Standpunkt Eine neue Gesundheitswelt

Prävention wird künftig an erster Stelle in der Gesundheitswelt stehen – mit den Patient*innen im Mittelpunkt, meint Diana Heinrichs im Standpunkt. Die Technik, um beispielsweise die körperliche Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten, sei bereits vorhanden, müsse nur richtig genutzt werden.

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? hier einloggen

Mit zunehmendem Alter lassen unsere körperlichen Fähigkeiten mehr und mehr nach: Unsere Beweglichkeit nimmt ab, wir werden schwächer, das Sturzrisiko steigt. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen sind Stürze tatsächlich die häufigste Ursache für Verletzungen. Muss dem so sein? Ist es nicht möglich, Stürzen im Alter den Kampf anzusagen und unsere Beweglichkeit über Lebensphasen hinweg zu erhalten? Ich bin fest davon überzeugt, dass sich in den nächsten zehn Jahren durch Innovationssprünge eine völlig neue Gesundheitswelt auftun wird. Prävention wird künftig an erster Stelle stehen – mit den Patient*innen im Mittelpunkt.

Ein wesentlicher Innovationstreiber für eine solche Gesundheitswelt ist die Precision Medicine. Mit ihr eröffnen sich neue Perspektiven für die Behandlung von Patient*innen. Sie ermöglicht ein besseres Verständnis von Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten. Für Patient*innen bedeutet all das eine bessere Gesundheitsversorgung, wirksamere Medikamente und Gesundheitslösungen und mehr Lebensqualität. 

Im Gesundheitsbereich schlummern heute viele ungenutzte Potenziale. Meine Zukunftsvision für 2031 ist eine individualisierte, patientenzentrierte und präventionsorientierte Gesundheitsversorgung und Vorsorge, die unsere Beweglichkeit in jeder Phase des Lebens erhält und dafür sorgt, dass wir gut mit Krankheiten leben können. Wie kann so eine Gesundheitswelt von morgen konkret aussehen? Es folgt ein mögliches Szenario.

Ein persönlicher 3D-Avatar in unserer Hosentasche

Im Jahr 2031 ist jede*r von uns mit einem persönlichen 3D-Avatar im Smartphone ausgestattet, der uns Kennzahlen über unsere körperliche Mobilität und unser Skelettsystem liefert. Durch integrierte Bewegungsanalysen und Assessments haben wir damit einen Überblick über unsere persönliche Beweglichkeit. Auf Basis der eigenen Körperdaten werden Empfehlungen, Übungen und Therapiepläne vermittelt, um die körperliche Mobilität bis ins hohe Alter zu erhalten.

Wir kennen dieses digitale Angebot bereits aus anderen Bereichen: Heute besitzen Milliarden von Menschen ein Smartphone mit Online-Kartendiensten inklusive Navigationsfunktion. Dank dieser Apps sind wir immer bestens über Verkehrslage, Standort und Reisemöglichkeiten informiert. Die Technik steckt also bereits in unseren Hosentaschen, warum richten wir das Gerät nicht regelmäßig auch auf uns und analysieren unsere Mobilität – im Wachstum als Kinder und Jugendliche, nach Operationen oder im hohen Alter. Immer und überall verfügbar und nicht erst dann, wenn die Immobilität bereits eingetreten ist.

Im Jahr 2031 unterstützt uns unser Mobilitätsassistent dabei, unseren Körper, unsere Gesundheit und unsere körperliche Beweglichkeit genauer zu lesen und besser zu verstehen. Unser 3D-Skelett-Avatar basiert auf einer mächtigen künstlichen Intelligenz, die gelernt hat, unsere individuelle Mobilität zu analysieren und mit ihr zu arbeiten. Von klein auf stehen uns maßgeschneiderte Programme und Lösungen zur Verfügung, die bestmöglich auf unsere individuellen Bedürfnisse ausgerichtet sind.

Innovationen allen zugänglich machen

Der Schlüssel zum Erfolg ist die Demokratisierung dieser Gesundheitswelt. Der Zugang zu medizinischen Leistungen darf also niemanden verwehrt bleiben. Wir sind schon auf einem guten Weg: Hierzulande sind nahezu alle Bürger*innen krankenversichert – 90 Prozent gesetzlich und 10 Prozent privat. Doch in vielen anderen Bereichen haben wir noch Nachholbedarf. Wir sind als Gesellschaft zum Beispiel nicht bereit, zusätzlich in unsere Gesundheit zu investieren. Die Vereinigten Staaten geben rund 17 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Gesundheit aus, was etwa 10.200 US-Dollar je Einwohner*in entspricht. In Deutschland sind es dagegen gerade einmal 11 Prozent beziehungsweise rund 4.450 Euro pro Kopf. 

Wir haben es jetzt in der Hand: Wir müssen es schaffen, die beschriebenen individuellen und präventiven Ansätze in ein System der Teilhabe zu integrieren. Und wir müssen dafür sorgen, dass digitale Anwendungen aus Europa kommen – mit unseren Standards und unseren Qualitätsansprüchen – und eben nicht von Amazon, Google oder Apple importiert werden. Die Potenziale, Grenzen in der Gesundheitsversorgung zu sprengen, sind längst vorhanden. Nutzen wir sie!

Vor ihrer Tätigkeit bei Lindera war Diana Heinrichs sechs Jahre als Communications und Business Development Managerin bei Microsoft Deutschland tätig. Sie hat Linguistik an der Schnittstelle zur Psychologie an den Universitäten Bonn, Florenz und Oxford studiert und einen MBA an der Universität St. Gallen absolviert. Anfang 2017 erfolgte die Gründung von Lindera, dort ist sie bis heute als CEO tätig. Zudem ist Heinrichs Vorständin und Schatzmeisterin des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung.

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? hier einloggen