- Klimaschutz Klimaneutrale Dienstreisen

Die Bundesregierung ist gründlich beim Versuch, ihre Dienstreisen glaubwürdig klimaneutral zu stellen. Doch auch für Firmen gibt es Möglichkeiten, den eigenen Ruf auf diesem Feld zu verbessern.

Dieser Beitrag erscheint im Tagesspiegel BACKGROUND, dem täglichen Entscheider-Briefing für den Energie- und Klimasektor. Mehr Informationen unter: 030 29021-11424.

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In der ersten Runde der Kompensation von Dienstreisen 2007 bis 2009 hat die Bundesregierung die bundeseigene KfW-Bank beauftragt, Kohlendioxid-Gutschriften anzukaufen. Schon damals bemühte sich die KfW darum, Zertifikate mit dem sogenannten Gold-Standard zu kaufen. Der Standards ist von einigen Umweltorganisationen entwickelt worden, um zu erreichen, dass mehr sogenannte CDM-Projekte tatsächlich dazu beitragen, die globalen Treibhausgasemissionen zu senken.

Der CDM (Clean Development Mechanism) ist eines von zwei Instrumenten des Kyoto-Klimaabkommens von 1997. Die Idee: Firmen, die beispielsweise im europäischen Emissionshandel dazu verpflichtet sind, ihren Treibhausgasausstoß mit dem Kauf von CO2-Zertifikaten auszugleichen, können sich an Auktionen beteiligen, die beispielsweise die Strombörse EEX veranstaltet, sie können bei anderen Firmen mit überschüssigen Zertifikaten kaufen, oder sie können ihre Verpflichtungen über Emissionsgutschriften in Entwicklungsländern (CDM) oder Transitionsländern wie beispielsweise die osteuropäischen Staaten JI (Joint Implementation) erbringen. Noch sind solche Emissionsgutschriften im Europäischen Emissionshandel zulässig. Von 2020 an werden diese Gutschriften von außen angesichts des massiven Überangebots an Zertifikaten auf dem europäischen Markt zunächst stark eingeschränkt.

Die Bundesregierung jedenfalls hat nun die Deutsche Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt (UBA) mit dem Ankauf von CDM-Zertifikaten beauftragt. Nachdem in der Frühzeit der CDMs auch viel Schindluder getrieben worden ist, hat das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) inzwischen die Regeln verschärft. Um als CDM-Projekt anerkannt zu werden, müssen die Projekte nachweisen – und überprüfen lassen -, dass durch diese Projekte tatsächlich Treibhausgase eingespart werden.

Jahrelang haben auch deutsche Unternehmen CDM-Zertifikate in China eingekauft, die mehr als fragwürdig waren. Dort wurden Fluor-Chlor-Verbindungen, die ein eine hohe Treibhauswirkung haben, zerstört. Oft wurden die Stoffe aber erst erzeugt, um sie zerstören zu können und dafür CO2-Gutschriften verkaufen zu können. Diese Geschäfte sind inzwischen nicht mehr möglich.

2014 hat die Emissionshandelsstelle in ein Projekt zur Stromerzeugung aus Deponiegas in Mexico investiert. Außerdem wurden Zertifikate aus einem Windprojekt in Costa Rica angekauft. Weitere CO2-Zertifikate stammten aus einem Projekt in Indien, wo aus Ernteresten Strom erzeugt wird. Dazu kamen zwei Projekte, in denen Haushaltsbiogas zum Kochen in Nepal und China erzeugt wurde. Die Gutschriften wurden im Anschluss aus dem Markt genommen – und gelöscht.

Aktuell können sich CDM-Projekte bei der Deutschen Emissionshandelsstelle bewerben, um die Dienstreisen des Jahres 2015 zu kompensieren.

Privatleute oder Firmen können ihre Dienstreisen mit deutlich weniger Aufwand ebenfalls kompensieren. Die Lufthansa beispielsweise bedient sich dazu eines Dienstleisters: My Climate. Der größte und mehrfach ausgezeichnete deutsche CO2-Kompensator ist Atmosfair. Das Unternehmen The Compensators geht einen anderen Weg. Es kauft CO2-Emissionen aus dem Europäischen Emissionshandel an, um sie zu löschen. Diese Kompensationssysteme sind Teil des sogenannten freiwilligen Kohlenstoffmarktes, eines wachsenden aber noch immer kleinen Segmentes des globalen Kohlenstoffmarktes.