Standpunkt Nachhaltige Geschäftsmodelle als Klima-Katalysator

Martin Baart (CEO) und Markus Schwaninger (CFO) von der Solarfirma Ecoligo erklären das eigene Geschäftsmodell, bei dem über die Crowdinvesting-Plattform ecoligo.investments die Projekte finanziert werden, in ihrem Standpunkt. Sie wollen davon überzeugen, dass der Ansatz viel bewegen kann – gerade weil die Profitorientierung Nachhaltigkeit ermögliche.

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Vor vier Jahren wurden die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung, die „Sustainable Development Goals“ oder SDGs, formuliert. Sie formulieren ehrgeizige Ziele zur Gewährleistung besserer Lebensbedingungen und der Erhaltung unseres Ökosystems bis 2030. Vier Jahre und fast ein Viertel der anberaumten Zeitspanne später, steht jetzt ein riesiges Hindernis im Weg: eine drohende Finanzierungslücke von schätzungsweise 2,5 Billionen US-Dollar bremst entschlossenes Handeln aus und gefährdet den Erfolg des gesamten Vorhabens.

Alle Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass die Mittel zur Verfügung stehen: 2,5 Billionen Euro ist die Summe, die derzeit auf den Bankkonten der deutschen Bevölkerung liegt (Barvermögen). Auch hat die EU eine Billion Euro für den Klimaschutz zugesagt. Ein anderes Beispiel: Amazon-Gründer Jeff Bezos hat kürzlich 10 Milliarden Dollar für Klimainitiativen versprochen. Es geht also zunehmend nicht mehr darum, woher die Mittel kommen, sondern wie die Gelder richtig kanalisiert werden, damit man die notwendigen Maßnahmen ergreifen kann.

Unternehmen wissen, wie man den Nutzen maximiert

Die Beantwortung dieser Frage ist schwierig und benötigt eine Fertigkeit, die gewinnorientierte Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte perfektioniert haben: Wo und wie muss man investieren, um maximale Einnahmen zu erzielen? Zudem tun sich neue Geschäftsmodelle auf, hervorgebracht von jungen, nachhaltigen Unternehmen. Diese stellen die Auswirkungen ihres wirtschaftlichen Nutzens, der gleich ihrem ökologischen oder sozialen Nutzen ist, ins Zentrum ihres Geschäftsmodells.

Sie lösen das Problem auf eine Weise, die es ihnen ermöglicht, von allgemeiner Nachhaltigkeit auch finanziell zu profitieren. Folglich können sie ihre Unternehmen führen, ohne dass sie Zuschüsse oder andere finanzielle Unterstützung benötigen. Diese nachhaltigen Unternehmen könnten der Schlüssel zum richtigen Handeln sein – und dafür sorgen, dass die positive Wirkung von nachhaltigen Wirtschaften auf Dauer zu erhalten ist.

Der Energiesektor ist ein gutes Beispiel: Erneuerbare Energien sind heute wettbewerbsfähiger als fossile Brennstoffe und ermöglichen es Unternehmen, eine erschwinglichere, umweltfreundlichere Lösung anzubieten und gleichzeitig eine attraktive Rendite zu erzielen. Dies trifft besonders auf den globalen Süden zu, wo die Energiekosten hoch sind – ebenso wie die Sonnenstunden, was die Solarenergie zu einer sehr profitablen Lösung macht.

Ecoligo, das Unternehmen, das wir zusammen gegründet haben, nutzt das, indem es Energie für Unternehmen bereitstellt. Speziell dort, wo der Energiebedarf hoch ist. Das senkt die Energiekosten und ermöglicht es den Firmen, in andere Bereiche ihres Unternehmens zu investieren – zum Beispiel, um durch Expansion zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Wie gelingt das? Mit dem Geschäftsmodell von Ecoligo wird das Hauptproblem gelöst, das die Umsetzung solcher Solarprojekte verhindert – der Zugang zu Finanzmitteln. Indem wir die Solarprojekte über die Crowdinvesting-Plattform finanzieren, schließen wir die Finanzierungslücke und bieten deutschen Privatanlegern gleichzeitig nachhaltige Investitionsmöglichkeiten.

Zuletzt wurden Projekte mit einem Volumen von über 100.000 Euro in wenigen Stunden finanziert. Das Geld ist also da: Es geht darum, es effektiv einzusetzen. Wie bei einem klassischen Unternehmen liegt unser Schwerpunkt auf der Gewinnerzielung, aber das ist nicht der Grund, warum wir es gegründet haben. Unser Ziel ist es, eine Wirkung zu erzielen, und durch diese Wirkung Einnahmen zu generieren.

Patagonia, Tomorrow, Rügenwalder Mühle gehen voran

Andere Beispiele tauchen in einer Reihe von Branchen auf. Der Natur und den Menschen etwas zurückzugeben, stand in den letzten 40 Jahren im Mittelpunkt der Aktivitäten des Modeunternehmens Patagonia. Die nachhaltige Bank Tomorrow hat die Trends des nachhaltigen und mobilen Bankwesens kombiniert, um es in wirkungsvolle Projekte zu lenken. Doch es sind nicht nur Unternehmen, die von Anfang an nachhaltig waren: Der deutsche Fleischproduzent Rügenwalder Mühle wurde verspottet, als er mit der Produktion von veganen Fleischersatzprodukten begann. Dieser Idee verdankt das Familienunternehmen nun nach eigenen Angaben aber eine deutliche Umsatzsteigerung.´

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für diese Art des Wirtschaftens – und erhalten zunehmend Anerkennung. Die jüngste Gelegenheit, am Staatsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Kenia im Rahmen einer Wirtschaftsdelegation teilzunehmen, bestätigte mir dies persönlich. Zu der Delegation gehörten Siemens, Krones und B. Braun – etablierte Unternehmen, die aufgrund ihres bedeutenden Einflusses in Kenia ausgewählt wurden. Sie schaffen Arbeitsplätze, erhöhen die medizinischen Standards und setzen Projekte im Bereich erneuerbare Energien um. Auch das ist entscheidend, um die SDGs zu erreichen.

Doch alternative Geschäftsmodelle erzeugen eine noch größere Wirkung. Durch den Nachweis der Realisierbarkeit von Alternativen, durch die Schaffung von Projektportfolios, die für andere Investoren attraktiv sein können, und durch die Versöhnung von Gewinn und Nachhaltigkeit ebnen nachhaltige Unternehmen in besonderer Weise den Weg für die notwendige Transformation.

Es geht schließlich darum, den Status quo zu ändern. Die radikale Transparenz Patagonias hat den Druck auf andere Unternehmen erhöht, das Gleiche zu tun. Unsere eigenen Aktivitäten treiben das Bewusstsein für die Vorteile von Solaranlagen für Unternehmen voran; die Frage ändert sich schnell von „Warum?“ zu: „Warum nicht?“

Derzeit haben die meisten Unternehmen negative Nettoauswirkungen auf die Umwelt. Das muss sich ändern: Wenn die Nettoauswirkungen positiv wären, dann würde der wirtschaftliche Fortschritt zu einem gesünderen Planeten und einer Gesellschaft führen, die nicht immer weiter unsere Umwelt belastet. Wenn wir angesichts des Klimawandels nicht mit einem „business as usual“-Ansatz weitermachen wollen, dann muss sich die Gesellschaft selbst ändern – und das schließt die Geschäftswelt ein. Die gute Nachricht ist, dass dieser Prozess bereits begonnen hat.

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