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Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Warum Hygiene digitale Innovationen braucht

Hans Georg Hagleitner ist Unternehmensinhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Hygieneunternehmens
Hans Georg Hagleitner ist Unternehmensinhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Hygieneunternehmens Foto: privat

Krankenhausinfektionen kosten Tausenden Menschen jährlich das Leben. Diesen nosokomialen Infektionen kann man aktiv mit professionellen digitalen Hygienesystemen entgegenwirken, schreibt Hans Georg Hagleitner in seinem Standpunkt und setzt sich für innovative Hygieneprodukte und -systeme ein.

von Hans Georg Hagleitner

veröffentlicht am 14.10.2022

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Händewaschen haben wir theoretisch als Kinder alle gelernt, bis es in den vergangenen drei Jahren eine ganz neue Bedeutung bekommen hat: Denn seither geht es bei Hygiene um Gesundheit und nicht mehr nur um Sauberkeit. Was leider noch immer nicht alle verinnerlicht haben: 80 Prozent aller Infektionen werden über die Hände übertragen. Spätestens jetzt, wo die Corona-Zahlen schon wieder empfindlich steigen, steht Deutschland vor einem Kulturwandel in der Hygiene. Es braucht Innovationen und neue Standards, die über das bloße Händewaschen hinausgehen. 

Hygiene muss als effiziente und effektive gesundheitliche Maßnahme viel stärker noch in den Köpfen der Menschen verankert werden und wir Unternehmer müssen Lösungen präsentieren. Mir drängt sich dabei der Vergleich zur IT-Sicherheit von Betrieben auf. Jeder einzelne Mitarbeiter trägt durch den richtigen Umgang mit Passwörtern etc. zur IT-Sicherheit des Unternehmens bei. Das Unternehmen selbst muss jedoch für die richtige Hard- und Software sorgen, die Eindringlingen einen feindlichen Angriff möglichst erschweren – das gilt auch für die Gesundheit. Was bei Cybersicherheit jedem klar ist, muss auch für die Hygienesicherheit gelten.

Hygieneverhalten ändert sich

Die individuelle Einstellung und das Verhalten zur Hygiene haben sich drastisch geändert. Vor drei Jahren galt ich noch als „Nerd“, weil ich ein Desinfektionsgel mit mir trug – heute ist das bei vielen Menschen Standard. Laut unserem Hygienebericht achten 73 Prozent der Befragten seit Ausbruch der Corona-Krise explizit auf mehr Hygiene. Somit spielt Infektionsprävention eine immer bedeutendere Rolle. Frauen legen übrigens dem Hagleitner-Hygienebericht 2021 zufolge mehr Wert auf professionelle Hygiene als Männer: 67 Prozent verlangen zum Beispiel Händedesinfektionsspender an Schlüsselstellen, etwa auf dem Hotelflur, im Restaurant und an der Bar; die Herren teilen den Anspruch nur zu 55 Prozent.

Hygiene wird messbar

Das Robert Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland rund 400.000 bis 600.000 Menschen im Jahr eine Krankenhausinfektion erleiden. Neben einem neuen Gesundheitsbewusstsein bringen digitale Hygienesysteme die wichtigen Effekte in der Unterbrechung und Unterbindung von Infektionsketten. Ein aktuelles Beispiel aus dem Krankenhaussektor: Ein Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen startete bereits vor einigen Jahren ein umfangreiches Projekt in Sachen Händehygiene. Man hatte mehr als 1.700 berührungslose und digital vernetzte Desinfektionsmittelspender in den Einrichtungen der Gruppe installieren lassen, begleitet von einem ganzen Maßnahmenbündel in Sachen Patientensicherheit.

Durch ein besseres Hygiene-Verständnis und durch gezielte innovative Lösungen kann die Infektionszahl der an nosokomial erkrankten Patientinnen und Patienten deutlich reduziert werden. Die im richtigen Moment angewandte Händedesinfektion ist fürs Hygienemanagement entscheidend und das erwiesenermaßen wirksamste Mittel im Kampf gegen Keime. Das hat generell mit Bewusstseinsarbeit zu tun. Im besagten Krankenhaus ist zum Beispiel auch insbesondere auf der Intensivstation die Zahl der im Krankenhaus erworbenen Sepsisfälle rasch Richtung null zurückgegangen.

Digital vernetzte Desinfektionsmittelspender geben über eine App darüber Auskunft, wie hoch der Verbrauch ist und wann nachgefüllt werden muss. Das ist für einen Gesundheitsbetrieb wie ein Krankenhaus heute Basis des täglichen Tuns und schlägt bereits auf andere Branchen über. Fußballstadien messen digital den Verbrauch von Hygieneprodukten auf allen Sanitätseinrichtungen. Ich bin davon überzeugt, dass auch Supermärkte künftig digitale Hygienesysteme im Einsatz haben werden. Aus zwei Gründen: Zum einen wird in Zeiten des Arbeitskräftemangels ein effizienter Ressourceneinsatz des Reinigungspersonals noch wichtiger, Leerfahren von Sanitätsanlagen zu Sanitätsanlagen sind Vergangenheit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen im Vorhinein, wann und wo Reinigungs- und Desinfektionsmittel nachgefüllt werden müssen. Und außerdem wird Hygiene durch die Digitalisierung für jeden Kunden messbar und transparent.

Digitale, transparente Hygienesysteme entscheiden über Kaufverhalten

Innovative Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen können bereits heute digital die eigene Compliance bei der Händehygiene messen. Hier müssen wir weiterdenken: Gesundheit kennt keine Branchengrenzen. Jedes Unternehmen – ob Autohersteller, Restaurant oder Supermarkt – muss sich heute mit Gesundheit auseinandersetzen und Lösungen für seine Mitarbeiter und Kunden anbieten können – aus Gründen der Sicherheit, der Wettbewerbsfähigkeit und der Attraktivität als Arbeitgeber. Überall, wo Menschen zusammentreffen, kann künftig transparent und digital die Anzahl der täglichen Handdesinfektionen ausgewiesen werden. Kundinnen und Kunden werden beim Betreten des Supermarktes auf einen Blick sehen, wie oft hier bereits desinfiziert wurde, und entscheiden, ob sie sich hier sicher fühlen oder nicht.

Ich lasse nicht gelten, dass wir den Appell der richtigen Handhygiene auf Patientinnen und Patienten, auf Kundinnen und Kunden abwälzen. Wir als Motor der Branche und als Technologieführer müssen den Anspruch haben, neue Lösungen, innovative Hygieneprodukte und -systeme zu entwickeln, die es den Betreibern erleichtern, professionelle Hygiene zu ermöglichen.

Mit Information, mit leichtem Zugang und mit Anreizen kann man Verhalten ändern. Die Politik ist also gefordert, verstärkt das Thema Händehygiene aufzugreifen, oder es sogar zu fördern. Besagte Krankenhausinfektionen kosten Tausenden Menschen jährlich das Leben. Diesen nosokomialen Infektionen kann man aktiv mit professionellen digitalen Hygienesystemen entgegenwirken. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens lässt sich im Bereich Hygiene auch konkret mit Anreizen stärken.

Hans Georg Hagleitner ist seit 40 Jahren als Unternehmer und Entwickler mit Hygienelösungen beschäftigt. Sein Unternehmen hat am 12. Oktober 2022 seine neue Deutschland-Zentrale in Frankfurt am Main eröffnet. 

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