Erweiterte Suche

Verkehr & Smart Mobility

Smart Logistics

Jonathan Grothaus

Jonathan Grothaus, Gründer und CEO von Myflexbox
Gründer und CEO von Myflexbox Foto: privat

Die smarten Abholstationen vom österreichischen Start-up Myflexbox sollen lokale Händler und große Dienste gleichermaßen erreichen und den Lieferverkehr in Städten reduzieren. Die Idee dazu ist dem Gründer Jonathan Grothaus durch seinen vorherigen Job gekommen.

von Cyrill Heinen

veröffentlicht am 12.01.2023

aktualisiert am 13.01.2023

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen

Die Anwendungsmöglichkeiten für die plattformbasierten Paketstationen von Myflexbox sind vielfältig. Ein Beispiel: Ein Unternehmer betrieb eine Toner-Füllstation über einem Geschäft in Salzburg. Die gestiegenen Gewerbemieten zwangen ihn, sein Geschäft in bester Lage aufzugeben. Was also tun, damit das Unternehmen weiter besteht? Er zog mit seiner Füllstation an den Stadtrand und sammelt die leeren Druckerpatronen seitdem über Paketstationen von Myflexbox ein.

Kooperationen unter anderem mit GLS und UPS

An solchen Paketstation können Kund:innen Pakete abholen, versenden und Retouren abgeben – und zwar nicht nur die von einem bestimmten Anbieter, sondern von verschiedenen Partnersystemen. Lieferdienst und Paketstation kommen also nicht aus einer Hand. „Wir sind sowohl ein Logistikunternehmen als auch ein Software-Startup. Wir bauen eine digitale Plattform und ein physisches Netzwerk.“ So beschreibt Jonathan Grothaus, CEO und Gründer von Myflexbox, eine der Herausforderungen von anbieterunabhängigen Paketautomaten.

Plattformbasiert bedeutet für Myflexbox, über eine eigene Software digital mit Händler:innen und Paketdienstleister:innen zu kommunizieren. Die Software funktioniert modular, sodass Unternehmen und Kund:innen ihre Anfragen über das System abwickeln können. Die Myflexbox kann potenziell jeder nutzen. Es gibt Kooperationen mit GLS, UPS, regionalen Logistikern in Österreich und Deutschland und mit lokalen Händler:innen einzelner Städte. Auch die Konkurrent:innen haben also offenbar Interesse daran, die Paketstationen von Myflexbox zu nutzen.

Das Thema ist quasi zu mir gekommen“

Grothaus nennt die Stationen Smart Locker. „Das Smart-Locker-Thema ist quasi zu mir gekommen“, sagt er. Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Salzburg AG, habe er daran gearbeitet, den internen Austausch von Geräten zu verbessern – als Lösung nutzte er die Smart Locker. Mitarbeiter:innen legten defekte technische Geräte darin ab, um später das reparierte Gerät wieder abzuholen.

Grothaus hat Volkswirtschaftslehre studiert und danach unternehmerisches Wissen in einigen Projektmanagementstellen und Institutionen zur Förderung von Unternehmertum und Start-ups erlangt. Er nahm unter anderem an Programmen des Strascheg Centers der Hochschule München und dem Accelerator-Programm Euxcel der Europäischen Kommission teil.

Nach Salzburg zog der 35-Jährige dann vor allem wegen seinen zwei Kindern. Die Arbeit sollte planbarer und regelmäßiger werden. Beim neuen Arbeitgeber, der Salzburg AG, wurde die Paketstation-Idee zunächst zu einem Start-up des Unternehmens. 2018 folgte dann die Ausgründung.

Auch alltägliche Beobachtungen von Grothaus und seinen zwei Mitstreitern aus dem Gründerteam beflügelten das Projekt: „Es ist nicht effizient, wenn an einem strategisch günstigen Standort die gelbe neben der grünen neben der blauen Paketstation steht“, findet Grothaus, „die Fahrer stehen in den Städten im selben Stau wie alle anderen. Dann müssen sie oft in zweiter Reihe parken und behindern so den Verkehrsfluss. Wer dann tagsüber sein Paket nicht selbst annehmen kann, darf am nächsten Tag oft durch die halbe Stadt fahren.“

Zur Lösung all dieser Probleme wollten er und sein Team beitragen. Daher war es naheliegend, sich mit den Klagenfurter Stadtwerken zusammenzutun. Die bringen jetzt ihr planerisches Wissen für die Auswahl guter Stationsstandorte in den Wohnquartieren ein. Myflexbox beschäftigt aktuell etwa 40 Personen. Herausfordernd ist laut Grothaus vor allem, das richtige Volumen einer Paketstation abzuschätzen, sie an das Stromnetz anzuschließen und die nötigen Genehmigungen einzuholen.

Für die Zukunft wünscht sich Grothaus für Myflexbox, „einer der größten Anbieter Europas zu werden“. Geplant seien außerdem Micro-Hubs für sperrige Güter außerhalb der Stadt. Auch normale Güter könnten dort zwischengelagert werden. Schlössen sich erst einmal genügend Anbieter zusammen, könnte dann nur noch ein sogenanntes White-Label-Auto überhaupt den Weg in die Städte antreten und so Emissionen und Verkehrsaufkommen senken. Cyrill Heinen

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen