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Energie & Klima

Norbert Werle

Norbert Werle, Gründer und Geschäftsführer von Air2E
Gründer und Geschäftsführer von Air2E Foto: Norbert Werle
Maximilian Zech

von Maximilian Zech

veröffentlicht am 26.06.2020

aktualisiert am 29.06.2020

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Nehme ich, um zum Beispiel von Nürnberg nach Zweibrücken zu kommen, das Auto, den Zug oder doch lieber das Kleinflugzeug? Glaubt man Norbert Werle, könnte sich diese Frage in ein paar Jahren praktisch jedem stellen, der innerhalb Deutschlands oder sogar Europas verreisen will, aber keinen großen Flughafen in der Nähe hat. Mit seinem 2017 gegründeten Unternehmen Air2E will der CEO nicht weniger als die Luftfahrt revolutionieren – und zwar in mehrfacher Hinsicht.

Das Fliegen liegt dem 1977 in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Birkenfeld geborenen Werle im Blut. Schon während seines Studiums an der FH Trier macht der angehende Wirtschaftsingenieur den Segelflugschein, bald darauf darf er auch motorisierte Maschinen steuern. Als begeisterter Kunstflieger nimmt der Hobbypilot 2008 und 2009 sogar mit seinem eigenen Team an den Kunstflugweltmeisterschaften teil und bietet den Zuschauern nervenzerreißende Airshows. „Die Fliegerei war immer meine große Leidenschaft“, sagt Werle.   

Die Geschäftsidee: einen „Tesla in die Luft“ bringen

Beruflich schlägt er hingegen einen ganz anderen Weg ein. Nachdem Werle sein Studium mit dem Schwerpunkt Umweltplanung beendet hat, zieht es ihn 2001 in die Windenergiebranche. „Ich hatte schon relativ früh erkannt, dass das eine Zukunftstechnologie ist“, erklärt der Rheinland-Pfälzer. In den folgenden 16 Jahren arbeitet Werle für mehrere große Windradhersteller in führenden Positionen und gründet nebenbei noch eine Beraterfirma. Der passionierte Flieger ist in dieser Zeit viel im Flugzeug unterwegs, allerdings als Passagier und Geschäftsreisender.

„Ich habe mich über meinen Carbon Footprint geärgert“, sagt der umweltbewusste Wahlberliner. Also habe er sich irgendwann die Frage gestellt, ob es nicht auch möglich sei, mit einem guten ökologischen Gewissen zu fliegen. Oder in den Worten des Geschäftsmannes: „Wie kriegt man den Tesla in die Luft?“ Denn die großen Airliner seien nicht nachhaltig und werden es, spekuliert Werle, wohl auch in den kommenden zehn oder 20 Jahren nicht sein. Rein elektrisch angetriebene Kleinflugzeuge hingegen seien bereits heute in der Testphase und könnten ab 2025 auf den Markt kommen. 

Liegt also womöglich in der Individualflugreise mit kleinen Maschinen der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit im Luftverkehr? Genau davon ist der Geschäftsmann aus Birkenfeld überzeugt und ist darum 2017 einer von vier Gründern von Air2E. Zwar ist das „E“ im Firmennamen momentan noch Zukunftsmusik, doch Norbert Werle geht es auch um etwas anderes. Mit seinem im brandenburgischen Neuhardenberg ansässigen Unternehmen will der 43-Jährige schon heute den Mobilitätssektor aufmischen.

Die Idee: Menschen individuelle Flugreisen anbieten, die sich eigentlich keine leisten können. Werle denkt dabei vor allem an Geschäftsreisende mittlerer und größerer Unternehmen, die, anders als in den Großkonzernen, keine eigenen Maschinen zur Verfügung haben. Für sie bestünden die Alternativen bislang darin, das Auto, den Zug oder den Linienflieger zu nehmen, verbunden mit langen Warte- und Reisezeiten, erklärt der Geschäftsführer von Air2E. Mit seinem Start-up könnten sich auch kleinere Unternehmen den Luxus eines Businessjets leisten und so viel Zeit sparen.

