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Digitalisierung & KI

Standpunkt

Welche Chancen bietet der Data Act?

Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung Foto: Alexander Grüber

Mit dem Data Act stellt Europa die Weichen für eine weltweit führende Datenökonomie. Doch an einigen Stellen hakt es noch: Die Daten dürfen nicht nur in eine Richtung fließen – und das Teilen muss sich lohnen.

von Wolfgang Weber

veröffentlicht am 23.02.2022

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Zurzeit versagen wir uns in Europa viele ökonomische und ökologische Chancen, die bei besseren und klareren rechtlichen Rahmenbedingungen vorhanden wären – auch durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die Debatten um eine immer weiterreichende Anwendung nicht nur auf personenbezogene, sondern auch personenbeziehbare Daten.

Europa steht mit seiner auch im internationalen Vergleich starken Industrie in einer Pole Position, in diesem Teil der Datenökonomie global führend eine Industrie 4.0-Wertschöpfung aufzubauen – mit weitreichenden Vorteilen für den gesamten europäischen Wirtschaftsstandort. Hier kann der Data Act jetzt durch eine entschiedene Ausrichtung pro Datenzugang und -nutzung wichtige Beiträge leisten.

Daten müssen zurück zu den Entwicklern fließen

Es hakt allerdings an der ein oder anderen Stelle: Die Weiterentwicklung heutiger Automobilbatterien ließe sich schneller und kosteneffizienter gestalten, wenn die Batteriehersteller besser auf forschungsrelevante Daten aus dem Anwendungsumfeld, also dem Fahrbetrieb der Fahrzeuge, zugreifen könnten. Daten sollten künftig nicht nur in Richtung der Nutzer fließen, sondern entlang der Wertschöpfungsnetzwerke auch zurück zu den Komponentenentwicklern. Erst dann gelingt es, das volle Wertschöpfungspotenzial von Industrie- und Maschinendaten auszunutzen. Denn das muss und soll ja das Ziel des Data Acts sein.

Zweitens muss der Data Act dafür sorgen, dass bei einer möglichen Weitergabe von Daten zu jeder Zeit sichergestellt wird, dass dies nachvollziehbar geschieht und Geschäftsgeheimnisse nicht von Dritten abgegriffen werden können, sondern wirksam geschützt werden. Eine bewährte Methode in der Industrie sind sektorspezifische Lösungsbausteine, wie beispielsweise das Teilen von Maschinendaten über Teilmodelle der Verwaltungsschale, IIoT-Plattformen oder Datentreuhändermodelle im Bereich der Gesundheitswirtschaft.

Datenteilen muss sich lohnen

Drittens muss es gelingen, dass derjenige, der die Daten zur Verfügung stellt, für den finanziellen Aufwand angemessen entschädigt wird. Insbesondere die notwendigen Investitions- oder Projektkosten, damit Daten in ihrem Kontext überhaupt sinnvoll von einem Marktteilnehmer zum anderen fließen können, müssen sinken. Diese Kosten der Datenteilung sind noch unverhältnismäßig groß. Erst wenn sie durch eine bessere Interoperabilität und gemeinsame technische Standards im Unternehmensalltag klein genug werden, kann das volle Potenzial der Datenökonomie genutzt werden.

Der Data Act kann eine Chance sein, den Austausch von industriellen Daten über Unternehmens- und Sektorgrenzen hinweg zu verbessern und die Entwicklung von datengetriebenen Geschäftsmodellen zu erleichtern. Dafür muss er aber jetzt richtig ausgestaltet werden und offene Fragen technisch und rechtlich sicher klären.

Wolfgang Weber ist Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, dem Verband der Elektro- und Digitalindustrie.

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