmeinfrastruktur geflossen sein.


Der endgültige Kohleausstieg bis 2030 ist dann der nächste Meilenstein, den wir gemeinsam mit dem Senat erreichen wollen. Wer dazu was tun muss, um die Fernwärme nicht nur sehr viel klimafreundlicher zu machen, sondern gleichzeitig weiterhin bezahlbar und verlässlich zu erhalten, wird auf der Basis einer Machbarkeitsstudie festgelegt, die im kommenden Jahr vorliegen soll.


Beim Kraftwerk Reuter fängt die Zukunft an


Bis 2030 werden wir mit der Wärmewende, also der klimaneutralen Wärmerzeugung, ein gutes Stück vorrangekommen sein. Schon in wenigen Wochen will Vattenfall über die Investitionsmittel für den Bau von Deutschlands größter Power-to-Heat-Anlage am Kraftwerksstandort Reuter und damit über einen weiteren Meilenstein des Kohleausstiegs entscheiden.  Mit Anlagen dieser Art wird die Sektorkopplung – also die Nutzung von Strom zu Wärmeerzeugung – in ganz neuen Dimensionen möglich.


2050 soll Berlin dann komplett klimaneutral sein. Was Vattenfall dazu in Berlin beitragen kann, haben wir bereits Ende 2015 in den Energiegesprächen mit dem Finanzsenator dargelegt. In dem dort skizzierten CO2-Reduzierungspfad haben wir den Ausstieg aus der Steinkohle in 2030 nicht nur weit vor der Willensbildung der aktuellen Koalition antizipiert, sondern unterschreiten mit den für 2030 bis 2050 vorgeschlagenen Maßnahmen sogar den CO2-Reduzierungspfad des Senats für diesen Zeitraum.


Zurück in den Mai 2017. Wenn wir am 24. Mai gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller das Kapitel der Braunkohlenutzung in Berlin schließen, kann das auch der Beginn eines neuen Kapitels in der Beziehung zwischen Vattenfall und dem Land Berlin sein. Gemeinsame Ziele lassen sich eben gemeinsam am besten erreichen. Was uns angeht: Wir sind bereit, entschlossen und in der Lage, den Weg zur Klimaneutralität zu gehen.


Günther Müller ist Sprecher des Vorstands der Berliner Vattenfall Wärme AG

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