Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Einmal immun, für immer geschützt?

Jens Vollmar
Jens Vollmar, Leiter Fachbereich Impfstoffe, Reise- und Tropenmedizin bei GlaxoSmithKline Foto: GSK Deutschland

Jährlich gibt es über 300.000 Gürtelrose-Fälle in Deutschland. Da sich der Erreger oftmals bereits im Körper befindet, können die bei anderen Infektionskrankheiten oftmals erfolgreichen AHA-Regeln nicht schützen, schreibt Jens Vollmar, Impfexperte von GlaxoSmithKline, im Standpunkt. Schutz könnten Impfungen gewährleisten.

von Jens Vollmar

veröffentlicht am 17.03.2021

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Aktuell wird er heiß diskutiert: der Langzeitschutz gegen Covid-19. Noch ist nicht klar, wie dauerhaft eine durchgemachte Erkrankung oder verschiedene Impfstoffe vor Corona schützen. Die Fragen sind nicht ganz unbegründet. So zeigen die Beispiele Gürtelrose und Keuchhusten doch, dass es Infektionskrankheiten gibt, für die kein lebenslanger Schutz möglich ist. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb die Impfung oder die Auffrischung im Erwachsenenalter.

Viele Menschen hatten als Kind Windpocken und sind seither immun dagegen. Nur wenige wissen aber, dass die Krankheit später in Form einer Gürtelrose zurückkehren kann. Der Erreger, das Varizella-Zoster-Virus, verbleibt nämlich nach Abklingen der Windpocken inaktiv im Körper. Dort wird er vom Immunsystem in Schach gehalten. Im Alter lassen die Abwehrkräfte jedoch nach, weil sich beispielsweise Anzahl, Funktion und Vielfalt der Immunzellen verringern. Im Ergebnis können die Varizella-Erreger reaktiviert werden und Gürtelrose auslösen.

Nicht selten verläuft diese bei Menschen ab 60 Jahren mit Komplikationen. Besonders gefürchtet ist die so genannte ‚postherpetische Neuralgie‘ mit Schmerzen, die auch nach der Abheilung zum Teil jahrelang bestehen bleiben. Weitere mögliche Folgeerscheinungen, die sogar zu Krankenhausaufenthalten führen können, sind Nerven- oder Gehirnentzündungen und Lähmungserscheinungen. Auch das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko ist erhöht.

AHA-Regeln schützen nicht vor Gürtelrose

Jährlich gibt es über 300.000 Gürtelrose-Fälle in Deutschland, zwei Drittel davon betreffen Personen ab 50 Jahren. Gerade Menschen in der zweiten Lebenshälfte kann die Erkrankung enorm im Alltag einschränken. Oft sind sie sich ihres Risikos nicht bewusst: Nahezu jeder Erwachsene trägt den Windpockenerreger in sich und damit auch die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken. Da sich der Erreger bereits im Körper befindet, können auch die bei anderen Infektionskrankheiten oftmals erfolgreichen AHA-Regeln nicht schützen. Etwa jeder Dritte wird im Laufe seines Lebens an Gürtelrose erkranken. Ab dem 85. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 50 Prozent. Auch aus diesem Grund empfiehlt die STIKO eine Impfung für Personen ab 60 Jahren sowie für Personen ab 50 Jahren mit schweren Grunderkrankungen.

Keuchhusten: Altersrisiko statt Kinderkrankheit

Selbst ein durchgemachter Keuchhusten oder eine frühere Impfung bieten keinen lebenslangen Schutz. Viele denken bei Keuchhusten an eine Kinderkrankheit. Zwar stimmt es, dass die bakterielle Atemwegsinfektion besonders bei Neugeborenen und Säuglingen gefährlich ist und bis hin zu lebensbedrohlicher Atemnot führen kann. Jedoch trifft die hochansteckende Erkrankung mittlerweile zu zwei Dritteln Erwachsene, ein Fünftel ist sogar 60 Jahre und älter. Insbesondere Ältere haben dabei ein hohes Risiko für schwere Verläufe mit langwierigen Beschwerden. Da bleibt es oft nicht nur bei stakkatoartigen Hustenanfällen, die wochen- oder monatelang andauern können. Es kann auch zu Komplikationen wie Lungenentzündungen, Rippenbrüchen und Inkontinenz kommen. Nicht selten sind Betroffene im Alltag stark eingeschränkt oder müssen im Krankenhaus behandelt werden.

Impfungen schützen und leisten einen solidarischen Beitrag

Die Impfquoten bei Gürtelrose und Keuchhusten zeigen deutlich, dass vielen die persönliche Gefahr nicht klar ist und sie deshalb nur unzureichend geschützt sind. Ihnen fehlen die Gürtelrose-Impfung oder Keuchhusten-Auffrischimpfung, die von der STIKO empfohlen werden. Gerade in Zeiten einer Pandemie gehört also ein aktueller Impfstatus zur sinnvollen Gesundheitsvorsorge im Alter.

Dr. Jens Vollmar ist Leiter des Medizinischen Fachbereichs Impfstoffe, Reise- und Tropenmedizin bei GSK Deutschland.

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