Standpunkt Digitaler Impfnachweis für mehr Normalität?

Der Dachverband der Fluggesellschaften hat mit dem „IATA Travel Pass“ ein Konzept zur Dokumentation von Impfstatus und Gesundheitszustand vorgelegt. Dieses sei aber zu umständlich, meint Sascha Bayer, Manager bei der IT-Beratung Q_PERIOR. Er schlägt einen digitalen Impfnachweis vor, der auf QR-Codes setzt und keine Daten speichert.

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Ein Licht am Ende des Tunnels in der aktuellen Covid-19-Pandemie ist sichtbar. Seit Ende Dezember sind Impfstoffe verfügbar. Ob sich die Hoffnung in diese Impfungen auch wirklich bestätigt, wird die Zeit zeigen. Dringend ist aktuell auch die Frage, wie Personen nachweisen können, dass sie bereits geimpft sind und somit mutmaßlich keine Gefahr mehr für eine Ansteckung besteht.

Bereits heute verlangen einige Länder bei der Einreise einen negativen Covid-19 Test und auch einzelne Fluggesellschaften sprechen bereits davon, dass sie nur noch geimpfte Passagiere an Bord lassen wollen, zumindest für Langstreckenflüge. Werden dies zukünftig vielleicht auch andere Institutionen oder Einrichtungen wie zum Beispiel Hotels, Kreuzfahrtgesellschaften oder auch Theater, Fußballstadien oder Konzertveranstalter verlangen? Wie kann eine schnelle und unkomplizierte Prüfung bei großen Massen effizient und zuverlässig erfolgen? Stellen wir uns vor, dass Tausende zu einem Fußballspiel wollen und neben dem Ticket soll auch noch der Impfnachweis mit Impfpass geprüft werden, der keinen QR- oder Barcode wie ein Ticket besitzt. Da der Impfpass auch kein Foto enthält, muss man immer noch einen Lichtbildausweis kontrollieren. Wie auch immer, der Aufwand wird sehr groß und dabei ist das Risiko eines gefälschten Impfnachweises noch gar nicht betrachtet.

Fluggesellschaften haben komplizierte Lösung bereits vorgelegt

Kann ich einfach einen Ausweis von meinem Freund, der Nachbarin oder einem Familienangehörigen nehmen, um ins Stadion zu gelangen? Bis jetzt ließ man sich impfen, um im Urlaub vor Gelbfieber, Tetanus oder Hepatitis A geschützt zu sein. Man schützte sich somit selbst vor einer Ansteckung. Durch Covid-19 hat sich dies aber geändert, denn jetzt kann jeder überall dem Risiko einer Infektion ausgesetzt sein und man möchte vermeiden, dass man andere Gäste oder Besucher ansteckt. Die Angst vor Infektionen ist bei vielen Menschen heute ein steter Begleiter. 

Es gibt aktuell einige Vorhaben etwa beim Dachverband der Fluggesellschaften, der IATA, zur Umsetzung eines digitalen Impfnachweises. So hat die IATA bereits ein Konzept für den IATA Travel Pass veröffentlicht, in dem Testergebnisse und Impfstatus dokumentiert werden können – allerdings ist der Prozess mit Einbezug von verschiedenen Teilnehmern recht kompliziert, ganz zu schweigen von der Frage, was passiert, wenn man sich nach dem Test doch noch infiziert hat.

Wie können nun Gesundheitsämter mit Hilfe der Digitalisierung zukünftig einen Nachweis schnell, einfach und fälschungssicher erstellen und wie kann dieser unkompliziert und einfach von jedem Interessenten ausgelesen werden? Bei der Impfung ist der Prozess zumindest etwas einfacher als beim Gesundheitsnachweis, bei dem auch Labore eingebunden sind. Der Prozess sieht dabei wie folgt aus: Eine Person geht zum Impfzentrum, bekommt seine erste und zweite Impfung im Zeitraum von zwei bis vier Wochen, am Ende einen Eintrag in seinen Impfpass. Die Lösung für den Nachweis sollte sehr einfach und schnell geschehen.

Arzt und Impfling identifizieren, QR-Code erstellen

Eine Variante dazu wäre es, wenn sich die impfende Ärztin beziehungsweise der impfende Arzt einmal kurz verifiziert. Dies könnte geschehen, indem man eine offizielle ID fotografiert, Vorname und Name ausgelesen wird, ein kurzer Abgleich des Passbildes mit dem Gesicht durchgeführt und der Name in einer Ärztedatenbank geprüft wird. Wenn der Impfende dort gelistet ist, ist er als Impfender akzeptiert. Dies geschieht einmal am Tag zu Beginn des Impfprozesses. Anschließend wird nur der MRZ (Maschinenlesbarer Bereich) eines Führerscheins, Personalausweises oder Pass des Impflings fotografiert, Vorname, Name und Geburtsdatum daraus ausgelesen und der QR-/Barcode des Impfstoffs fotografiert. Aus den Informationen des Impflings und des Impfstoffes wird dann mittels einer digitalen Signatur ein QR-Code erstellt, den die oder der Impfende dann dem Impfling per E-Mail, Bluetooth oder als Ausdruck übergeben kann.

Dieser QR-Code beinhaltet nur folgendes Informationen: Name des Impflings, Impfdatum, Impfstoff und Impfzentrum. Um die internationale Akzeptanz zu gewährleisten, ist die digitale Signatur wichtig. Diese sollte von einem vertrauenswürdigen Anbieter kommen und könnte in jedem Land von einer anerkannten Institution kommen. Es liegt an der Bereitschaft der nationalen Gesundheitsämter, hier eine verifizierte und vertrauenswürdige digitale Signatur anzubieten, am besten wäre natürlich ein internationaler Standard. 

Der Impfling kann dann selbst entscheiden, wem er den QR-Code zeigen möchte. Daten werden dabei nicht zentral gespeichert. Das Auslesen ist mit jedem Smartphone und Internetzugang, aber auch an Boardinggates möglich. Die Technologie, die dabei eingesetzt wird, wird bereits seit vielen Jahren millionenfach verwendet. Im Prinzip könnte der QR-Code sogar in die nationalen Covid-Apps integriert oder auch mit den Boarding-QR-Codes der Airlines verknüpft werden. Zumindest wäre eine solche Technologie innerhalb von wenigen Tagen aufgesetzt und auch datenschutztechnisch kein Problem, da keine Daten gespeichert werden und der Geimpfte selbst entscheidet, wem er den QR-Code und somit den Nachweis zeigt. Schlussendlich könnte dies wieder zu einem normalen Leben mit Besuch von Veranstaltungen und Reisen führen. 

Sascha Bayer ist als Manager bei der Q_PERIOR AG tätig, einer internationalen IT-Beratungsgesellschaft.

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