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Annemike Vierneisel

Annemike Vierneisel, Cybersecurity-Architektin bei Cymotive Technologies
Cybersecurity-Architektin bei Cymotive Technologies Foto: Foto: Victor Ciurus

Annemike Vierneisel hat Informatik in der Schule abgewählt, weil es ihr keinen Spaß gemacht hat. Studiert hat sie es dann trotzdem. Sie sagt, beim Programmieren habe ihr Code oft eine bessere Qualität, weil sie es sich nicht durch Youtube-Videos selbst beigebracht, sondern in der Universität gelernt hat. Heute ist sie Cybersecurity-Architektin bei Cymotive Technologies.

von Constantin Eckner

veröffentlicht am 15.11.2022

aktualisiert am 22.11.2022

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Hoch hinaus soll es gehen für Annemike Vierneisel. Um genau zu sein, möchte die 27-Jährige die Erdatmosphäre verlassen, denn ihr Wunschberuf ist Astronautin. Noch ist sie zu jung für den Job und beschäftigt sich deshalb mit Cybersecurity im Automotivesektor. Für die VW-Tochter Cymotive Technologies tüftelt die studierte Informatikerin an der richtigen Sicherheitsarchitektur, die schon vor der Verbreitung vollautomatisierter Fahrzeuge wichtig ist.

„Autos, die ab Mitte der 2010er-Jahre verkauft wurden, haben schon viele Schnittstellen nach außen, vor allen Dingen im Konnektivitätsbereich. Und das ist auch gut so“, sagt Vierneisel. „Der typische Autofahrer möchte Apps nutzen. Ich möchte zum Beispiel E-Mails lesen können, ich will Musik streamen. Das sind alles Schnittstellen nach außen, wodurch Daten ins Auto gesendet werden.“ Dies erfordert entsprechende Kontrollmechanismen, damit Datenströme nicht abgefangen werden oder in ein Fahrzeug von außen eingegriffen wird.

Chef ist ein israelischer Ex-Geheimdienstler

Vierneisels Jobbeschreibung lautet Cyber Security Architect. Die „Wolfsburger Nachrichten“ nennen sie die „VW-Geheimwaffe gegen Hackerangriffe“. Geheim ist Vierneisel aber zumindest in Fachkreisen schon seit Längerem nicht mehr. Deshalb wurde auch Cymotive Technologies auf sie aufmerksam und lockte sie nach Wolfsburg. Das Unternehmen selbst existiert seit 2016. Als Chairman fungiert Yuval Diskin, der von 2005 bis 2011 Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet war.

Das wirkt auf den ersten Blick aufregend, ein wenig wie eine jener wenig bekannten Corporations, die hinter großen Betonwallen an strengvertraulichen Projekten tüfteln. Aber aus dem Mund der 27-Jährigen klingt es anders. „Ich meine, VW nimmt Sicherheit sehr ernst und macht auch einen guten Job, dieses Thema in die Produktentwicklung und den kompletten Lebenszyklus seiner Autos zu integrieren. Das kommt vielleicht auch daher, dass man hierzulande aufgrund unserer Historie ein verstärktes Bewusstsein für Datenschutz und für die Privatsphäre im persönlichen Raum des Autos hat“, sagt Vierneisel.

VW rüstet bei Cybersecurity auf

Die möglichen Angriffspunkte werden mit der zunehmenden Teil- und Vollautomatisierung noch steigen, weshalb Cymotive künftig sicherlich noch mehr Fachkräfte wie Vierneisel suchen und anstellen wird. „Volkswagen und andere Automobilhersteller waren schon immer auf den technischen Bereich der Fahrzeugentwicklung fokussiert und hatten daher lange eher weniger Sicherheitsexperten oder Informatiker in ihrer Belegschaft. Deswegen gibt es ja Cymotive. Wir schließen mit unserer Expertise diese Lücke“, sagt sie.

Vierneisel war bislang nur für deutsche Unternehmen tätig. Nach dem Grundstudium ging sie zu Rohde & Schwarz. Später arbeitete sie ein halbes Jahr für Daimler, das fürs autonome Fahren ein Start-up für Bilddatenverarbeitung gründen wollte. Vierneisel wirkte an einem entsprechenden Prototypen mit. Der Kontakt zu Daimler kam über einen Hackathon zustande, also fast schon an jenem klischeebehafteten Ort, an dem die besten jungen Programmierer:innen zu finden sind.

Informatik in der Schule abgewählt

Allerdings war Vierneisel nicht wie viele ihrer Kolleg:innen bereits als Teenagerin Tag und Nacht am Coden. „Ich hatte Informatik in der Schule und habe es abgewählt, weil es mir keinen Spaß gemacht hat. Als ich mir ein Studium aussuchen musste, habe ich geschaut, was die ESA (Anm. d. Red.: Europäische Weltraumorganisation) für Ansprüche an zukünftige Astronaut:innen hat. Es wurde mindestens ein Master in einer Naturwissenschaft gefordert“, erinnert sie sich.

Beim Blick auf die Naturwissenschaften sei auch Informatik dabei gewesen. Zudem habe sie sich deshalb für dieses Fach entschieden, weil ihr Vater schon Informatiker war und dieser von den Arbeitsbedingungen mit relativ großer Zufriedenheit gesprochen habe.

Durch ihren späten Einstieg ins Fach hat sie sich das Programmieren nicht durch Youtube-Videos oder dergleichen angeeignet, sondern die Best Practices an der Universität gelernt: „Beim Programmieren hatte mein Code oft eine bessere Qualität als der meiner Kommilitonen, weil ich die Programmiersprachen akademisch gelernt habe und mir nicht schon im Vorfeld des Studiums selber beigebracht habe“, sagt sie.

Dass ihre Arbeit qualitativ hochwertig ist, hat gewiss auch Cymotive von Vierneisel überzeugt. Für die VW-Tochter wird sie weiter an allem Cybersecurity-Relevanten arbeiten. Allerdings geht der Blick auch gelegentlich gen Weltall, denn der Traum, Astronautin zu werden, ist für die 27-Jährige keineswegs ausgeträumt. Constantin Eckner

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