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Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Das VideoIdent-Verbot ist der Wegbereiter der eID

Thomas Hampf, Leiter Sales der AUTHADA GmbH
Thomas Hampf, Leiter Sales der AUTHADA GmbH Foto: AUTHADA

Während das VideoIdent-Verfahren der Gematik bei zahlreichen Akteuren der Gesundheitsbranche für Ärger gesorgt hat, atmet Thomas Hampf auf. Der Schritt zu sicheren Identifizierungsverfahren sei längst überfällig, wie er in seinem Standpunkt erklärt.

von Thomas Hampf

veröffentlicht am 28.09.2022

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Seit Sommer dieses Jahres schimpfen viele zurecht über die Gematik. Diese untersagte von heute auf morgen den Akteuren der Gesundheitsbranche die Nutzung des Video-/AutoIdent-Verfahrens als Identifizierungsverfahren. Dieser plötzliche Beschluss stellte Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens vor große Herausforderungen und Probleme, doch wir sagen: Ein wichtiger und richtiger Schritt der Gematik!

Denn wie ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erklärt hat, ist bei videobasierten Fernidentifikationslösungen grundsätzlich eine Manipulation des Videostreams möglich, sodass videobasierte Lösungen nicht dasselbe Sicherheitsniveau erreichen können wie beispielsweise die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises. Eine „Brückentechnologie“– so nannte das Bundesinnenministerium das Videoidentifizierungsverfahren – muss irgendwann Platz machen, damit ein längst bewährtes, zuverlässiges und rechtssicheres Verfahren seiner Art endlich die Aufmerksamkeit erfährt, die es verdient und die ihm schon seit zwölf Jahren zukommen sollte. Die Rede ist von der Identifizierung mittels Online-Ausweisfunktion des deutschen Personalausweises.

Prinzip und Prozess sind nutzerfreundlich, schnell und sicher. Die auf dem Personalausweis digital hinterlegte elektronische Identität, kurz eID, wird mittels NFC-Schnittstelle von Smartphones ausgelesen und durch die Eingabe der PIN des Ausweisdokuments von der sich zu identifizierenden Person bestätigt. So ist es nicht nur das sicherste, sondern auch das ressourcenschonendste Identifizierungsverfahren, da weder Personal eingesetzt noch Papier bedruckt oder Wege auf sich genommen werden müssen. Insbesondere der letzte Aspekt sollte der E-Health-Branche am Herzen liegen, denn gerade für kranke oder ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung kann es unangenehm sein oder gar ein Problem darstellen, sich vor einer Kamera zu zeigen oder eine Poststelle aufsuchen zu müssen.

Krankenkassen und Versicherungen können die eID schnell in ihre Antragsstrecke integrieren, erhebliche Kosten sparen und dabei auch noch sicher sein, dass sensible Daten auch sensibel behandelt werden. Das Auslesen von Personalausweisen kann darüber hinaus nur durch vom BSI zertifizierte Identifizierungsdiensteanbieter durchgeführt werden. Unsere Frage lautet daher: Warum nutzt ihr, liebe Krankenkassen, Versicherer und Akteurinnen und Akteure der Gesundheitsbranche dieses Verfahren nicht?

Neuer Fahrtwind für die Branche

Zugegebenermaßen war der deutsche Personalausweis seiner Zeit voraus und dabei zu bescheiden, schüchtern und zurückhaltend. Doch ist das Identifizierungsverfahren, auf das nicht nur die Health-Branche verstärkt gebaut hat, nun weggefallen und ihr könnt von neu beginnen. Nun nutzt, was schon so lang, so offensichtlich, so sicher, vertrauenswürdig und nutzerfreundlich ist! Die Digitalisierung der Gesundheitsbranche muss keinen Stillstand erfahren, „nur“ weil die Gematik ein Identifikationsverfahren als unzuverlässig erklärt hat.

Wir hoffen, dass – dank dem Video-/AutoIdent-Verbot der Gematik – die eID nun endlich ihre wohlverdiente Aufmerksamkeit und Anwendung, die E-Health-Branche ihr wohlverdientes zuverlässiges und sicheres Identifikationsverfahren und die Digitalisierung der Gesundheitsbranche in Deutschland neuen Fahrtwind erfährt. Und zum Schluss noch eins: Wir blicken nicht mit Groll auf Video-/AutoIdent, sondern möchten einen ehrlich gemeinten Dank aussprechen: Danke VideoIdent, dass du der breiten Masse gezeigt hast, dass man sich auch online identifizieren kann. Du hast Skeptikerinnen und Skeptiker überzeugt, dass Identifizierungen auch online durchzuführen sind und Bürgerinnen und Bürgern mit Online-Identifizierungen vertraut gemacht. Es war schön mit dir, doch ist deine Zeit im Gesundheitswesen nun vorbei. Es ist Zeit, dass im Gesundheitswesen nun auf hochsichere digitale Identifizierungslösungen gebaut wird! Deshalb sagen wir nicht „Auf Wiedersehen“, sondern „Tschüss“.

Thomas Hampf arbeitet seit fast zehn Jahren in der Branche der Online-Identifizierungen und leitet seit mehr als vier Jahren das Sales-Team der AUTHADA GmbH, die digitale Identifizierungs- und Signaturlösungen anbietet.

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