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Gesundheit & E-Health

Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD)

Überlastung der Gesundheitsämter verzerrt Corona-Zahlen

Nantke Garrelts

von Nantke Garrelts

veröffentlicht am 15.01.2021

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Durch hohe Corona-Fallzahlen überlastete Gesundheitsämter haben derzeit vielerorts Schwierigkeiten, ihren Meldeverpflichtungen gegenüber dem Robert Koch-Institut (RKI) nachzukommen und Neuinfektionen rechtzeitig zu melden. Das führt zu verzerrten Sieben-Tage-Inzidenzen, berichtet das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) in einem Diskussionsbeitrag vom Donnerstag. Die regionale Vergleichbarkeit sei dadurch nicht mehr gegeben. Das Zi schlägt vor, die letzten Tage vor dem jüngsten bekannten Meldedatum aus der Berechnung auszuschließen und andere Indikatoren zur Bewertung der aktuellen Infektionslage hinzuzuziehen.

Verzerrungen bei der Abbildung der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage sind hochproblematisch, weil sich mehrere aktuelle Verordnungen und damit Einschränkungen auf diesen Wert beziehen, etwa die Regel, dass sich Bürger bei einer Inzidenz von über 200 nicht mehr als 15 Kilometer von ihrer Landkreisgrenze entfernen dürfen. Deshalb fordert das Zi, den Meldeweg der Daten zügig zu verbessern. In der Vergangenheit hattes es immer wieder Übertragungspannen gegeben, was auch mit veralteter Software im Öffentlichen Gesundheitsdienst und teils manuellen Meldewegen zu tun hatte. Sollten diese Schwierigkeiten nicht in absehbarer Zeit behebbar sein, müsse man die Tage vor der Meldung ausschließen, um lückenhafte Meldetage nicht die Berechnung verzerren zu lassen.

„Bei systematischen Meldeverzügen wie beim derzeitigen Berechnungsverfahren laufen wir sonst weiterhin Gefahr, dass einzelne Kreise dauerhaft mit zu niedrigen Werten in der Statistik des Infektionsgeschehens erscheinen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. Dass eine Meldequote von über 95 Prozent jedoch auch bei sehr hohen Inzidenzen möglich sei, zeige das Beispiel Thüringen. Hier schafften es die Kreise trotz sehr hoher Fallzahlen, zeitnah ein vollständiges Bild der Pandemie zu vermitteln.

Dies sei trotz zum Teil deutlich geringerer Fallzahlen nicht überall so, erklärte von Stillfried. Problematisch sei außerdem, dass Zahl und Quote der positiven Fälle stark von den Teststrategien der jeweiligen Länder und Kommunen abhänge; eine Vergleichbarkeit untereinander sei daher nicht gegeben. Außerdem sei die Inzidenz damit als einziger Indikator problematisch, weil unter Umständen je nach Teststrategie eine signifikante Anzahl positiver Fälle unentdeckt bliebe. Von Stillfried schlägt vor, Indikatoren wie die Inzidenz in den Risikogruppen oder die Auslastung von Intensivstationen in die Beurteilung mit einzubeziehen. nag/red

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