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Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Mehr als nur Tools: die ständige Triage

Foto: Zava

Wenn von „Digitaler Medizin“ die Rede ist, wird der Begriff oft auf die Smartwatch für die Pulskontrolle oder die Gesundheits-App für den Gewichtsverlust reduziert. Zweifellos sind alle Tools innovativ und bieten hohen Nutzwert in der Patientenversorgung. Doch Digitale Medizin ist mehr. Sie ist eine ständige Triage, sagt Zava-Geschäftsführerin Claudia Linke.

von Claudia Linke

veröffentlicht am 09.08.2021

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Digitale Medizin ist mehr als technische Tools zur Unterstützung medizinischer Behandlung. Sie kann Patienten und Versorgungsangebote auf neuen Wegen bedarfsgerecht zusammenbringen. Und zwar nicht nur im Notfall, sondern durchgängig, als ständiger Begleiter auf dem eigenen Gesundheits-Lebensweg.

Digitale Tools sind oft näher im täglichen Umfeld des Patienten und können dabei unterstützen zu entscheiden, wann welche medizinische Versorgung tatsächlich benötigt wird. Im Grunde befinden wir uns in einer kontinuierlichen „Triage“. Sortieren, sichten, aussuchen bedeutet das französische Wort. Es wird im Gesundheitswesen als Ersteinschätzung zur Priorisierung medizinischer Hilfe genutzt. Genau das sehen wir auch als eine Aufgabe der Digitalen Medizin. Auf Basis von digitalen Erkenntnissen können durch die ständige Triage medizinische Bedarfe und dafür mögliche Behandlungswege priorisiert werden. Medizinische Fragebögen und Videokonsultationen sind einfache, niederschwellige Wege für den Patienten, um festzustellen, ob er digital versorgt werden kann oder an weitere Versorgungsangebote weitergeleitet werden muss. Das schont teure und knappe Vor-Ort-Kapazitäten. Triage wird als Effizienzlösung für beide Seiten verstanden, um den jeweils individuellen Gesundheitsbedarf des Patienten in die passende, für ihn zur Verfügung stehende Versorgungsstufe zu kanalisieren. Transparenz zu Optionen muss dabei die Entscheidungsgrundlage sein.

Das Gesundheitssystem ist komplex, niemand kann zu jeder Zeit den vollständigen Durchblick behalten. Gefragt sind also Lösungen, die möglichst alle Beteiligten und alles Machbare verbinden, hybride Plattformen, die Angebote on- und offline für die konkrete Indikation des Patienten kombinieren.

Welche Behandlung in welchem Setting?

Für Zava und andere E-Health-Anbieter werden Omnichannel-Lösungen daher immer wichtiger, um Patienten dort abzuholen, wo sie gerade sind, um medizinische Hilfe leicht zugänglich zu machen. Wenn ein Patient etwa einen Arzttermin meidet, weil er sich schämt oder unsicher ist, ist es besser, er hat einen diskreten digitalen Zugang und so eine Ersteinschätzung seiner gesundheitlicher Situation als keine. Genau hier beginnt die ständige Triage. Erkennen Ärzte, nach Sichten der Informationen und Sortieren der Handlungsmöglichkeiten, dass der Patient eine höherstufige medizinische Versorgung benötigt, ist es das Ziel, ihm diese so direkt wie möglich zugänglich zu machen.

Das gilt übrigens über verschiedene Märkte hinweg. Denn bei aller Verschiedenheit und Komplexität der Gesundheitssysteme verschiedener Länder Europas: Die Patientenbedürfnisse sind nahezu identisch – nur die digitalen und Vor-Ort-Möglichkeiten unterscheiden sich. Und Ärzte profitieren im Rahmen von Fallanalyse mit Fokus auf die Frage der optimalen Triage erheblich durch internationale, interdisziplinäre Vernetzung. Am Ende geht es allen genau um diese Frage: Welche Behandlungen können in welchem Setting sicher durchgeführt werden?

Blaupausen für hybride Versorgungspfade

Eine bereits etablierte Blaupause für die hybriden Versorgungspfade der Zukunft sind E-Rezept-Lösungen in Kooperation mit Vor-Ort-Apotheken. Hier werden Online- und Offline-Optionen schon hindernisfrei verbunden. Nach seiner digitalen Sprechstunde erhält der Patient ein Rezept und entscheidet, ob es an die Wunsch-Apotheke vor Ort oder an eine Versandapotheke geschickt werden soll. Kann ein Online-Arzt nicht weiterhelfen, muss der Patienten heute oft noch einen zweiten Anlauf nehmen, um den passenden Arzt zu finden.

In Summe kommt man so dem Ziel eines effizienten Gesundheitssystems näher. Durch bessere Ressourcen-Allokation ohne Zeitverzögerung. Werden die verschiedenen Behandlungsschritte gemeinsam mit den Präferenzen des Patienten innerhalb des Gesundheitssystems koordiniert, ist der Patient zufriedener und schneller in der für ihn passenden Versorgung. Das ist neben Effizienz ein weiterer positiver Effekt und bewirkt unter Umständen sogar eine höhere Compliance und damit eine höhere Qualität.

Claudia Linke leitet das Deutschlandgeschäft des Telemedizin-Anbieters Zava.

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