Die Energiewende auf die nächste Stufe heben

In Deutschland gibt es bereits jede Menge saubere Energie. Die Herausforderung besteht in Systemintegration und Sektorkopplung. Fünf Projekte möchten zeigen, wie das gelingen kann.

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„Die Energiewende ist ein riesiges Modernisierungsprogramm für unsere Volkswirtschaft und wir sollten uns darum bemühen, die Nase vorne zu behalten“, sagte Rainer Baake, Staatsekretär im Bundeswirtschaftsministerium, in seiner Keynote zur Eröffnung der SINTEG-Konferenz gestern in Berlin.


Unternehmen, die bei der Energiewende die Nase vorne haben wollen, kommen um das Thema Digitalisierung nicht mehr herum. Neue Lösungen sollen dabei helfen, die immer größer werdende Anzahl an „Prosumern“ effizient zu koordinieren, sauber erzeugte Energie möglichst lokal zu nutzen und zudem verschiedene Sektoren zu koppeln. Aus diesem Grund fördert das BMWi im Rahmen des extra aufgesetzten Förderprogramms SINTEG seit Dezember letzten Jahres fünf großflächige Modellprojekte, die beim Thema Digitalisierung der Energiewende Pionierarbeit leisten wollen. Die Projekte starten ab sofort.


Das BMWi fördert die Vorhaben mit insgesamt bis zu 200 Mio. Euro. Zusammen mit zusätzlichen privaten Investitionen der beteiligten Unternehmen sollen insgesamt über 500 Mio. Euro investiert werden.


Die fünf ausgewählten Projekte im Einzelnen: 


Das Schaufenster „C/sells“, durchgeführt von Fichtner IT Consulting AG, setzt einen Schwerpunkt auf Solarenergie und überspannt die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Hessen. In einem zellulär strukturierten Energiesystem sollen regionale Zellen im überregionalen Verbund miteinander agieren. Die Größe der Zellen ist dabei sehr unterschiedlich. So können einzelne Liegenschaften oder ganze Verteilnetzbereiche Zellen bilden. Jede Zelle versorgt dabei subsidiär zunächst sich selbst, indem Energieerzeugung und Last möglichst direkt vor Ort ausgeglichen werden. Die verbleibenden Energiebilanzen werden dann mit anderen Zellen ausgetauscht, um so das Energiesystem zu optimieren. Der Zellverbund soll eine regionale Optimierung von Erzeugung und Verbrauch ermöglichen.


Das von der Westnetz GmbH entwickelte Schaufenster „Designnetz“ fokussiert sich auf Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Ausgangspunkt ist die in vielen Regionen Deutschlands typische Situation, in der sich ländliche Strukturen mit urbanen Ballungszentren und Industriestandorten abwechseln. Daher sollen Lösungen entwickelt werden, wie dezentral bereitgestellte Energie aus Sonne und Wind für die Versorgung von Lastzentren genutzt werden kann. Es gilt eine hierarchische Systemverantwortung. Aus übergeordneten Netzebenen werden Flexibilitätsanfragen an untergeordnete Netzebenen gesendet. Aus den untergeordneten Netzebenen werden umgekehrt die Prognosen des Netzzustandes und der verfügbaren Flexibilität in die übergeordneten Netzebenen gespeist. Hierfür sollen auch Daten von ca. 140.000 Messsystemen einbezogen werden.


„enera“ aus dem Hause des Energieversorgers EWE versucht durch technisches Nachrüsten von Erzeugern, Verbrauchern und Speichern bzw. deren Neuinstallation das Energiesystem zu flexibilisieren. Dezentralen Anlagen soll es ermöglicht werden, regionale Systemdienstleistungen zu erbringen, um lokal das Netz zu stabilisieren. Die regionalen Systemdienstleistungen sollen an den Strommärkten gehandelt werden können. Hierzu soll der Handel an der Strombörse um regionale Informationen erweitert werden. Um die Datenflüsse zu organisieren, wird zudem eine „Smart Data und Service“ Plattform aufgebaut.


Das Schaufenster „NEW“ von der HAW Hamburg will zeigen, wie die Gesamtregion Hamburg/ Schleswig-Holstein bis 2025 sicher und zuverlässig mit bis zu 70 Prozent regenerativer Energie versorgt werden könnte. Ziel ist insbesondere ein effizienter Umgang mit lokalen Stromüberschüssen. Im Rahmen einer Doppelstrategie sollen regionale Abregelungen von Windenergieanlagen einerseits durch einen verbesserten Stromexport in andere Regionen reduziert werden. Gleichzeitig soll die energetische Nutzung vor Ort durch geeignete Flexibilitätskonzepte gesteigert werden. Die Flexibilisierung soll durch eine Regelung des Verbrauchs über Lastmanagement, Speicher und Sektorenkopplung erreicht werden. Verstärkte Flexibilisierung soll auch die durch konventionelle Kraftwerke abzudeckende Last bei geringer regenerativer Erzeugung reduzieren.


Der Übertragunsnetzbetreiber 50 Hertz will mit dem Schaufenster „WindNODE“ zeigen, dass auch bei überwiegenden Anteilen Erneuerbarer Energien der Strom dann, wenn Wind und Sonne ihn liefern, sinnvoll genutzt oder effizient gespeichert werden kann. Auf einer Informations-und Kommunikationstechnik-Plattform werden Erzeuger und Nutzer, Stromnetz und Märkte mit flexiblen Energienutzern wie Kühlhäusern, Wärmespeichern oder Elektrofahrzeugen und „Smart Home“ Anwendungen verbunden. Im Mittelpunkt des Geschehens sollen Stromkunden und Kleinerzeuger stehen. Ihnen werden Instrumente und Informationen an die Hand gegeben, mit denen sie aktiv an der Stabilisierung des Systems mitwirken und somit die Energiewende mitgestalten können.

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