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Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Mit Aufklärung zum Erfolg

Daniel Wiedemann, Geschäftsführer von DiGA info
Daniel Wiedemann, Geschäftsführer von DiGA info Foto: DiGA info

Damit Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) von Ärzt:innen und auch Patient:innen akzeptiert werden, braucht es vor allem Aufklärung, sagt Daniel Wiedemann, Geschäftsführer von DiGa info. In seinem Standpunkt erklärt er, welchen Mehrwert DiGA bieten können und warum es meist am Zugang zu Informationen scheitert.

von Daniel Wiedemann

veröffentlicht am 07.06.2022

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Wir befinden uns gerade in einem Umbruch. Dank des Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das in Deutschland Ende 2019 in Kraft getreten ist, können digitale Helfer nun die Gesundheitsversorgung erweitern. Neben der stationären und ambulanten Versorgung sowie dem öffentlichen Gesundheitsdienst, wächst damit eine ganz neue Säule der Gesundheitsversorgung heran: die Digitalen Gesundheitsanwendungen (kurz DiGA).

Und dass DiGA wirksam sind, ist wissenschaftlich belegt – durch jahrelang erarbeitete Zertifizierungen und Wirksamkeitsstudien. Die Apps auf Rezept wirken – nur bei der Verordnung hakt es noch. Das hat mehrere Gründe: Für alle Beteiligten sind DiGA ganz neu. Hinzu kommt die Pandemie. Nicht alle Ärzt:innen und Therapeut:innen haben gerade Zeit und Nerven, sich mit neuen Medizinprodukten zu beschäftigen und sich aktiv zu informieren. Ärzt:innen wollen sich verständlicherweise von Produkten vorab überzeugen, bevor sie diese verordnen. Bei knapp 30 DiGA-Anbietern einen Testzugang zu organisieren und ihn auszuprobieren, kann zeitintensiv sein.

Licht ins Dunkel bringen

Von besonderem Interesse sind für Ärzt:innen und Therapeut:innen die Themen Datensicherheit und Datenschutz. Um hier Abhilfe zu schaffen und Transparenz herzustellen, aber auch um medizinisches Fachpersonal bei sämtlichen Fragestellungen rund um Digitale Gesundheitsanwendungen zu unterstützen, wurde im Juli 2021 die Informationsgesellschaft DiGA info gegründet. Über diese haben Ärzt:innen, Therapeut:innen sowie medizinische Teams die Möglichkeit, praxisrelevante Informationen rund um das Thema DiGA im medizinischen Alltag zu erhalten. Das ist ein wichtiger erster Schritt Richtung mehr Aufklärung.

Für die Behandlung der fünf größten Volkskrankheiten gibt es mittlerweile einige Anbieter mit DiGA-Zulassung, die niederschwellige Hilfe für Betroffene ermöglichen. Dazu zählen Migräne, Adipositas, Depression, Schlafstörungen und Rückenschmerzen. Gerade für diese Betroffenen können digitale Therapieprogramme hilfreich sein – sei es für den Übergang, neben einer medikamentösen Behandlung, bei laufenden Behandlungen wie Psychotherapie/Physiotherapie oder als alleinige Lösung. Doch nicht nur auf Seiten der Patient:innen stellen DiGA eine hilfreiche Lösung dar, sondern auch für Ärzt:innen. So können DiGA in erster Linie eine entlastende Wirkung haben – vor allem in Bezug auf den Faktor Zeit. Aber auch Bürokratie lässt sich durch digitale Prozesse reduzieren und ermöglicht so mitunter schnellere Behandlungserfolge.

Informieren, statt ignorieren

Ein generelles Informationsangebot ist in der Breite ausreichend vorhanden. Das eigentliche Problem liegt im Zugang zu besagten Informationen. Medizinisches Fachpersonal muss also zukünftig einfacher und schneller Zugriff auf sämtliche relevante Informationen haben. Ist dies der Fall, gibt es Hoffnung, dass das Angebot von Ärzteseite besser angenommen wird. DiGA verschiedener Indikationsgebiete haben sich bereits zusammengeschlossen, um das Informationsangebot durch Webinare, Beratungsgespräche, Praxisschulungen, analoges oder digitales Infomaterial, Testzugänge und Patientenflyer zu vervollständigen. Der nächste wichtige Schritt ist nun, dass das Angebot von Ärzt:innen wie auch Therapeut:innen angenommen wird. Zum Wohle der Patient:innen.

Je nach Indikation gibt es bislang eine unterschiedliche Anzahl von DiGA-Anbietern. Vor allem bei der psychischen Versorgung von Menschen kann es zusätzlich zu Terminen vor Ort sinnvoll sein, sich alternative Unterstützung per Online-Therapie zu suchen. Das fängt schon bei den Hausärzt:innen an: Sollte die Indikation für eine Überweisung in eine Therapie vorliegen, lässt sich übergangsmäßig eine DiGA verschreiben. Das ist auch sinnvoll, denn die Wartezeiten für Therapieplätze erstrecken sich häufig über mehrere Monate, während die Notwendigkeit für psychologische Soforthilfe sehr hoch bleibt.

Aufklärung ist der Schlüssel

Am Ende des Tages geht es vor allem um Aufklärung. Neue Lösungen sind nun da, nur wissen viele Ärzt:innen und Therapeut:innen noch nichts davon, sodass Patient:innen zum Teil selbst auf die Möglichkeit der Verschreibung einer DiGA hinweisen müssen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Informationen zu bündeln und in unterschiedlichen Formaten anzubieten. Nur wenn alle wissen, welche Möglichkeiten es gibt, haben digitale Anwendungen die Chance sich zu etablieren und Hilfe dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Daniel Wiedemann ist Geschäftsführer der DiGA info, einer Informationsgesellschaft, die medizinische Fachinformationen zum neuen Versorgungsbereich der Digitalen Gesundheitsanwendungen bietet.

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