Chancen für die Lausitz mit erneuerbaren Energien

Werden die erneuerbaren Energien kräftig ausgebaut, können damit die Arbeitsplätze in der Braunkohle ersetzt werden. Allerdings würde nur jeder fünfte Job direkt in den betroffenen Abbauregionen geschaffen. Das ergibt eine Studie des Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) für Greenpeace Energy.

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In der Studie geht es um den Ersatz von 3900 Braunkohlearbeitsplätzen im Lausitzer Revier und 4500 Jobs im Rheinischen Revier, die es dort im Jahr 2030 noch geben wird. Heute sind es 7800 beziehungsweise 8960 direkte Beschäftigte, sagte Professor Bernd Hirschl vom IÖW bei der Vorstellung der Studie. Die Zahl werde unter anderem aufgrund von Rationalisierungen bis 2030 sinken. In den Branchen Wind und Photovoltaik  könnten bis dahin in der Lausitz 822 Vollarbeitsplätze und im Rheinischen Revier 820 Vollarbeitsplätze entstehen.


Hirschl und sein Team kommen zu dem Ergebnis, dass in Brandenburg und Sachsen ausreichend Potenziale für einen Ausbau der erneuerbaren Energien zur Verfügung stehen, um die weggefallenen Arbeitsplätze in der Lausitz zu kompensieren. „Auch wenn eine Übernahme der Beschäftigten qualifikationsbedingt nicht vollständig möglich ist, kann davon ausgegangen werden, dass durch Umschulung ein großer Teil der derzeit noch jungen Belegschaft in den nächsten Jahrzehnten im Geschäftsfeld erneuerbare Energien tätig werden könnte“, heißt es in der Studie. Viele der heute Beschäftigten seien nämlich schon 45 Jahre und älter.


Voraussetzung ist allerdings, dass möglichst viele regionale Unternehmen entlang der Wertschöpfungsketten eingebunden werden. Dafür müsste dann jeder zweite Projektierer vor Ort arbeiten, regionale Banken müssten einen Großteil der Kredite geben und die Monteure von Windrädern und Photovoltaikanlagen müssten alle aus der Region kommen.


Die weitergehende Aussage, dass die Arbeitsplätze in der Braunkohle in Summe kompensiert werden könnten, bezieht sich dann nicht auf die Reviere direkt, sondern auf einen unterstellten Ausbau von erneuerbaren Energien in den betreffenden Bundesländern. Hirschl stützt sich dabei auf die Vorläuferstudien „Kommunale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien in zwei Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen“ und „Vattenfalls Chance – Eine Zukunft für die Lausitz ohne Braunkohle“. Darin sind die Modelle für die Potentialanalysen hinterlegt.


Neben den Branchen Wind und Photovoltaik könnten weitere Beschäftigungseffekte durch die energetische Gebäudesanierung entstehen. Hier sieht die Studie 750 bis 1150 mögliche Vollzeitarbeitsplätzen in der Lausitz.


Außerde den erneuerbare Energien und der Energieeffizienz sieht die Studie beim Thema Flexibilität und Sektorkopplung eine dritte Chance für den Strukturwandel. Hierunter fallen Technologien wie Power-to-X, Batteriesysteme, steuerbare Lasten und digitalen Dienste wie das Internet der Energie. Inwieweit die Braunkohleregionen spezifische Vorteile bei der Entwicklung dieser Themen aufweisen, sei zwar nicht Gegenstand der Untersuchung gewesen. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch in den betroffenen Braunkohleregionen viele dieser neuen Geschäftsmodelle und die damit verbundenen Technologien und Dienstleistungen eine Rolle spielen werden und somit eine Beschäftigungswirkung entfalten können“, heißt es in der Studie.

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