„Markt für Green Bonds wächst jedes Jahr um 30 Prozent“

Wie geht es weiter mit dem Finanzierungsinstrument Green Bonds? Daniel Shurey, Analyst bei Bloomberg New Finance, sieht große Chancen, aber auch noch Regulierungsbedarf.

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Wie groß ist der Markt für Green Bonds im Vergleich zu normalen Anleihen?


Er ist bisher nur ein Tropfen im Ozean des Rentenmarkts und machte in diesem Jahr 0,5 Prozent aller neuen Anleihen aus.


Wie schnell wächst der Markt für Green Bonds?


Er wächst signifikant. Im vergangenen Jahr wurden neue grüne Anleihen im Wert von 95 Milliarden Dollar begeben. Der grüne Anleihenmarkt wächst mit einer jährlichen Rate von 30 Prozent.


Welche Probleme sehen Sie beim Thema Regulierung? Bisher ist nur unverbindlich definiert, welche Kriterien ein Green Bond erfüllen muss, etwa in den Green Bonds Principles. Also kann jeder vom guten Image dieser Analgeform profitieren.


In Bezug auf Regulierung oder Standardisierung passiert nur wenig und das behindert den Markt. Zwar kann das Label „Green Bonds“ den Pool potenzieller Investoren erweitern. Doch es ist in den meisten Fällen nicht genau genug definiert. Dass führt aber nicht dazu, dass jeder vom guten Ruf grüner Anleihen profitiert, sondern es gewinnt im Endeffekt niemand. Bei der Regulierung gibt es aber ein Problem: Wenn man den Markt zu früh zu stark reguliert, könnten die Risiken und Kosten den Markt austrocknen.


Wie wichtig sind Green Bonds für den Ausbau erneuerbarer Energien? Was ist mit anderen Instrumenten wie Crowdfunding?


Wir betrachten Green Bonds als zunehmend wichtiges Werkzeug, um Fremdkapital zu erhalten. Wenn grüne Anleihen sich als vorteilhaft für Kreditnehmer erweisen, kann das sicherlich beim Paradigmenwechsel hin zu einer emissionsarmen Wirtschaft helfen – und nicht nur Entwicklern von erneuerbaren Energien. Wenn beispielsweise ein Unternehmen seine CO2-Bilanz reduziert und zur Finanzierung der dafür nötigen Investitionen Green Bonds ausgibt, wäre das aufgrund der niedrigeren Kapitalkosten gut für seine Bilanz und auch gut für die Umwelt.


Crowdfunding hat großartige Qualitäten. Es wird aber schwer sein, Crowdfundingkapital in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar einzusammeln. So viel ist aber nötig, um die Wirtschaft zu reformieren. Die Transaktions- und Marketingkosten würden wahrscheinlich sehr hoch sein.


Das größte Problem beim Umbau der Wirtschaft ist, dass viele Investoren keinen wirklichen Unterschied im Rendite-Risiko-Profil sehen, wenn sie grüne und nicht-grüne Investitionen vergleichen. Daraufhin wird dann auch kein Kapital hin zu umweltfreundlichen Projekten umgelenkt.


Was könnte man dagegen tun?


Um das Thema Green Finance anzukurbeln ist es meiner persönlichen Ansicht nach wichtig, dass Investoren erkennen, welche höhere Risiken nicht-grüne Vermögenswerte im Vergleich zu grünen Vermögenswerten aufgrund des Klimawandels haben. Das würde zu besseren Preisen und Bedingungen für grüne Investitionen und zu einer Kapitalverlagerung hin zu grünen Vermögenswerten führen.


Welche Hindernisse dem entgegenstehen, haben die G 20 in ihrem Green Finance Synthesebericht von 2016 herausgearbeitet. In erster Linie ist es die Tatsache, dass sich negative Umwelteffekte von Produkten oft nicht in deren Preis niederschlagen und dass positive Effekte von grünen Investments oft nicht quantifizierbar sind.

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