Biokohle: Vorreiter aus Vorpommern

Bis zu 95 Prozent Phosphor kann die neue Biokohleanlage im Innovationspark Relzow in Vorpommern aus Abfallstoffen zurückgewinnen. Mit diesem Alleinstellungsmerkmal will Investor Uwe Kuhnle den Markt erorbern. Herkömmliche Anlagen schaffen nur 50 bis 55 Prozent.

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Eine kleinere Anlage mit einer Kapazität von 15.000 Tonnen jährlich arbeitet bereits im Innovationspark Relzow in der Nähe von Anklam. Sobald die nötigen Änderungen am Bebauungsplan für den Park genehmigt sind, will Investor Uwe Kuhnle eine zweite Anlage mit einer Kapazität von 50.000 Tonnen bauen.


Die Phosphorreserven der Erde gehen langsam zur Neige, als Dünger ist der Stoff aber unersetzlich. „Sofern wir genug Absatz des Düngers sehen, können wir die Kapazität der Anlage auch deutlich vergrößern“, sagte Uwe Kuhnle.


Entwickelt wurde das Verfahren von Stepan Kusche unter dem Dach der AVA CO2 Forschung GmbH. Sie gehört heute als AVA Green Chemistry Development GmbH mit Kusche als Geschäftsführer zur Holding von Uwe Kuhnle, die den Innovationspark in Relzow betreibt.


Gespeist wird die Anlage mit Abfallstoffen. Das können entweder „saubere“ Reststoffe aus der Landwirtschaft sein oder kontaminierte wie Klärschlamm, Lebensmittel, Gülle oder Gärreste, erklärt Kusche. Die Stoffe werden zunächst zu einem sogenannten Slurry zerkleinert, der dann unter Druck und hohen Temperaturen zu Kohle und einer wässrigen Lösung weiterverarbeitet wird. Das Verfahren läuft unter dem Begriff hydrothermale Karbonisierung (HTC).


„Die Kohle wird dann weiter zu Aktivkohle veredelt und kann als Bodenverbesserer eingesetzt werden“, sagt Kusche. Aus der wässrigen Lösung lässt sich der sogenannte MAP-Komplex isolieren, nämlich Magnesium, Ammonium und Phosphat.


„Damit hat man etwas Geldwertes in der Hand und verbrennt es nicht“, sagt Uwe Kuhnle. Bisher wird Klärschlamm mit seinen wertvollen Inhaltsstoffen erst unter hohem Energieaufwand getrocknet und dann verbrannt. Es sei allerdings schwierig, das neue Verfahren zu etablieren. „Man muss in vorhandene Strukturen reinkommen“, sagt Kuhnle und meint damit die wasserverarbeitenden Betriebe und „Leute aus den Städten in den Aufsichtsräten“.


Ein Grund dafür die bisher geringe Akzeptanz im Markt: Die Kosten für die Abwasseraufbereitung werden auf die Verbraucher umgelegt. Die Klärwerke als kommunale Betriebe profitieren also nicht von Kostensenkungen. Außerdem sind die Betreiber daran interessiert, dass eine Kläranlage zuverlässig läuft. „Risiken durch Verfahrensumstellungen möchten sie ausschließen“, hat Marc Buttmann erfahren, der mit Terra Nova Energie eine andere Technologie zur Umwandlung von Klärschlamm in Biokohle entwickelt hat. Wie Uwe Kuhle ist er bei Partnern aus China auf sehr viel größeres Interesse für die Technologie gestoßen als in Deutschland.


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