„Im Vergleich zu unseren Wettbewerbern sind wir gut aufgestellt“

Jens Wohltorf
Jens Wohltorf, CEO und Mitgründer von Blacklane (Foto: Blacklane)

Jens Wohltorf gründete 2011 gemeinsam mit Frank Steuer den Limousinenservice Blacklane. Wie die US-Fahrdienste Uber und Lyft zieht es auch das Berliner Start-up an die Börse - allerdings erst in ein paar Jahren und in deutlich kleinerem Rahmen. Im Interview mit Tagesspiegel Background spricht der CEO über die Hintergründe.

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Welche Ziele verfolgt Blacklane mit dem Börsengang, Herr Wohltorf?

Als Start-up brauchen wir einen nachhaltigen Zugang zu Kapital. Außerdem haben wir Investoren an Bord (Daimler, btov, und andere Anm. d. R.), die kurz nach unserer Gründung 2011 oder etwas später eingestiegen sind. Insbesondere Finanzinvestoren benötigen jedoch irgendwann eine Exit-Möglichkeit. Ein IPO bietet die Möglichkeit, den Gesellschafterkreis zu erweitern.  

Warum der Zeithorizont von drei Jahren?

2022 werden wir durch unser Wachstum von aktuell mehr als 100 Prozent jährlich voraussichtlich eine Größenordnung erreicht haben, bei der ein solcher Schritt Sinn macht. In diesem Jahr wollen wir vor allem im Mittleren und Fernen Osten wachsen. Für die Expansion stehen 10 bis 20 Millionen US-Dollar bereit. 

Die Wettbewerber Uber und Lyft sind nicht profitabel, sondern fahren hohe Verluste ein. Uber warnt in seinem Börsenprospekt sogar davor, vielleicht niemals Geld zu verdienen. Auch Blacklane schreibt keine schwarzen Zahlen. Was können potenzielle Investoren von einem IPO erwarten?

In den Städten, in denen wir unseren Limousinenservice anbieten, sind wir profitabel. Dass wir nicht in Gänze schwarz sind, liegt daran, dass wir in die Expansion und neue Services investieren. Eine Änderung der Strategie würde uns schon heute aus der Verlustzone holen. Und auch die Analyse anderer Kennzahlen zeigt, dass wir im Vergleich zu unseren Wettbewerbern gut aufgestellt sind.

Zum Beispiel?

Ein Indikator sind die Kundenakquisitionskosten, also der Preis, den uns ein Neukunde kostet. Ohne genaue Zahlen zu nennen – dieser Wert ist bei uns relativ gering. Viele unserer Kunden kommen nach der ersten Buchung außerdem wieder zu uns zurück, ein weiteres Indiz für ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Drei Jahre können lang werden. Planen Sie, vorher noch neues Kapital aufzunehmen, um das Wachstum zu finanzieren?

Nein. Zuletzt haben wir Anfang 2018 einen hohen zweistelligen Millionenbetrag eingesammelt. Sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreffen, brauchen wir kein frisches Kapital. Eine neue Runde ist also nicht geplant, aber wir sind stets gesprächsbereit.

Nochmal zurück zu Ihrer Zielgruppe. Über welche Kanäle kommen die Kunden zu Blacklane?

Die Hälfte sind Direktkunden, die über Google, Facebook, Twitter oder Instagram auf uns aufmerksam werden. Die andere Hälfte kommt über Unternehmen oder Airlines zu uns, die mit uns Verträge für den Transport ihrer Mitarbeiter oder Fluggäste abschließen. Anders als Taxi- oder Ridehailing-Dienste sind wir kein Fahrdienst für den innerstädtischen Verkehr, sondern verstehen uns als Reiseunternehmen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden, die wir in New York akquiriert haben, uns auch nach ihrer Landung am Flughafen in Dubai nutzen.

Blacklane ist in vielen Ländern und Märkten unterwegs. Trotzdem erwartet der Kunde, dass der Dienst überall gleich funktioniert und die gleichen Standards erfüllt. Können Sie das garantieren?

Das ist in der Tat eine unserer größten Herausforderungen. Ein Drittel unserer 400 Mitarbeiter kümmert sich um die ‚Operations‘, sie wählen unsere Partner, die Fahrdienste, nach strengen Standards aus. Unsere Chauffeure werden außerdem im Rahmen von Audits und ‚Mystery Rides‘ überprüft. Daneben nehmen wir Kundenfeedback sehr ernst. All diese Datenpunkte helfen uns, die Qualität unseres Angebots in allen Märkten nicht nur sicherzustellen, sondern permanent auszubauen.

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Sind weitere Produkte oder Dienstleistungen geplant?

Unsere Vision war es schon immer, den Stress in der Reisekette zu reduzieren. Neben dem klassischen Chauffeurservice bieten wir deshalb heute einen Concierge-Service an, der Fluggäste direkt an der Flugzeugtür abholt und ihnen beim Gepäck und der Einreise hilft. Wir erwägen, weitere Dienstleistungen für den Kunden rund um die Reiseorganisation zu übernehmen. Beispielsweise entstehen an der Check-in-Schlange im Hotel häufig lange Schlangen, weil zum Beispiel die Pässe der Gäste kopiert werden müssen. Solche Wartezeiten sind unnötig.

Und wie steht Ihr Unternehmen zu Flugtaxis?

Der Einsatz von Drohnen oder Helikoptern ist eine Option für uns. Wir sind nicht auf die Straße festgelegt. In Venedig bringen schon heute auch Boote unsere Kunden an ihr Ziel. Allerdings sind beispielsweise elektrische Tretroller für uns nicht interessant. Unsere Fahrgäste legen mit unseren Limousinen in der Regel Strecken zwischen 30 und 40 Kilometern zurück. Dafür sind kleinere E-Fahrzeuge nicht geeignet und sie passen auch nicht zu dem hochwertigen Reiseerlebnis, das wir anbieten.

Das Interview führte Jana Kugoth. 

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