Erweiterte Suche

Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Gemeinsam in Krankenhaus und Praxis

Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa e.V.
Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa e.V. Foto: Andreas Schoelzel

Es ist an der Zeit, dringend notwendige Veränderungsprozesse im deutschen Gesundheitssystem anzustoßen, meint der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). Der Verbandsvorsitzende Dirk Heinrich erklärt, warum die Sektorengrenzen abgebaut werden müssen und weshalb es eine ärztliche Vergütungssystematik braucht.

von Dirk Heinrich

veröffentlicht am 26.01.2021

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen

Die Corona-Pandemie ist eine große Herausforderung für uns alle, selbstredend auch für die Ärzteschaft. Die mediale Aufmerksamkeit ist in erster Linie auf den stationären Sektor ausgerichtet, jedoch möchten wir es nicht versäumen, auf die Leistungsbereitschaft der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten hinzuweisen. Sechs von sieben Covid-19-Patientinnen und Patienten wurden von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten behandelt. Das vergangene Jahr 2020 hat damit gezeigt, wie wichtig der ambulante Sektor für das deutsche Gesundheitswesen ist. Um diese Leistungsfähigkeit auch in den nächsten Jahren erhalten zu können, ist es dringend notwendig, Veränderungsprozesse anzustoßen. 

Das größte Reform-Projekt ist aus Sicht des SpiFa der Abbau der Sektorengrenzen. Die Lösung sieht er im Konzept der Freiberuflichkeit. Nach seinem Positionspapier „Facharzt 2020“ von 2017 hat der SpiFa ein Resümee gezogen und seine Forderungen angepasst und erneuert, so dass er sich mit seinem auf der jüngsten Mitgliederversammlung verabschiedeten neuen Grundsatzprogramm „Facharzt 2025 – gemeinsam in Klinik und Praxis“ für die gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft positioniert. Kern der neuen Agenda ist das 10-Punkte-Programm, in dem die wichtigsten Ziele zusammengefasst sind.

Das deutsche Gesundheitswesen gilt als eines der besten der Welt. Dazu tragen besonders zwei Faktoren wesentlich bei: Zum einen ist dies die Philosophie des freien Berufes mit seiner Verpflichtung gegenüber den Patientinnen und Patienten und der Allgemeinheit. Zum anderen führt die hohe Verfügbarkeit fachärztlicher Medizin in Klinik und Praxis zu der enormen Leistungsfähigkeit, die unser Gesundheitswesen auszeichnet. Dabei ergänzen sich Fachärztinnen und Fachärzte in Klinik und Praxis in allen Aspekten medizinischer Tätigkeit, wie Prävention, Diagnostik und Therapie.

Arzt als freier Beruf

Der SpiFa steht für den freien Beruf Arzt und die freiberufliche ärztliche Tätigkeit und setzt sich deshalb vorbehaltlos dafür ein, dass Fachärztinnen und Fachärzte in Klinik und Praxis das Patientenwohl über das politische Interesse einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik oder jede andere Form rein ökonomischer Anreize stellen können. Mit Sorge beobachtet der SpiFa den zunehmenden ökonomischen Druck auf die ärztliche Entscheidung im Krankenhausbereich, dessen Vergütungssystem eine an ökonomischen Gesichtspunkten orientierte Entscheidungsfindung begünstigt.

Dies widerspricht elementar den Prinzipien des freien Berufes Arzt, die zu Recht auch im Krankenhaus Gültigkeit beanspruchen und durch den Berufsstand durchgesetzt werden müssen. Gerade in der stationären Versorgung muss zumindest überwiegend eine ärztliche Vergütungssystematik implementiert werden, die den Facharzt im Krankenhaus unabhängiger vom reinen Angestelltenverhältnis werden lässt. Dazu benötigt man eine Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die den Namen auch verdient und unabhängig vom Einfluss von Arbeitgeber und Kostenträgern an den Prinzipien des freien Berufes Arzt orientiert gestaltet werden muss.

Abbau der Sektorengrenzen

Die Corona-Pandemie zeigt einerseits, dass wir aufgrund unseres leistungsfähigen Gesundheitssystems die Krise grundsätzlich gut bewältigen können und andererseits die Schwächen des Systems, die mangelnde Vernetzung. Das Denken in Sektoreninteressen und Sektorengrenzen ist für uns nicht mehr zeitgemäß. Der medizinische Fortschritt hat es möglich gemacht, dass heute eine Vielzahl von Eingriffen sowohl ambulant als auch stationär erbracht werden können. Die im SGB V vorgezeichnete Trennung der Versorgungsbereiche dient heute nur noch der ökonomischen Steuerung und verhindert zu oft eine Patientenorientierung. Dies gilt gerade auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Berufsstandes, im Zuge derer die Sektorengrenzen keine Rolle mehr spielen sollen. 

Im Herbst 2021 werden die Bundestagswahlen die politische Agenda bestimmen, der SpiFa hat sich mit seinem Grundsatzpapier entsprechend positioniert und wird mit einer eigenen Kampagne Schwerpunkte setzen, um zum Erhalt unseres Gesundheitssystems Veränderungsprozesse anzuschieben.

Das vollständige Grundsatzpapier finden Sie unter www.spifa.de

Dr. Dirk Heinrich ist HNO-Arzt und Vorstandsvorsitzender des SpiFa e.V., Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. (BVHNO) und Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes (NAV).

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen