Porträt Emmi Zeulner

Emmi Zeulner
Emmi Zeulner, CSU-Abgeordnete im Gesundheitsausschuss, Bundestag (Foto: Paul Blau)

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Mit Politik kam Emmi Zeulner das erste Mal am Stammtisch in Berührung. „Meine Eltern hatten ein Gasthaus, in dem naturgemäß viel politisiert wurde. Am Stammtisch war Politik immer ein Thema – das hat mich stark geprägt“, erzählt die 32-jährige Fränkin. Zeulner sitzt für die CSU im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Vor sieben Jahren setzte sie sich in ihrem Wahlkreis Kulmbach als Nachfolgerin von Karl-Theodor zu Guttenberg durch. Davor war Zeulner Stadt- und Kreisrätin in Lichtenfels. 

Im Gesundheitsausschuss ist Zeulner unter anderem für die Themen Nichtärztliche Gesundheitsberufe, Hebammen, Psychiatrie und Psychotherapie zuständig. Ein wichtiges Anliegen war Zeulner zuletzt die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Die Abgeordnete ist selbst examinierte Krankenpflegerin und kennt den stressigen Arbeitsalltag der Pflegeberufe. „Die Arbeit in der Krankenpflege ist eine spannende Aufgabe, aber auch eine mit vielen Herausforderungen. Denn die Arbeit mit schwer kranken Menschen kann auch psychisch belastend sein. Dazu kommen lange Schichtdienste in der Nacht und am Wochenende.“

Hohe Zufriedenheit in der Palliativpflege

Jahrelange Einsparungen hätten die Pflege in eine Abwärtsspirale geführt, die durchbrochen werden müsse, sagt Zeulner. Da Pflegekosten bis vor Kurzem pauschal abgerechnet wurden, sei es in der Vergangenheit für die Krankenhäuser oft lukrativer gewesen, das Geld in andere Bereiche zu stecken, anstatt es der Pflege zukommen zu lassen „Dass das leider zu kurz gedacht ist, sehen wir jetzt. Denn wir haben genau mit den Folgen zu kämpfen, dass in der Vergangenheit zu wenig in die Pflegekräfte und ihre Entlastung investiert wurde.“

Zeulner weiß aus der Palliativmedizin, dass es auch anders geht. Sie selbst hat einige Jahre als Chefsekretärin auf einer Palliativstation gearbeitet. „Wir beobachten dort eine hohe Arbeitszufriedenheit und Motivation der Pflegekräfte, obwohl die Arbeit mit Schwerstkranken und Sterbenden sehr belastend ist.“ Grund dafür ist nach Zeulners Auffassung ein ausreichender Personalschlüssel, aber auch die Unterstützung bei der Hospizarbeit durch ehrenamtliche Helfer. 

„Versprochene Hilfe muss bei Pflege am Bett ankommen“

Das neue Pflegepersonalstärkungsgesetz, das seit Anfang dieses Jahrs gilt, soll die Versorgung in der Krankenpflege verbessern. Es sieht unter anderem ein separates Pflegebudget vor, mit dem die Finanzierung der Krankenpflege sichergestellt werden soll. Außerdem sollen 13.000 neue Stellen geschaffen und höhere Tariflöhne und Ausbildungsgehälter in der Pflege ausgehandelt werden. 

„Mir ist es wichtig, dass die versprochene Hilfe nun auch bei der Pflege am Bett ankommt“, sagt Emmi Zeulner. Denn die ausgeschriebenen Stellen müssten auch besetzt werden. Die größte Herausforderung dabei sei der Fachkräftemangel. Wo Pflegefachkräfte fehlen, möchte Emmi Zeulner daher auf Pflegehelfer setzten. „Auch wenn die Ausbildung zum Pflegehelfer eine verkürzte ist und formal nicht den Anforderungen an eine Pflegefachkraft entspricht, so ist hier ein großes Potenzial an Pflegehelfern vorhanden, die eine mehrjährige Berufserfahrung mitbringen, von der die Pflege profitieren kann.” 

Technische Hilfsmittel können Pfleger entlasten

Eine andere Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland für die Pflegeberufe in Deutschland anzuwerben, sieht Zeulner nicht als Allheilmittel. „Die Lösung für den Fachkräftemangel in der Pflege liegt nicht in Mexiko“, sagt sie. „Pflegefachkräfte aus dem Ausland können daher immer nur ein Teil der Lösung sein, nicht aber die Lösung selbst.“ Auch dürfe es nicht zu einem „Braindrain“ kommen, also einer Abwanderung von qualifiziertem Fachpersonal aus anderen Ländern. 

Ein Ausweg aus dem Dilemma wären technische Innovationen, ist Zeulner überzeugt. Hilfsmittel wie mechanische Hebehilfen und höhenverstellbare Toiletten auf den Patientenzimmern könnten das Pflegepersonal bei den körperlich anstrengenden Aufgaben unterstützen. Allerdings fehlen solche Hilfsmittel auf vielen Krankenstationen. „Hier müssen wir nochmal ran und den Krankenhäusern deutlich machen, dass es sinnvoll ist, in diese Maßnahmen zu investieren, weil es kurz- und langfristig die Pflegekräfte aktiv entlastet", sagt Zeulner. „Als Gesetzgeber haben wir mit dem MDK-Reformgesetz bereits mehr Mittel für solche Maßnahmen zugesagt.“ Louisa Schmökel

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