Standpunkt Für eine umweltfreundlichere Seeschifffahrt

Drei Prozent – das ist der Beitrag der Schifffahrtsbranche zum globalen CO2-Ausstoß. Für einen Industriezweig, der 90 Prozent des weltweiten Handels abwickelt, erscheint diese Zahl nicht besonders hoch. Aber vor dem Hintergrund der Prognosen zum Klimawandel müssen alle Branchen ihren Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten, schreibt Bertrand Piccard in seinem Standpunkt.

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In der Seeschifffahrt wird immer noch überwiegend qualitativ minderwertiges Schweröl verwendet, das zahlreiche schädliche Gase und Feinpartikel freisetzt. Diese haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit von Menschen, die in der Nähe großer Häfen leben, und tragen zu jährlich 4,2 Millionen Opfern der Luftverschmutzung bei.

Die Schifffahrtsbranche bemüht sich um Schadensbegrenzung: 2016 hat sie sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 50 Prozent im Vergleich zu 2008 zu reduzieren. Aber das reicht bei Weitem nicht aus.

Einige Reedereien ergreifen Maßnahmen zur Verbesserung ihres ökologischen Fußabdrucks, indem sie zur Reduzierung des Schwefelausstoßes Abgasreinigungsanlagen auf ihren Schiffen installieren, den Betrieb auf Flüssigerdgas umstellen (trotz eines erhöhten Methanausstoßes) oder die Boote mit Segeln ausstatten. Der Grund für diese Veränderungen ist vor allem eine Vereinbarung zur Begrenzung des Schwefelgehalts in Treibstoffen, die 2020 in Kraft tritt. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung, und diesen Unternehmen gebührt Applaus.

Schweröl verbieten, Tempolimits setzen, Landstrom nutzen

Aber: Die Mitglieder der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO haben zwölf Jahre verhandelt, um diese Vereinbarung zu erzielen. Es braucht natürlich Zeit, eine gesamte Branche klimaneutral zu gestalten, die derzeit genauso viel CO2 ausstößt wie ganz Deutschland. Man muss leicht umzusetzende, kurzfristige Maßnahmen mit einer ehrgeizigen, langfristigen Politik und Investitionen in Forschung und Entwicklung kombinieren. Um diesen Kampf zu gewinnen, benötigt es starken politischen Willen, engagierte Unternehmen und gesellschaftlichen Druck – und vor allem folgende drei konkreten Maßnahmen:

Erstens muss der Einsatz von Schweröl sofort verboten werden. Die Erdölunternehmen haben die Schifffahrtsbranche lange genug als Abfalleimer genutzt – dies muss ein Ende haben. Diese Maßnahme würde die Reedereien unmittelbar dazu zwingen, alternative sauberere Kraftstoffe zu verwenden. Das wiederum würde vielen Ölriesen aufgrund höherer Gewinnmargen in die Hände spielen.

Zweitens müssen auf hoher See Tempolimits umgesetzt werden. Je schneller ein Schiff fährt, desto mehr Treibstoff benötigt es, um die Geschwindigkeit beizubehalten. Eine Verringerung des Tempos um 20 Prozent unter den Durchschnitt von 2012 würde im Vergleich zu den Prognosen für 2030 die Emissionen deutlich reduzieren. Natürlich würde sich der Handel etwas verlangsamen. Aber neue intelligente Technologien könnten dazu beitragen, den Schiffsverkehr in den Häfen besser zu organisieren und die Wartezeiten vor dem Anlegen zu verringern.

Drittens sollten die im Hafen liegenden Schiffe immer an Landstrom angeschlossen werden, um das Be- und Entladen, Heizen oder Beleuchten zu ermöglichen. So könnten die besonders umweltschädlichen Hilfsmotoren ausgeschaltet werden. Häfen wie Vancouver oder Seattle sind mit einer solchen Technologie ausgerüstet. Und in Kalifornien ist die Nutzung von Landstrom für Schiffe sogar verbindlich vorgeschrieben, was zu einer deutlichen Reduzierung der Emissionen geführt hat.

Und zu guter Letzt müssen sich Reedereien Innovationen stellen. Im Rahmen des Labels Solar Impulse Efficient Solution für saubere und profitable Technologien gibt es bereits bemerkenswerte Innovationen, mit denen sowohl die Emissionen, als auch die negativen Auswirkungen und zugleich die Kosten der Seeschifffahrt gesenkt werden können. Windantriebssysteme wie etwa starre Segel gehören zu den positiven Beispielen. Mit solchen Initiativen kann die Branche den richtigen Weg einschlagen.

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