Standpunkt Beim Klimaschutz geht noch mehr

DB Schenker ist einer der größten Logistiker der Welt. Vorstandschef Jochen Thewes plädiert in seinem Standpunkt für strenge CO2-Grenzwerte für den Güterverkehr, kurz vor der Abstimmung darüber im Europaparlament. Er sagt: Kleine Schritte der Fahrzeughersteller reichen nicht, es müssen Technologiesprünge vollzogen werden.

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Die Reduzierung von CO2-Emissionen im Straßenverkehr bewegt zurzeit alle Beteiligten: die Automobilindustrie wie die Politik, vor allem aber die Bürger in Deutschland. Klar ist, dass wir handeln müssen. Der Verkehr ist durch den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid mittlerweile einer der größten Verursacher der globalen Klimaerwärmung – mit steigender Tendenz: Rund ein Viertel aller CO2-Emissionen stammen vom Verkehr.

Im Fokus der Diskussion steht dabei aktuell der Dieselmotor als Antriebstechnologie für Millionen privat genutzter Pkw. Allerdings ist es vor allem der Güterverkehr, der in Zeiten von Onlinehandel und digitaler Vernetzung rasant weiterwächst. Und zwar nicht nur in Deutschland. Mit rund 70 Prozent Anteil an der gesamten Verkehrsleistung dominiert der Lkw auf der Straße das europäische Güteraufkommen. Er produziert im Güterverkehr über fünfmal so viel Klimagasemissionen im Vergleich zur Schiene. Laut des Deutschen Instituts für Klimaforschung werden die CO2-Emissionen durch den Straßengüterverkehr allein in Deutschland bis 2030 um 43 Prozent steigen.

Vor diesem Hintergrund steht am Mittwoch eine Richtungsentscheidung für mehr Klimaschutz im Güterverkehr an. Das Europäische Parlament stimmt über ein europaweit verbindliches Reduktionsziel von CO2-Emissionen für schwere Nutzfahrzeuge ab. Es geht darum, ob das Parlament dem Vorschlag der Europäischen Kommission folgt, der eine Reduzierung von 15 Prozent bis 2025 und um 30 Prozent bis 2030 vorschlägt.

Um es sehr deutlich zu sagen: Als Vorstandsvorsitzender des drittgrößten Logistikers weltweit mit mehr als 70.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in mehr als 130 Ländern weltweit täglich den Warenfluss für die Weltwirtschaft sichern, glaube ich: Da geht mehr. Und da muss mehr gehen. Bereits im April haben wir uns deshalb zusammen mit namhaften großen Wirtschaftsunternehmen öffentlich dafür ausgesprochen, ein ambitioniertes CO2-Reduktionsziel für Nutzfahrzeuge von 20 Prozent bis bereits 2025 zu setzen.

Auch der EU-Umweltausschuss hat diese Empfehlung ausgesprochen und ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn auch das EU-Parlament für die Reduktionsziele minus 20 Prozent bis 2025 und minus 35 Prozent bis 2030 stimmen würde.

Unabhängig von der anstehenden Entscheidung der europäischen Klimapolitik haben wir bei Schenker uns kürzlich dazu entschlossen, der globalen Klimainitiative EV 100 beizutreten. Hier geht es konkret um die Umstellung unserer Fahrzeugflotte im Verteilerverkehr auf Elektromobilität. Danach stellen wir 100 Prozent unserer Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen auf elektrische Antriebe beziehungsweise Brennstoffzelle bis 2030 um und 50 Prozent der Fahrzeuge von 3,5 bis 7,5 Tonnen.

Mit den ersten Elektro-Testfahrzeugen in Deutschland und Frankreich haben wir die Weichen dafür bereits gestellt. Wir haben erste Elektro-Transporter in Österreich, Italien und Norwegen auf der Straße, setzen Elektro-Lastenräder in einem Dutzend europäischer Städte ein und integrieren diese systematisch in unsere Paketzustellung an Endkunden. Mit unserem Platooning-Projekt zusammen mit MAN und der Fresenius Hochschule sowie unserer Kooperation mit Einride für den weltweit ersten elektrisch und völlig autonom fahrenden Lkw wollen wir Innovation nachhaltig in den Verkehr bringen.

Aber das reicht nicht. Alle müssen mitmachen, auch und besonders die Hersteller. Wir brauchen den längst fälligen technologischen Sprung im ohnehin anstehenden Strukturwandel in der Autoindustrie. Der Umstieg auf elektrifizierte Antriebe auf Basis erneuerbarer Energien muss dringend beschleunigt werden. Neue, autonome Fahrzeugsysteme müssen zusätzlich praxisfähig auf die Straße kommen. Weil sie sicherer und effizienter sind. Deshalb müssen wir uns nicht die kleinen, sondern die großen Ziele setzen. Ein ambitioniertes Zwischenziel bis 2025 noch während der gegenwärtigen Ratspräsidentschaft wäre ein erster, enorm wichtiger Etappensprint auf dem Weg zu einer grünen Logistik.

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