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Energie & Klima

Standpunkt

Das Projekt für grün-gelbes Glücklichsein

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle
Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle Foto: BuVEG

Klimaschutz und Innovation werden aus Sicht von Jan Peter Hinrichs das Fundament für die nächste Regierungskoalition sein. Mit seinem Standpunkt liefert der Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle „eine Anleitung zum Erfolg“.

von Jan Peter Hinrichs

veröffentlicht am 30.09.2021

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Die Wähler haben den politischen Parteien dieser Tage eine neue und herausfordernde Situation beschert. Grünen und FDP bietet sich die historische Chance, unsere Gesellschaft von morgen in einem besonderen Maße zu prägen. Erste Vorsondierungen loten derzeit Gemeinsamkeiten und Unterschiede aus.

Neu sind die Annäherungen beider beteiligter Parteien nicht. Was auf Landesebene funktioniert, ist jedoch im Bund kein Selbstläufer. Beide Seiten sind nicht gerade verlegen, herauszustellen, woran es haken könnte. Im Fokus: der Klimaschutz, das Megathema unserer Zeitrechnung. An den gemeinsamen Schnittmengen hierbei wird sich zeigen, wie robust ein Bündnis werden kann. Die Papierlage in Form der Wahlprogramme ist dazu auf den ersten Blick ernüchternd. Daher erheben sich vermehrt Stimmen, der Weg zum Bündnis müsse eine gemeinsame Überschrift finden. 

In diesem Wahlkampf hat sich erkennbar etwas beim Klimaschutzprogramm der Grünen getan: weniger Aktivismus, leisere Töne zum Verzicht. Hin zu einer Idee des Zusammenführens von Klima und Wirtschaft. Rhetorisch ist Annalena Baerbock damit zumindest nicht mehr weit entfernt vom FDP-Mantra zur Lösung der Klimafrage mit Hilfe von innovativen Technologien. Außerdem darf, so Christian Lindner, die Gesellschaft ihren Wohlstand nicht zu Lasten des Klimas verlieren. Ist das nicht womöglich vergleichbar mit dem Sound der Grünen nach einem sozial gerechten Klimaschutz? Stichwort: Bezahlbarkeit. Also alles eine Frage der Formulierungen? Nein, damit wird man weder der Bedeutung des Klimaschutzes noch der der zwei Kanzlermacher gerecht. 

Eher ein Haus als eine Brücke für Grün-Gelb

Bei den beiden Parteien treffen Welten aufeinander. Daher braucht dieses Bündnis ein festes Fundament, auf dem ein Haus aus zukunftsfähigem Material steht. Ein Haus 2.0, mit dem Besten aus beiden Welten – Klimaschutz und Innovation. Denn genau das hat die junge Generation mit der Abgabe ihrer Stimme für diese beiden Parteien gefordert. 

Die Klimapolitik in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Ein wichtiger Bereich, der noch großen Nachholbedarf hat, ist der Gebäudesektor. Häuser sind in unserem Leben omnipräsent. Dabei wird immer wieder leichtfertig, sogar fahrlässig, übersehen, dass deutsche Gebäude 30 Prozent unseres Energiebedarfs verschlingen. Der Sektor hat aktuell zudem als einziger seine Energieeinsparziele verfehlt. Und damit noch nicht genug: Die energieeffiziente Modernisierung des Gebäudebestands, machen wir uns nichts vor, ist kein Selbstgänger. Im Gegenteil, es ist ein Kraftakt, rund zwei Drittel der Wohngebäude sind energetisch überaltert.

Was wir jedoch mittlerweile alle mit großer Sicherheit wissen: Die energieeffiziente Modernisierung unserer Gebäude sorgt nachweislich für das Erreichen der Klimaschutzziele. Dafür muss die aktuelle Sanierungsquote jedoch verdoppelt werden. Das ist umsetzbar und garantiert mittel- bis langfristig die Grundlage für die Bezahlbarkeit der Energiewende.

Es fehlt ein Masterplan für die Gebäude bis 2045

Der Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand folgt nicht der Logik von Legislaturperioden und passt zugegebenermaßen nicht in das Konzept politischer Erfolgsplanungen. Doch in diesem Projekt liegt eine einmalige Chance für Grün-Gelb, den Grundstein für einen Jahrhundertschritt im Bereich des innovativen Klimaschutzes zu legen.

Die signifikante Einsparung von CO2 liegt in der DNA der grünen Partei. Der Gebäudesektor hat hier noch riesiges Potenzial, das bisher nicht gehoben werden konnte. Wichtig bei diesem Vorgehen: ernst gemeinte Energieeffizienz, im Sinne von Efficiency first. Denn der Ausbau der erneuerbaren Energien und Sofortprogramme für Wärmepumpen können nur funktionieren, wenn der Bedarf erheblich reduziert wird und am Ende die Wärme im Haus bleibt. In Anbetracht der zuletzt massiv angestiegenen Energiepreise wäre diese Maßnahme nicht nur geeignet, sich politisch unabhängig zu machen, sie ist auch sozial gerecht. Außerdem ist der Gebäudesektor wie kaum ein anderer Bereich ein Motor für gut bezahlte Klimajobs, die keine Maschinen übernehmen werden.

Was hat die FDP davon? Kleine und mittlere Unternehmen sind die durchführende Kraft der Klimawende am Gebäude. Und wer das Haus jetzt anfasst und klimafit für die Zukunft macht, digitalisiert es übrigens im besonderen Maße. Damit sind nicht (nur) Smart Home-Technologien gemeint, sondern ein Digitalisierungsboost, der seinesgleichen sucht. Angefangen bei neuartig gestalteten Antragsverfahren über den digitalen Gebäudepass bis hin zu einer datengestützten individuellen Sanierungsstrategie: Alles wie gemacht für das geplante Abschreibungsprogramm der FDP, die Maßnahmen in den Mittelpunkt setzt, die dem Klimaschutz und der Digitalisierung dienen.

Besondere Gelegenheit für Grüne und FDP

Die Mythen in Bezug auf die energieeffiziente Modernisierung des Gebäudebestands sind mittlerweile allesamt von Fachleuten widerlegt. Diese Maßnahmen zeigen über einen längeren Zeitraum noch weitere positive Effekte, die abseits des Klimaschutzes recht bemerkenswert sind. Gebäude mit hoher Energieeffizienz erzielen durchschnittlich 23 Prozent höhere Marktpreise als unsanierte Vergleichsobjekte. Die Modernisierungen führen also nicht nur zu einem Werterhalt, sondern zu einer -steigerung. Auch die Wohnnebenkosten können dramatisch gesenkt werden. Fazit: Bezahlbarkeit und Wohlstand im Einklang.

Wohnen wird in Deutschland also von nun an nicht mehr zur sozialen Frage stilisiert werden müssen, sondern zur Antwort auf den Klimaschutz. Grüne und FDP haben die besondere Gelegenheit, diesen tragenden Eckpfeiler unserer Zukunft entscheidend neu zu gestalten.

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