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Energie & Klima

Standpunkt

Die Rolle der KfW in einer nachhaltigen Wirtschaft

Johannes Schroeten, Researcher beim Think-tank E3G
Johannes Schroeten, Researcher beim Think-tank E3G

Die KfW steht vor Entscheidungen mit enormer Fallhöhe, wie Johannes Schroeten und Alexander Reitzenstein vom Think-tank E3G in ihrem Standpunkt schreiben. Sie müsse liefern bei der Ausrichtung auf eine politische Agenda, die in Richtung Klimaneutralität zeigt. Die Förderbank müsse eine transformative Institution werden, die zum Beispiel nicht mehr in Gasprojekte investiert werde – sonst gehe sie auch hohe Risiken ein.

von Johannes Schroeten

veröffentlicht am 10.11.2020

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In dieser Woche kommen, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, 450 internationale Förderbanken zum Finance in Common Gipfel in Paris zusammen. Das Ziel ist klar: Viele Förderbanken wollen sich als Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel und für die nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft positionieren. Mit jährlichen Investitionen von etwa zwei Billionen Euro sind sie dafür ein wichtiger Hebel.

Ob die Erwartungen in das Gipfeltreffen erfüllt werden, hängt nicht zuletzt von der Position der ‚Big Player‘ ab. Neben der Weltbank und der Europäischen Investitionsbank gehört dazu auch die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Oft wird übersehen, dass die KfW mit einer Bilanzsumme von fast 500 Milliarden Euro ähnlich groß ist wie die Weltbank. Nicht so beim Finance in Common Gipfel: Dort erfahren die in- und ausländischen Geschäftsaktivitäten sowie die strategische Ausrichtung der KfW hohe Aufmerksamkeit.

Die KfW hat auch international enormes Gewicht

Wenn sich die KfW mit anderen Banken zu einer Green Recovery und einer umfassenden Transformation wirtschaftlicher Sektoren bekennt, hat das international Gewicht. Wer sich hier früh bewegt, gewinnt den Wettstreit um die besten Ideen und Marktzugänge. Spätes Handeln würde hingegen das Risiko erhöhen, dass die KfW von anderen Akteuren abgehängt wird.  Eine auf Klimaneutralität und Innovation ausgerichtete Investitionspolitik in allen Geschäftsbereichen ist zudem essenziell, um die deutschen und europäischen Klimaziele zu erreichen, aber auch um andere Länder bei der Dekarbonisierung zu unterstützen.

Die KfW hat bereits erste wichtige Maßnahmen ergriffen. Beispielsweise ist sie einer der größten Emittenten von grünen Anleihen und investiert nicht mehr in Kohleprojekte. Zudem hat sich die KfW zur Klimaneutralität bis 2050 bekannt. Bei der konkreten Umsetzung bleiben jedoch viele Fragezeichen. Auch die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung beim Klimaschutz hängt von der zukünftigen Förderpolitik der zu 80 Prozent bundeseigenen KfW ab. Dementsprechend muss die strategische Ausrichtung der KfW Hand in Hand mit verschärften Klimazielen gehen.

Die KfW muss in drei Bereichen liefern

Erstens muss die Bank ihr gesamtes Geschäftsmodell und damit auch alle Investitionsentscheidungen auf ambitionierte, gerecht ausgestaltete Pfade hin zur Klimaneutralität und wirtschaftlichen Transformation ausrichten. Dazu muss sie zunächst klar formulieren, wie dies in allen emissionsrelevanten Sektoren, etwa in den Bereichen Energie, Verkehr und Gebäude, gestaltet werden kann. Reformen müssen dementsprechend zügig in allen Geschäftsfeldern, auch der Exportfinanzierung, umgesetzt werden.

Klar ist: Investitionen in und Finanzierungsmodelle für fossile Energieträger, insbesondere auch Erdgas, können keine Rolle in der strategischen Neuausrichtung der Bank spielen, wenn sich die KfW national und global – wie im Klimaschutzplan 2030 anvisiert – als transformative Förderbank positionieren soll. Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten werden diese Investitionen keine Zukunft haben: Investoren wie Suncorp ziehen ihr Geld aus fossilen Energieträgern ab, die globale Nachfrage nach Gas geht gemäß neuen Analysen zurück und das Scheitern von Projekten wie im Falle des geplanten Siemens-Gaskraftwerks in Israel unterstreicht die finanziellen Risiken. Hier besteht für die KfW noch erheblicher Handlungsbedarf, da Erdgas in der bisherigen Förderstrategie eine große Rolle spielt.  

Zweitens muss die KfW bereit sein, diese Ziele auch gegenüber Partnern durchzusetzen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die Weitervergabe von Kreditlinien der KfW an Auflagen wie nachhaltige Finanzierungsstrategien oder den Ausschluss von klimaschädlichen Investitionen gebunden sein muss. Aber auch in der Zusammenarbeit mit internationalen Entwicklungs- und Förderbanken sollte die Bank sich nicht scheuen, Klimaschutz in den Vordergrund zu stellen.  Die Investitionen der KfW leisten nicht zuletzt auch einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung vieler nachhaltiger Entwicklungsziele (SDGs). Zielkonflikte zu analysieren, integrierte Finanzierungsstrategien zu entwickeln und klar definierte „do no harm“-Prinzipien einzuhalten ist daher unbedingt notwendig.  

Zuletzt muss die KfW proaktiv Bündnisse mit Wissenschaft und der breiteren Zivilgesellschaft suchen, um die Transformation zu begleiten und zu beschleunigen. Erfahrungen vieler Akteure der Finanz- und Realwirtschaft zeigen, dass die frühzeitige Einbindung etwa von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften glaubwürdige Transformationspläne hervorbringen kann, die auf breite Akzeptanz stoßen. Öffentliche Banken tragen in diesem Bereich eine besondere Verantwortung und die KfW kann internationale Standards für Transparenz und die Berücksichtigung von Stakeholdern setzen.

Starke Roadmap spielt zentrale Rolle

Letztes Jahr hat die Europäische Investitionsbank mit ihrer neuen Energieförderrichtlinie, die etwa Investitionen in Erdgas weitgehend ausschließt, ein Ausrufezeichen gesetzt und wird diesen Anspruch mit ihrer „Climate Bank Roadmap“ unterstreichen. Mit der Roadmap Sustainable Finance richtet sich auch die KfW noch dieses Jahr neu aus. Diese strategische Neuorientierung von Deutschlands drittgrößter Bank wird auch die Frage beantworten, ob die KfW zu einer transformativen Förderbank werden kann, die als Vorbild für Banken weltweit dient, oder ob sie hinter internationale Partner wie die EIB zurückfällt.

Die Fallhöhe ist enorm. Eine schwache Roadmap kann die KfW nicht nur im globalen Wettbewerb zurückwerfen, sondern auch den Geschäftserfolg in Frage stellen. Es stehen nicht nur Reputationsrisiken zur Debatte, sondern auch das finanzielle Risiko durch unwirtschaftliche Investitionen in fossile Energieträger. Letztendlich hat die KfW es selbst in der Hand, sich als Klima- und Nachhaltigkeitsbank neu zu definieren. Der Finance in Common Summit wäre ein guter Moment, diese Ambitionen öffentlich zu machen.

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