Porträt Anthony Obiri-Yeboah

Anthony Obiri-Yeboah
Anthony Obiri-Yeboah , Gründer des Med-Tech-Startups OBIRI (Foto: Privat)

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Die häufigsten Todesursachen gehen in Deutschland trotz Coronakrise auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einen Herzinfarkt zurück, erst 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 344.500 Menschen daran. Anthony Obiri-Yeboah, Gründer des Med-Tech-Start-ups OBIRI aus Frankfurt am Main, ist überzeugt, dass ein rechtzeitiger Notruf das in vielen Fällen verhindern kann. Mit seinem Smart Fashion Label entwickelt er Shirts, die über eingebaute Sensoren Gesundheitsdaten sammeln, in einer Notsituation das nächstgelegene Krankenhaus alarmieren und so Leben retten können.

„Eine hohe Sterberate durch Misskommunikation darf im Jahr 2020 einfach nicht mehr sein“, sagt der 23-Jährige, der mit OBIRI im November 2019 bereits sein drittes Start-up gegründet hat. Nach einer Zeitarbeitsfirma, die Yeboah noch als Abiturient selbstständig aufbaute, einem Start-up für Excel-Add-Ons und einer Stelle als Innovation Manager bei Daimler in Tokio, für die er sogar sein Mathematikstudium abbrach, verwirklicht Yeboah mit OBIRI jetzt einen lang gehegten Traum: „Schon als Kind wollte ich Tony Stark sein und meinen eigenen Iron-Man-Suit bauen. OBIRI ist jetzt der erste Schritt in die Richtung, das zu verwirklichen.“

Mit vier MitarbeiterInnen und verschiedenen Partner-Start-ups arbeitet Yeboah aktuell daran, die Shirts bis Ende 2020 marktfähig zu machen. Noch sei er auf „Investorenjagd“ und finanziere OBIRI mit den „Pounds“ seiner früheren Projekte, doch schon jetzt gäbe es gut funktionierende Beta-Shirts, die vor allen bei Sportlern und in Altenheimen gut ankommen. „Smart Fabrics sind ein riesiger, boomender Markt. Da die eingebauten Sensoren und damit ein Shirt aber sehr teuer sind, hat es bisher noch nicht die breite Masse erreicht.“ Das möchte Yeboah mit OBIRI ändern.

Entlastung für Altenheime

Um ein Shirt für 30 Euro statt 300 Euro anbieten zu können, sollen die Shirts mit einem patentierten Clipsystem ausgestattet werden. Die Kunden können wählen, welche Sensoren sie brauchen (EKG, Körpertemperatur, etc.) und investieren darin einmalig etwas mehr Geld, können die Sensoren dann jedoch in beliebig viele OBIRI-Shirts einbauen. Beim Tragen der Shirts werden die Daten in der zugehörigen App auf dem Smartphone, der Apple Watch oder anderen Med-Tech-Geräten aufgezeichnet und ausgewertet, sodass die Geräte im Notfall eigenständig das nächstgelegene Krankenhaus oder vorher nominierte Kontakte alarmieren können.

Gerade in Altenheimen könnten die Shirts eine enorme Entlastung für das Pflegepersonal darstellen, da sie vor allem bei Personalmangel eine vereinfachte Überwachung vieler Patienten und Patientinnen gleichzeitig ermöglichen, so Yeboah. In Deutschland sieht er hierfür einen echten Bedarf und ein „Riesenpotential“ für einen schnellen Markteinstieg, stößt jedoch durch die hohen Auflagen für Unternehmen im medizinischen Bereich zum Teil auf Probleme, das zu realisieren.

Mehr Freiheiten für die Gründerszene

„Ich finde es gut, dass wir in Deutschland strenge Gesetze haben und uns auch mit dem Thema Datenschutz kritisch auseinandersetzen, aber ich bin der Meinung, dass Gesetze und Auflagen nicht der Innovation und Kreativität im Weg stehen sollten“, so Yeboah. Er kenne einige Gründerinnen und Gründer, die aufgrund ähnlicher Probleme in die USA gegangen und dort sehr erfolgreich seien, wie zum Beispiel die KI-Start-ups Foxymatch oder Phytia. Auch er selbst könne sich vorstellen, morgen nach Kanada oder Sri Lanka zu gehen, sollten seine Shirts dort auf einmal verstärkt nachgefragt werden.

Das sei vorerst jedoch nicht geplant, lieber arbeite er daran, seine Shirts in Deutschland nachhaltig und datensicher zu gestalten. Wenn es mit OBIRI gut läuft, könne sich Yeboah weitere Innovationen im Smart-Fashion-Bereich vorstellen wie zum Beispiel Business-Anzüge mit integriertem Interface, die es unter anderem ermöglichen, Visitenkarten per Handschlag zu tauschen. „Das Wichtigste ist, dass man nicht einfach Gründer wird, weil es Trend ist. Man muss mit dem Herzen dabei sein, weil man durch harte Zeiten geht, wenn auch die fünfte Idee nicht klappt. Aber wenn man 80 bis 100 Stunden in der Woche arbeitet, weil man es liebt, kann eigentlich nichts schiefgehen.“ Sara Walther

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