Bürokratie und Importbeschränkungen hemmen den türkischen Solarmarkt

Trotz Rekordsonneneinstrahlung und Ausbauankündigungen kommt der türkische Solarmarkt bisher nur langsam in Fahrt. Bürokratie, Importbeschränkungen, eine zu wenig ambitionierte Energiewendepolitik sowie die angespannte politische Situation hemmen Investitionen.

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Mit einer jährlichen Sonneneinstrahlung von 2737 Stunden hat die Türkei das höchste Solarpotenzial in ganz Europa. Auf fünf Gigawatt möchte die türkische Regierung die installierte Photovoltaikleistung bis zum Jahr 2023 ausbauen. Ende 2015 waren Solarstromanlagen mit einer Gesamtleistung von nur 248 Megawatt installiert. Im vergangenen Jahr nahm der Zubau mit rund 570 Megawatt Fahrt auf.


Verglichen mit den 3,5 Gigawatt an neuer fossiler Kraftwerksleistung, die im Jahr 2016 ans Netz ging, ist dies allerdings eher bescheiden. Zudem setzt die türkische Regierung auch massiv auf neue Kernkraftwerke. Vor zwei Jahren begann der Bau des Atommeilers in Akkuyu in einem Erdbeben gefährdeten Gebiet an der Mittelmeerküste, 150 Kilometer westlich der Großstadt Mersin. Insgesamt vier 1200 Megawatt Reaktoren sollen dort bis zum Jahr 2022 Strom liefern. Vier weitere Atommeiler sollen in der Stadt Sinop am Schwarzen Meer gebaut werden. Als dritter Standort ist İğneada, unweit der Grenze zu Bulgarien, im Gespräch.


Mit der Ausschreibung für einen Ein-Gigawatt-Solarpark in der Region Karapinar in Zentralanatolien erregte die türkische Regierung jüngst international Aufmerksamkeit. Alle Komponenten müssen lokal produziert werden, um die heimische Produktion voranzubringen. Den Zuschlag erhielt nun ein türkisch-südkoreanisches Konsortium (Kalyon Enerji, Hanwha Q-Cells) mit einem Gebotspreis von 6,99 US/Cent pro Kilowattstunde. Die Solarzellen und -module sollen in einer eigenen Fertigung mit einer Jahreskapazität von 500 Megawatt hergestellt werden.


Die Türkei schottet sich vom Weltmarkt ab


Gleichzeitig limitiert die türkische Regierung die Einfuhr von Solarmodulen und schottet sich vom Weltmarkt ab, um die heimische Produktion zu fördern. Seit Juni vergangenen Jahres werden Modulimporte hoch besteuert und Ausnahmegenehmigungen und Importlizenzen sind nur sehr aufwendig zu bekommen. Zusätzlich sollen in Bälde zusätzlich rückwirkend Antidumpingzölle für chinesische Solareinfuhren in Kraft treten. Über 90 Produzent der in der Türkei verwendeten Solarmodule stammen jedoch bisher aus dem Ausland, weil es keine konkurrenzfähige Solarmodulfertigung und keine Solarzellenfertigung in dem Land gibt.


Für den Bau von Solarparks mit einer Leistung mit mehr als einem Megawatt sind aufwendige und teure Lizenzen erforderlich. Eine Ausschreibung aus dem Jahr 2013 war 15-fach überzeichnet, doch bisher wurden nur zwei Projekte einer Leistung von 12 Megawatt genehmigt und realisiert. Die meisten größeren Anlagen wurden deshalb bisher in dem lizenzfreien Markt mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt gebaut und oft zu größeren Solarparks kombiniert. Nun sollen jedoch auch für diese Anlagen zusätzliche Beschränkungen eingeführt und die Netzgebühren um das Fünffache erhöht werden, wie Arda Kristaporyan berichtet, der bei Jinko Solar für das Türkeigeschäft zuständig ist.


Die Bürokratie behindert den Solarmarkt


Analysten wie Lara Hayim von Bloomberg New Energy Finance, sehen deshalb in den hohen bürokratischen Hürden und den häufigen Änderungen der Regularien, ein wesentliches Hemmnis für das Wachstum des türkischen Solarmarktes. „Die Türkei hat bisher noch keinen klaren politischen Kurs für den Ausbau der Photovoltaik gefunden“, sagt Cem Gözmen, Verkaufsleiter der Solarsparte bei Schneider Electric. Auch der Rauswurf von Beamten, denen unterstellt wurde, etwas mit dem Putschversuch im vergangenen Juli zu tun gehabt zu haben, hatten negative Auswirkungen wie Mert Önerem von Accia Renewable Investment in Istanbul berichtet. So wurde einigen Solarfirmen aufgrund angeblicher Unterstützung der Gülen-Bewegung die Lizenz entzogen, darunter auch ein Unternehmen, das mit dem deutschen Projektierer Belectric kooperierte. Auch die türkischen Regulierungs- und Genehmigungsbehörden waren nach dem Putsch von Entlassungen betroffen, was zu zusätzlichen Verzögerungen bei Projektgenehmigungen geführt habe, berichtet Michael Volz, Geschäftsführer von Solmotion. Doch mittlerweile habe sich dieser Engpass wieder ausgeglichen, weil neue Mitarbeiter eingestellt worden seien. Hans-Christoph Neidlein

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