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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Ein sicheres und faires Modell für Europa

Marcus Bollig, Geschäftsführer Produkt & Wertschöpfung beim VDA
Marcus Bollig, Geschäftsführer Produkt & Wertschöpfung beim VDA Foto: BMW

Ein modernes Fahrzeug erzeugt 25 Gigabyte Daten innerhalb von nur einer Stunde. Wie sie geschützt werden, wie das Fahrzeug gegen Manipulationen gesichert und welche Services gemeinsam auf die Daten zugreifen sollten, beschreibt VDA-Geschäftsführer Marcus Bollig.

von Marcus Bollig

veröffentlicht am 26.08.2022

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Fahrzeugdaten sind eine wichtige Quelle für Innovationen, für eine nachhaltige Mobilität und für neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle rund um das Automobil. Was heute jedoch fehlt, ist ein einheitlicher Rahmen, der die Speicherung, Sicherung und Nutzung dieser Daten regelt. Hierzu liegt nun ein Konzept vor, mit dem alle Anforderungen bestens erfüllt werden. 

Das Model „Automotive Data Access, Extended and Open“, kurz ADAXO, ermöglicht eine sichere und faire Nutzung der Daten entlang der gesamten „Value Chain“, von der Datenerzeugung im Fahrzeug bis hin zu neuen datenbasierten Services für den Kunden. Das Rahmenwerk definiert, wie und welche Daten auf Plattformen fließen und weiterverarbeitet werden können.Und es muss jetzt umgesetzt werden, wenn Deutschland seine führende Rolle in der Automobilindustrie nicht verlieren soll.

Verkehrssicherheit und Daten-Souveränität für die Kunden

Nebel, Starkregen, Glatteis: Täglich haben die Menschen in den Fahrzeugen mit den unterschiedlichsten Wettereinflüssen zu tun, die gefährlich für die Insassen werden können. Kommt eine Fahrerin oder ein Fahrer in solch eine Situation, nimmt ADAXO diese Daten auf, ermöglicht durch die sichere Datenübertragung die umgehende Warnung für andere Verkehrsteilnehmer in der Region und bietet alternative Routen an. Das erhöht die Verkehrssicherheit deutlich. 

Das Konzept fördert darüber hinaus den Komfort: Tritt bei einer Fahrt spontan die Warnmeldung des Fahrzeugs „nachlassender Reifendruck“ auf, kann die Fahrerin oder der Fahrer auf weitere Informationen wie Angaben über Pannenhilfen oder lokale Händler und Werkstätten in der Umgebung zugreifen. Diese Informationen bekommen sie gleichermaßen vom eigenen Fahrzeughersteller wie auch von anderen Dienstleistern nach Wahl.

Für den Datenaustausch müssen die Nutzerin oder der Nutzer vorab zustimmen, dies ist ein sehr wichtiger Aspekt der europäischen Datensicherheit und ein Wettbewerbsvorteil der deutschen Industrie. So wird gewährleistet, dass nur Daten für die gewünschten Servicedienstleistungen freigegeben werden müssen. Mit der Zustimmung zum Datenaustausch kann das System im Fahrzeug eigenständig eine Pannenhilfe rufen und weitere Fahrzeugdaten wie Standort, Halternamen und Kennzeichen übermitteln. 

Für die Daten der Insassen und des Fahrzeugs wird die Einhaltung höchster Sicherheitsstandards gewährleistet, die entsprechende Schnittstelle ist daher ISO-zertifiziert. ADAXO stellt weiterhin sicher, dass der Datenzugriff durch entsprechende Business-to-Business-Vereinbarungen geregelt ist und gleichzeitig die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union eingehalten wird. Die Integrität der Schnittstelle erhöht zudem die Fahrzeugsicherheit insgesamt, da sensible Fahrzeugfunktionen vor Manipulationen von außen geschützt werden. 

ADAXO schafft einen Datenmarkt 

Bisherige Einzellösungen für Datenanforderungen führen schnell zu einer kaum beherrschbaren Vielfalt an Datenzugriffen. Das ADAXO-Konzept sieht nur eine einzige gemeinsame Schnittstelle vor, über die die im Fahrzeug generierten Daten bereitgestellt werden. Die Fahrzeugnutzer werden damit vor zusätzlichen und unsicheren Erweiterungen, die nachträglich im Fahrzeug implementiert werden und bei denen die Verantwortung nicht klar geregelt ist, geschützt. 

Über die angesprochene App oder eine Anzeige im Fahrzeug können sie jederzeit einsehen, für welche Datenübertragungen sie sich entscheiden und diese bei Bedarf anpassen. Für die Kunden bedeutet das die maximale Transparenz.

Autohersteller und Zulieferer wiederum erhalten grundlegende Erkenntnisse über die Fahrzeuge und können neue Produkte nicht nur schneller, sondern auch individueller entwickeln. Auch Drittanbieter haben so die Möglichkeit, verschiedene Services bereitzustellen. Fair, Reasonable and Non-Discriminatory (FRAND) sind die gemeinsamen Spielregeln für alle Beteiligten an diesem Datenmarkt.

Was jetzt zu tun ist

Hersteller, Serviceanbieter und natürlich die Kunden brauchen dringend eine einheitliche Regelung für das Management der im Fahrzeug gesammelten Daten. Mit ADAXO liegt ein Konzept vor, wie die Automobilindustrie Datensicherheit für Kunden, faires Teilen der Daten mit Serviceanbietern und einen sicheren Betrieb des Fahrzeugs gewährleisten kann. 

Denn es sind die Hersteller, die die Sicherheit ihrer Fahrzeuge garantieren und deshalb auch die Hoheit über das Datenmanagement haben müssen. Auf dieser Grundlage sind die Unternehmen in der Lage und auch bereit, die gewonnenen Daten mit anderen zu teilen. 

ADAXO ist der Bauplan für eine europäische Regelung des Datenmanagements im Automobilsektor, die die Europäische Kommission im Herbst vorlegen will. Die Kommission hat bereits verschiedene Stakeholder, Verbände und Interessenverbände um Stellungnahmen gebeten. Mit ADAXO haben wir ein machbares Konzept, das die Lösung für ganz Europa sein kann. 

Und sein sollte, denn ADAXO bringt alle Interessen zusammen und schafft einen Datenaustausch, sichert die Datensouveränität der Kundinnen und Kunden, wird der Produktverantwortung der Hersteller gerecht und macht die Daten mit anderen Anbietern teilbar. Mit ADAXO kann das Potential der Digitalisierung im Straßenverkehr genutzt werden.

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