Digitalisierung & KI

Standpunkt

Nicht nur in der Krise: Wer skaliert, gewinnt

Nils Hoffmann
Nils Hoffann leitet den deutschen Ableger des GovTech-Accelerator-Programms GovStart von PUBLIC Foto: Nils Hoffmann

In Zeiten von Corona zeigt sich: Nicht allein die innovativsten Lösungen sind gefragt, sondern sie müssen auch schnell und effektiv ausgerollt werden können. Warum Start-ups, die auf skalierbare Infrastrukturen setzen, deshalb triumphieren, erklärt Nils Hoffmann im Standpunkt.

von Nils Hoffmann

veröffentlicht am 13.05.2020

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Die aktuelle Entwicklung rund um Covid-19 ist mit immensen Herausforderungen für die digitale Infrastruktur verbunden. Hunderttausende im Homeoffice, Nischenprodukte die binnen weniger Tage das Vielfache an Nutzern bedienen müssen und Start-ups, deren Entwicklung riesige Sprünge vollzieht. Jetzt schlägt die Stunde skalierbarer Infrastrukturen.

Aktuell erleben wir wohl eine der schwersten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg. Covid-19 hat die Welt fest im Griff – und mit ihr die Weltwirtschaft. Große Teile der Start-up-Szene leiden unter den aktuellen Entwicklungen. Es gibt allerdings auch Start-ups, die gefragter sind denn je. So sucht das britische Gesundheitssystem NHS händeringend nach digitalen Lösungen, um den Shutdown erträglicher zu machen. Technologie speziell für Verwaltungen entwickeln wird (GovTech), ist gefragter denn je. So musste Nordrhein-Westfalen mehr als 200.000 digitale Anträge binnen weniger Tage bearbeiten.

Start-ups bieten innovative Lösungen in der Krise

Dabei kommt es in diesen Tagen nicht nur darauf an, wie innovativ eine Lösung ist: Entscheidend ist auch, wie schnell große Datenmengen verarbeitet werden können oder möglichst viele Nutzer von der Innovation profitieren können. Wichtig und entscheidend ist die Skalierbarkeit der genutzten Infrastruktur. Services und Tools, die hier mit einer passenden Architektur aufwarten können, können dabei genau das liefern, was für die Anwender nun besonders wichtig ist: Schneller Einsatz von innovativen Lösungen bei maximaler Stabilität und Sicherheit.

Start-ups, die auf hochverfügbarer Infrastruktur aufbauen, vereinen in der aktuellen Krise das beste beider Welten. Innovationskraft sowie kleine, agile Teams auf der einen mit der Skalierbarkeit von etablierten Infrastruktur-Plattformen.

Hunderte Start-ups arbeiten aktuell an Produkten, Technologien und Lösungen mit denen Covid-19 bekämpft werden kann. Start-ups wie das Berliner Unternehmen DoctorBox ermöglichen beispielsweise den ​sicheren Abruf von Covid-19 Testergebnissen​. Das Münchner Start-up Thryve war maßgeblich an der Entwicklung der ​Datenspende-App des Robert Koch-Instituts beteiligt​. Häufig lohnt zudem ein zweiter Blick auf Start-ups, die mittelbar zur Lösung der Krise beitragen und sich außerhalb des medizinischen Bereichs bewegen. So unterstützt das Startup CommneX, welches auch an dem GovStart-Programm von Public teilnimmt, Kämmerer in den Kommunen, schnell liquide Mittel und kurzfristige Kredite für das Krisenmanagement zu organisieren – binnen weniger Stunden. 

Auch außerhalb Europas findet sich eine riesige Bandbreite an Start-ups und Aktivitäten, die auf vielfältige Art und Weise in der aktuellen Krise unterstützen. So unterstützt beispielsweise CityGrows Behörden und Kommunen in den USA dabei, schnell krisenrelevante Prozesse und Workflows digital abzubilden, um den Behörden ortsunabhängig beim Krisenmanagement zu helfen. ZOE, eigentlich ein Start-up mit einem Fokus auf Ernährung, hat in kürzester Zeit eine App zur Symptom-Überwachung entwickelt. Das Startup Kinetica unterstützt Forscherteams weltweit bei der Analyse von Covid-19 relevanten Daten durch ihre Data Analytics-Tools.

