Standpunkt Digitales Design muss zum Nutzer passen

Digitale Projekte verlangen Ergebnisoffenheit, sagt Burkhard Müller. Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, müsse klar sein, was der Kunde will, erklärt der Digital-Chef bei der Designagentur Mutabor. Er warnt davor, digitale Produkte wie materielle zu planen.

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Der Siegeszug der Digitalisierung begründet sich darin, dass sie uns Arbeit abnimmt und uns effizienter macht. Einen hilfreichen, lebenserleichternden Service zu entwickeln ist aber sehr harte Arbeit und die meisten Projekte scheitern bereits am Mindset der handelnden Personen. Denn: Digitale Projekte verlangen Ergebnisoffenheit von Auftraggebern aus Politik und Wirtschaft und ihren Dienstleistern.

Immer noch werden in vielen Unternehmen digitale Projekte wie Projekte aus der materiellen Welt geplant. Nehmen wir ein Auto als Beispiel. Zum Start wird genau definiert, wie das Auto am Ende aussehen soll, welche Funktionen es bekommt und welche Sonderausstattung. Dann wird solange daran gearbeitet bis es fertig ist. Es wäre toll, ein 10 Prozent fertiges Auto schon mal auf den Markt bringen zu können, um zu schauen, ob es den Nutzern gefällt. Leider funktioniert das in der materiellen Welt nicht – in der digitalen Welt aber sehr wohl.

Schade, dass sich die wenigsten diesen Vorteil zunutze machen. Stattdessen wird nicht selten eine Software über Jahre programmiert ohne zu wissen, ob die Nutzer sie verstehen oder überhaupt brauchen. Im schlimmsten Fall wird dann noch schnell eine teure Werbekampagne geplant. Das bringt aber nichts, wenn die Nutzer die Anwendung nicht wollen.  

Fragt die Nutzer

Das Naheliegendste wäre natürlich, eine Umfrage zu starten. Das Ergebnis aus so einer demokratischen Befragung führt allerdings höchstens zum „durchschnittlich Besten, aber niemals zu einer Innovation. Es ist unerlässlich die Menschen einzubeziehen, aber es reicht nicht einfach das umzusetzen, was sie sich wünschen. Der Schlüssel liegt in Empathie, gepaart mit Erfindergeist: Begabte Köpfe, die sich mit den Menschen beschäftigen, ihre Bedürfnisse verstehen und dafür Lösungen entwickeln. So entstehen echte Innovationen.

Und hier kommen Designer ins Spiel, denn: Design ist mehr als visuelle Gestaltung. Die Aufgabe eines Designers ist es, aus etwas Komplexem etwas Einfaches zu machen. Egal ob es um ein Plakat oder eine Softwareanwendung geht. Das Wichtigste im Designprozess ist es, sich in die Menschen hinein zu versetzen, die man erreichen will.

Ein Kreislauf ständiger Verbesserung

Designer finden Lösungen, indem sie Wünsche und Probleme aus möglichst allen Perspektiven betrachten. Idealerweise werden zunächst Lösungsansätze als Prototypen umgesetzt, um sie mit einer kleinen Gruppe echter Nutzer zu testen. Das wird mehrmals wiederholt, bis man ein klares Bild davon hat, was die Nutzer brauchen, um mit dem Produkt zu arbeiten. In der Softwareentwicklung nennt man das ein MVP (Minimum Viable Product) oder besser noch MLP (Minimum Lovable Product). Also die Mindestanforderungen an ein Produkt, damit die Nutzer es gerne nutzen.

Dieses Produkt sollte so früh wie möglich veröffentlicht werden. Einmal veröffentlicht sammelt man weitere Erkenntnisse, mit denen sich das Produkt weiter verbessern lässt. So entsteht ein Kreislauf ständiger Verbesserung, die den Nutzern zu Gute kommt. Längst weiß man, dass die besten Ergebnisse entstehen, wenn sich ein Team aus Auftraggeber und Dienstleister bildet, das auf Augenhöhe mit echten Nutzern Lösungen erarbeitet.  

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