Standpunkt Apotheken testen - Erfahrungen aus Österreich

Apotheken in Österreich sind seit November 2020 Teil der Corona-Teststrategie. Seit Anfang Februar können sich die Bürger des Landes in der Mehrheit der knapp 1.400 Apotheken kostenlos mit einem Antigen-Schnelltest auf eine Corona-Infektion testen lassen. Bei der Organisation in der Offizin gibt es Unterschiede. Jürgen Rehak vom Österreichischen Apothekerverband erklärt das Verfahren.

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„Testen, testen, testen“ wurde schon in der Frühphase der Corona-Pandemie als zentrales Element bei der Bekämpfung des Virus ausgegeben. Wer viel testet hat die Entwicklung der Virusausbreitung im Blick und kann infizierte Personen rascher ausfindig machen und absondern, bevor sie die Menschen in ihrer Umgebung anstecken.

In Österreich wurde daher das Testangebot ab Herbst 2020 sukzessive ausgebaut – beginnend mit behördlich eingerichteten Zentren. Damit gelang es in urbanen Gebieten rasch, eine umfassende Testinfrastruktur aufzubauen. In ländlichen Regionen blieben jedoch weiße Flecken. Ein flächendeckendes Angebot, das vorhandene Lücken schließt und öffentliche Teststraßen um zusätzliche Anlaufstellen ergänzt, konnte schließlich erst über die Einbindung der Apotheken hergestellt werden. Sie konnten dabei eine ihrer großen Stärken ausspielen – dass sie in der kleinen Gemeinde ebenso erreichbar sind wie in Städten.

So wurde im November 2020 der rechtliche Rahmen geschaffen, der Tests auf eine Infektion mit Covid-19 durch Pharmazeutinnen und Pharmazeuten gestattet. Rasch haben mehrere hundert Apotheken diese Leistung in ihr Angebot aufgenommen. Seit 8. Februar übernimmt die öffentliche Hand die Kosten – die Österreicherinnen und Österreicher können nun in rund 900 der knapp 1.400 Apotheken einen kostenlosen Antigen-Test durchführen lassen.

Erfahrungsberichte aus der Praxis – von der Vorbereitung ...

Seit mehreren Monaten wird in Österreich also in den Apotheken getestet – seit gut drei Wochen kostenlos für die Bevölkerung. Was berichten die Betriebe aus der Praxis? Welche Erfahrungen und Learnings können aus der Anfangsphase mitgenommen werden? Und wie wird dieses Angebot von den Menschen angenommen?

Bevor Tests in Apotheken angeboten werden können, muss natürlich die entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Das heißt: Zuerst braucht es einen abgetrennten Bereich, in dem Abstriche abgenommen werden können. Fragt man bei den Betrieben nach, sind die Lösungsansätze individuell sehr unterschiedlich. Vom Seminarraum oberhalb der Apotheke über freigemachte Zimmer hinter der Offizin bis hin zu beheizten Partyzelten, werden im Rahmen der Möglichkeiten verschiedene Wege gegangen. Entscheidend ist letzten Endes, ob der jeweilige Raum oder Bereich ausreichend belüftet werden kann. Wer indoor testet, hat die Fenster ständig geöffnet. Die Probenabnahme erfolgt ausnahmslos in umfassender Schutzausrüstung: Ganzkörperanzüge, Einmalhandschuhe, FFP2-Masken, Gesichtsvisiere und Desinfektionsmittel sorgen für eine Reduktion des Ansteckungsrisikos.

Ein wesentlicher Aspekt ist die Abwicklung der Anmeldungen. Gerade in den ersten Tagen des kostenlosen Angebots, berichten die Betriebe, haben die Telefone durchgehend geklingelt. Der Ansturm war enorm und kaum zu bewältigen. Einige Apotheken haben daher rasch auf Online-Anmeldeplattformen gesetzt. Sie haben den Vorteil, dass sämtliche Daten bereits durch die Kundinnen und Kunden selbst eingetragen werden können und die Telefone für sonstige Anfragen freigespielt werden. In der Apotheke wird das Formular ausgedruckt und lediglich das Testergebnis eingetragen. Das minimiert den Aufwand und beschleunigt die Abwicklung. Wer einen Termin hat, muss an der Tara keine Formalitäten erledigen sondern kann direkt zur Testung gehen – das verhindert Warteschlangen in beziehungsweise vor der Apotheke. 

... über die Testung ...

Pro Person und Test wird mit einer Dauer von fünf Minuten kalkuliert. So werden Wartezeiten verhindert. Größere Apotheken in Ballungszentren testen vom frühen Morgen bis in die Abendstunden und kommen so teilweise auf 200 Tests pro Tag und mehr. Ein Zwei-Team-Modell, wie es viele Apotheken im regulären Betrieb in der Zeit des ersten Lockdowns eingesetzt haben, bewährt sich auch bei der Abnahme von Tests. Ein Team testet am Vormittag, das zweite am Nachmittag – dazwischen werden die Räumlichkeiten desinfiziert.

... bis zum Ergebnis

Rund 15 Minuten dauert es, bis das Testresultat vorliegt. Und gerade wenn eine hohe Anzahl an Testungen in einer Apotheke durchgeführt wird, stellt sich auch hier die Frage, wie die Übermittlung der Ergebnisse organisiert wird. Einige Betriebe, vor allem jene mit einem älteren Publikum, setzen auf die Papierform. Alternativ gibt es natürlich verschiedene elektronische Übermittlungsformen, wie das klassische E-Mail. Vorteile: Für die Kundinnen und Kunden entfällt die Wartezeit. Es bilden sich keine Menschenansammlungen vor der Apotheke. Und man hat das Testergebnis digital zur Verfügung und kann es zum Beispiel am Handy abspeichern.

Zu guter Letzt: Was passiert bei einem positiven Testergebnis? Klarerweise muss die infizierte Person schnellstmöglich in häusliche Quarantäne und den Befund des Antigen-Tests durch einen PCR-Test bestätigen oder widerlegen lassen. In Österreich kann das entweder über ein zertifiziertes Labor gemacht werden oder über die Gesundheitshotline 1450. Sie sorgt dafür, dass bei Verdachtsfällen ein PCR-Test durchgeführt wird und kann eine verbindliche Absonderung anordnen. 

Zusammenfassend zeigen die Erfahrungen in Österreich, dass das Testservice von der Bevölkerung sehr gut angenommen wird. Einerseits natürlich weil seit 8. Februar körpernahe Dienstleistungen wie Haarschnitte nur in Anspruch genommen werden dürfen, wenn ein behördlich anerkanntes negatives Testergebnis vorliegt – ein solches dürfen Apotheken ausstellen. Andererseits möchten viele Menschen auf Nummer sicher gehen, wenn sie innerhalb der rechtlichen Vorgaben Verwandte und Bekannte treffen möchten oder wichtige berufliche Termine haben. Zudem tragen die Apotheken wesentlich zur Steigerung der Testzahlen bei und leisten einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie.

Mag. Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands.

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