Ein Navi für die Energiewende

Ein Navi für die Energiewende – wie schön wäre es doch, wenn man durch die komplexe Transformation des Energiesystems geleitet würde wie von einem Navigationsgerät im Auto. ENavi nannte ein Konsortium von Forschungsinstituten deshalb sein Konzept. Es wird im großen Kopernikus-Forschungsprogramm gefördert. Hinter dem griffigen Namen steckt ein komplexes System.

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ENavi soll die gesamte gesellschaftliche Transformation des Energiesystems untersuchen. Vier eng zusammenhängende Handlungsfelder beleuchten die Forscher: Auf technischer Ebene geht es zum Beispiel um die Möglichkeiten der Digitalisierung. Bei der Regulierung geht es um die Frage, welche Gesetze und staatliche Anreize gebraucht werden.


Organisatorisch will ENavi zum Beispel klären, wie Genossenschaften zur Energiewende beitragen könnten oder warum Contracting in Deutschland bisher vergleichsweise unterentwickelt ist. Zuletzt geht es um Verhalten, etwa warum Effizienzgewinne häufig vom Reboundeffekt aufgefressen werden und wie man das verhindern könnte.


Die Antworten wollen die Forscher in eine „Roadsmap“ überführen. Das Wort ist bewusst mit einem Plural-s geschrieben. Mehrere mögliche Pfade zu einem nachhaltigen, innovativen Energiesystem möchten die Forscher aufzeichnen. „Wir wollen gemeinsam Wissen und Handlungsoptionen ausloten, denn den einen Königsweg gibt es nicht“, sagt Ortwin Renn, wissenschaftlicher Direktor am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (Institute for Advanced Sustainability Studies ) IASS in Potsdam. Das Institut koordiniert das Konsortium von über 80 Forschungspartnerninstituten, die bei ENavi mitarbeiten.


Das Navigationstool wird zurzeit entwickelt und soll 2018 an drei Themen getestet werden:


  • Die Transformation des Stromsystems: Welche Technologien können an einer Verminderung des CO2-Ausstosses mitwirken? Welche juristischen Fragen sind dabei zu untersuchen?
  • Nutzerintegration durch intelligente Steuerung: Wie können Nutzer zu einem strom- und wärmeenergiesparendem Verhalten motiviert werden? Welche technischen, ökonomischen oder regulativen Instrumente können sie dabei unterstützen?
  • Neue Mobilität: Welche Verkehrskonzepte kommen bei den Nutzern an und können CO2-Emission vermindern? Welche Bedeutung haben alternative Antriebsformen und sektorenübergreifende Ansatzpunkte?


Am Ende wird ENavi natürlich kein Apparat sein, der kluge Antworten auf alle Fragen zur Energiewende ausspuckt. „Hier endet die Analogie“, sagt Renn. ENavi soll vielmehr eine Mischung aus Datenbank, Szenarien, Simulationen und Expertenabschätzungen zu den Folgen bestimmter Entscheidungen sein.


ENavi ist damit das Projekt innerhalb des Kopernikus-Programms, das sich am stärksten mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Energiewende beschäftigt. Es sind allerdings auch in den drei anderen Projekten Vertreter von gesellschaftlichen Gruppen beteiligt – ein Alleinstellungsmerkmal des Konzepts wie die zehnjährige Laufzeit. Die anderen drei Programme sind SynErgie, ENSURE und P2X. Zusammen erhalten sie 400 Millionen Euro Förderung. Wie sich die Energieforschung weiterentwickeln sollte, wird übrigens gerade mit einem eigenen Programm untersucht.

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