Start-up-Mentalität hilft jetzt mehr denn je

Die angesprochenen Beispiele zeigen deutlich, wie wirksam innovative Unternehmen mit skalierbaren Infrastrukturen sein können. Was macht sie so erfolgreich? Dies hat mehrere Gründe: So sind datenschutzrechtliche Vorgaben wie die ​DSGVO-Konformität ​leichter abzubilden und auch Fragen der ​IT-Sicherheit ​können häufig schon durch den Infrastrukturanbieter geklärt werden. Insbesondere KMUs und Start-ups können so viele der Fragen schnell klären, was in der aktuellen Lage besonders wichtig ist. 

Zudem sind Kapazitäten leicht erweiterbar: Viele IaaS-Angebote (Infrastructure as a service) lassen sich ​einfach und schnell erweitern. ​Ob einhundert oder einhunderttausend Nutzer einen Dienst in Anspruch nehmen, zehntausend oder zehn Millionen Abfragen getätigt werden, ist dabei meist zweitrangig: Krisen wie die aktuelle, die starke Schwankungen bei der Auslastung bedeuten können, zeigen besonders deutlich wie vorteilhaft dieser Aspekt ist. So konnte beispielsweise das Wirtschaftsministerium in Bayern auf Basis der Open Telekom Cloud binnen ​weniger Tage die Soforthilfe-Angebote für Unternehmer realisieren​. 

Zusätzlich haben sich um die Angebote herum ​große Entwickler-Communities ​gebildet. Es war nie leichter, sich in der jeweiligen IT-Architektur fit zu machen und mit wenigen Ressourcen umfassende Projekte zu betreuen. Zudem stehen viele Ressourcen dafür in der Krise kostenlos bereit – auch die Firma Oracle, ein Partner von PUBLICs GovStart-Programm, hat Aufgrund der Krise sein Kursangebot geöffnet.

Auch die Start-up-Szene bringt in der Krise ihre Vorzüge mit ein: Junge Unternehmen bringen äußerst ​agile, schlagkräftige Talente ​ein, die binnen kürzester Zeit auf diesen Strukturen aufbauend hervorragende Produkte und Lösungen entwickeln können. Gründer sind zudem darin geübt, schnell Anpassungen an Produkt und Geschäftsmodell vorzunehmen, was in Krisenzeiten besonders gefragt ist. Aus dieser Kombination entsteht eine einzigartige Dynamik, die in den vielen Initiativen, Produkten und Services mündet, die uns dabei helfen, besser mit der aktuellen Krise umzugehen. 

Was nach der Krise bleibt: Die Infrastruktur-Frage

Die aktuelle Situation wird unserer Einschätzung nach mittelfristig Auswirkungen auf die Debatten rund um digitale Infrastrukturen haben – sei es für Verwaltungen, im Mittelstand oder im Gesundheitsbereich. Wie sieht der Tech-Stack der Zukunft aus und wie können wir langfristig die vielen Vorteile von skalierbaren Infrastrukturlösungen nutzen – nicht nur in der Start-up-Welt? Etablierte Unternehmen und Behörden müssen sich dieser Frage gleichermaßen mit mehr Nachdruck stellen. Viele Start-ups und KMUs zeigen heute, wie leicht sie auf die Krise dank anpassbarer Infrastruktur reagieren können. Projekte wie Gaia-X werden hierbei noch mehr an Bedeutung gewinnen, Antworten liefern müssen und bieten eine große Chance, wenn skalierbare Infrastrukturen in die Anwendung kommen. 

Nils Hoffmann leitet den deutschen Ableger des GovTech-Accelerator-Programms GovStart (GovStart Germany) von PUBLIC. Zuvor hat er das GovLab in Arnsberg (Hochsauerlandkreis) geleitet. 

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