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Gesundheit & E-Health

Standpunkt

Wie kann KI im Gesundheitswesen funktionieren?

Ines Bahr, Senior Content Analyst bei Capterra
Ines Bahr, Senior Content Analyst bei Capterra Foto: privat

Damit Anwendungen auf Basis von Künstlicher Intelligenz – etwa Chatbots oder Diagnosetools – erfolgreich im Gesundheitswesen Fuß fassen können, braucht es vor allem Nachvollziehbarkeit der Algorithmen und das Vertrauen von Patienten und Ärzten.

von Ines Bahr

veröffentlicht am 23.11.2021

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Das Gesundheitswesen durchläuft eine digitale Transformation. Der Begriff der Telemedizin ist in aller Munde, und die virtuelle Sprechstunde via Videokonferenz-Software kommt bei Patienten erstmalig zum Einsatz. Deutschland hinkt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinterher, was die Nutzung von Telemedizin angeht. Laut der aktuellen Capterra-Studie zur Digitalisierung im Gesundheitswesen haben lediglich 17 Prozent der deutschen Patienten bereits eine telemedizinische Konsultationen gehabt. In Spanien sind es im Vergleich 62 Prozent der Patienten.

Zusätzlich erobert die Künstliche Intelligenz (KI) das Gesundheitswesen und ist die Schlüsseltechnologie der Zukunft in der Medizin. Aber ist Deutschland bereit für die Technologie?

Einsatzbereiche der KI in der Medizin

Es gibt verschiedene Bereiche, in denen die Ansätze zum Einsatz kommen können. Im Folgenden sind mal diese vier zu nennen: 

  • Chatbots: Diese nutzen Künstliche Intelligenz, um menschenähnliche Gespräche mit Patienten zu führen. Beispielsweise kann ein Patient seine Symptome in einen Chat eingeben und das System kann durch den Vergleich mit einer Datenbank früherer Antworten entscheiden, ob er einen Termin mit einem Arzt vereinbaren soll.
  • Krankheiten diagnostizieren: Mithilfe von vielen konkreten und digitalisierten Beispielen kann die Künstliche Intelligenz lernen, Muster zu erkennen und Krankheiten diagnostizieren.
  • Behandlung personalisieren: Einen personalisierten Behandlungsplan aufzustellen, erfordert eine komplizierte statistische Arbeit, da viele verschiedene Faktoren die Wahl der Behandlung beeinflussen. Dies kann von der Maschine übernommen werden. KI vergleicht ähnliche Patientenakten miteinander, um so eine Behandlung vorzuschlagen.
  • Roboter-assistierte Chirurgie: Operationsroboter erlauben Eingriffe mit hoher Präzision, eine hochauflösende dreidimensionale Sicht und eine vollständige Bewegungsfreiheit.

Technische Probleme der KI

Was haben diese Bereiche gemeinsam? KI kann nur nutzstiftend agieren, wenn viele digitalisierte Daten bereitstehen. Oftmals hapert es jedoch noch an der Bereitstellung genügend digitaler Daten im Medizinbereich. In Krankenhäusern beispielsweise entsteht jeden Tag eine Fülle von Daten. Wären diese Daten qualitativ hochwertig genug und leicht verfügbar, könnten sie sich mit KI auswerten lassen.

Und bei telemedizinischer Betreuung bedarf es weiterhin einer besonderen technischen Sicherung der Daten, was aufgrund der teils veralteten Infrastruktur schwierig ist. Computersysteme in Kliniken und Arztpraxen sind oft stark veraltet und bieten daher Angriffsflächen für Attacken.

Gesundheitsunternehmen müssen das Vertrauen der Patienten gewinnen, um Zugang zu Daten zu erhalten. Ereignisse wie Cyberattacken auf Krankenhäusern können Patienten jedoch misstrauisch machen, was die Weitergabe von Informationen und den Einsatz von Technologie im Gesundheitswesen angeht.

Patienten sind der KI gegenüber misstrauisch

Der Erfolg von Technologien setzt Akzeptanz und Vertrauen in der Bevölkerung voraus. Auch hier stößt KI an ihre Grenzen. Aus der Capterra-Studie geht hervor, dass die Patienten ein allgemeines Unbehagen empfinden, wenn Künstliche Intelligenz die Diagnose stellen oder Medikamente verschreiben könnte. Das Vertrauen in diese Analysesysteme ist noch nicht vorhanden. Die Mehrheit der Befragten gibt auch an, dass sie sich nicht wohl dabei fühlen, ihre Krankengeschichte mit einem virtuellen Assistenten zu teilen. Ein Grund für das Misstrauen sind Datensicherheitsbedenken. 46 Prozent der Patienten geben an sehr (8 Prozent) beziehungsweise etwas besorgt (38 Prozent) um den Schutz ihrer Daten zu sein. Die Humanisierung im Gesundheitswesen ist immer noch ein wichtiger Faktor und Unternehmen sind gefordert, diese Barriere zu durchbrechen.

Was heißt das für das Personal?

Trotz der Bedenken und des anfänglichen Misstrauens ist die Mehrheit (57 Prozent) der Befragten der Meinung, dass es wichtig oder sehr wichtig ist, Künstliche Intelligenz und andere Technologien einzusetzen, um das Patientenerlebnis zu verbessern. Patienten fühlen sich mit der Anwendung von KI unwohl, erkennen aber die Notwendigkeit. Hier ergibt sich eine Chance, Patienten mit der neuen Technologie vertraut zu machen und sie darüber aufzuklären.

Ärzte, die KI-gestützte (telemedizinische) Anwendungen anbieten möchten, stehen vor der Herausforderung, sowohl Mitarbeiter als auch Kunden davon zu überzeugen: Dies können sie durch nachvollziehbare Konzepte, ein hohes Datensicherheitsniveau und viele Informationen. Eine Implementierung kann nur gelingen, wenn sowohl Mitarbeiter als auch Kunden mitziehen.

Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz sind im Gesundheitswesen breit gefächert. Wollen Ärzte die Technologie einsetzen, müssen sie vor der Einführung von konkreten Tools definieren, auf welche Aktivitäten sie sich mithilfe von KI verlassen möchten.

Auch die Komplexität und Sicherheitslücken, die mit dem effizienten Management großer Datenmengen, die bei der Ferndiagnose und -behandlung gesammelt und verarbeitet werden, stellen eine technologische Herausforderung für Ärzte dar, die gelöst werden muss.

Ines Bahr ist Senior Content Analyst bei dem Softwarevergleichs-Portal Capterra, spezialisiert auf Studien und Digitalisierungs-Tipps für KMU.

Hinweise zur Methodik der Umfrage: Um die Daten für diesen Bericht zu sammeln, führte Capterra im April 2021 eine Online-Umfrage durch. Von den insgesamt befragten Personen konnten 1047 Personen aus Deutschland identifiziert werden, die folgenden Kriterien entsprachen: Wohnsitz in Deutschland, über 18 Jahre alt, Arzttermin innerhalb der letzten 12 Monate, gehen in der Regel mindestens einmal im Jahr zum Arzt. In den Niederlanden wurden 994, in Frankreich 1017 und in UK 1018 Patienten befragt. 

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