Flüge mit kleinen Maschinen – eine Chance für ländliche Regionen? 

Air2E arbeitet mit einer deutschen und einer Schweizer Airline zusammen. Insgesamt stehen den Kunden 18 Kleinflugzeuge zur Verfügung, die nahezu jeden Flugplatz in Europa anfliegen können. Wirkliche Konkurrenz für sein Geschäftsmodell gebe es bislang nicht, sagt Norbert Werle. „Wir haben Wettbewerber, die mit Privatjets durch die Gegend fliegen, aber die sind halt 50 bis 100 Prozent teurer.“ Der Grund für die verhältnismäßig niedrigen Preise seien die eingesetzten Propellermaschinen, die teilweise nur ein Zehntel des Kerosins verbrauchten, das vergleichbare Privatjets benötigen, erklärt der Flugenthusiast.

Ob sie die Reise mit Air2E letztlich für ein Schnäppchen halten, müssen die Kunden aber selbst entscheiden. Für den eingangs erwähnten Flug von Nürnberg nach Zweibrücken müsste man mit dem Start-up knapp 3000 Euro hin und zurück zahlen, also um die 600 Euro pro Person, wie Werle vorrechnet. Der CEO geht davon aus, dass sich die Kosten mit Elektroflugzeugen in ein paar Jahren halbieren werden. Dann, so glaubt er, könnte das Individualfliegen tatsächlich zu einem Massenphänomen werden, das auch für Privatreisende erschwinglich ist.    

Nach Norbert Werles Ansicht würde von dieser Entwicklung nicht nur der Klimaschutz profitieren, sondern auch die Bevölkerung in der Provinz. Allein in Deutschland gebe es über 200 regionale Flugplätze, auf denen die kleinen Maschinen landen und starten können, in ganz Europa sogar mehr als 2000. Der Birkenfelder sieht in seiner Idee die Chance, auch das Land und die kleinen Städte, die fernab von den großen Airports liegen, an den Flugverkehr anzubinden. Noch sei das Konzept von Air2E aber vor allem für die Wirtschaft interessant und werde bereits gut angenommen, erzählt der 43-jährige Gründer. „Es ist eine Marktlücke mit ungeahntem Potenzial“, sagt Werle. „Jetzt muss sich nur noch der Gedanke durchsetzen, dass günstiges individuelles Fliegen bereits heute möglich ist.“ Maximilian Zech


Wer rettet das Klima? Die Politik oder der Einzelne?
Jeder Einzelne, der seine Verhaltensweisen im Sinne der Nachhaltigkeit ändert und neuen nachhaltigen Technologien und Dienstleistungen eine Chance gibt. Und die Politik, die die richtigen Rahmenbedingungen setzt und nicht so langsam agiert wie in der Vergangenheit.

Auf welchen Flug würden Sie nie verzichten?
Einen nachhaltigen Flug mit einem Elektroflugzeug oder einem Segelflugzeug (gestartet mittels Elektrowinde).

Wer in der Energie- und Klimawelt hat Sie beeindruckt?
Elon Musk mit seinen Visionen und seiner Kraft, diese in die Wirklichkeit umzusetzen.

Welche Idee gibt der Energiewende neuen Schwung?
Baldmöglichster Ausstieg aus den fossilen Energieträgern, das heißt Kohleausstieg und auch Atomausstieg. Durch einen langsamen Ausstieg wird der Wandlungsprozess verlangsamt oder gestoppt, da es für viele einfacher ist, mit alter, dreckiger Technologie weiterzumachen. Die Windenergiebranche zeigt, wie zukunftsorientierte Entscheidungen der Politik unserem Land einen Vorsprung als Technologiestandort brachten und nebenbei nun schon 35 Prozent sauberer, kostengünstiger Energieproduktion ermöglichen. Die Energiewende hat noch großes Potenzial.

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