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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Mobilitätsmodell Auto immer noch attraktiv

Andreas Keßler, „Autopapst“ beim Sender RBB
Andreas Keßler, „Autopapst“ beim Sender RBB Foto: Doris Spiekermann-Klaas/Tagesspiegel

„Autopapst“ Andreas Keßler findet die Verweise auf den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad und die Elektromobilität fast zwanghaft. Die Alternativen müssten sich am auch heute noch extrem attraktiven Mobilitätsmodell Auto messen lassen. Bei anderen Verkehrsmitteln gehe es immer ein bisschen um Verzicht und Gleichmacherei, schreibt der Kfz-Experte.

von Andreas Keßler

veröffentlicht am 05.11.2020

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Das Auto. Eine Erfolgsgeschichte! Ganz ohne Zweifel. Das Auto hat die Menschheit bewegt. Nicht nur im physikalischen Sinn von A nach B, sondern auch aus ihrer oft recht engen Sicht der Dinge hinaus in eine Welt voller Abenteuer, Chancen und vor allem Menschen, die man ohne das eigene Auto niemals getroffen hätte. Die oft spontane Erweiterung des individuellen Horizontes dürfte die größte Errungenschaft des Mobilitätsformates „Auto“ sein, die so nicht oder nur unvollständig von anderen Fortbewegungsmitteln erreicht werden konnte. 

Nun ist die Welt nicht stehen geblieben, mehr als 130 Jahre sind ins Land gegangen, seit Carl Benz die Patenturkunde für den „Benz-Motorwagen“ erhalten hat. Mindestens vier Generationen sind mit dem Auto sozialisiert worden, höchstens zwei davon haben auch kritische Aspekte der „selbstbestimmten individuellen Mobilität“ erfahren. Das Auto leidet aktuell unter seinem eigenen Erfolg: Es gibt in Ballungsräumen zu viele davon auf zu wenig Raum, sie sind zu groß, sie belasten mit ihren Abgasen die Atemluft und beschleunigen den Klimawandel. Was liegt also näher, als sich vom Auto zu trennen und die Alternativen zu stärken? Weg mit den Blechkisten, rauf auf das Zweirad und rein in Bus und Bahn!

Völliger Ausstieg aus dem Format „Auto“ wenig empfehlenswert

Leider ist unsere Gesellschaft nicht ganz so einfach strukturiert, der Mobilitäts- und Transportbedarf ist inzwischen so gewaltig, daß jedes Mobilitätsformat bis an oder sogar über seine Kapazitätsgrenze hinaus nachgefragt ist. Wollte man eins davon „abschalten“, müsste man die darauf entfallenden Mobilitätsleistungen auf die verbleibenden Verkehrsträger verteilen und diese schlagartig vollends überlasten. Staus, Verspätungen und Ausfälle würden weiter zunehmen, womit keinem gedient wäre. Ein „digitaler“ Ausstieg aus dem Format „Auto“ ist also wenig empfehlenswert, trotzdem vergeht kein Tag, an dem das nicht mit geradezu religiösem Eifer lautstark gefordert wird. 

Sehr zu empfehlen ist hingegen eine ergebnis- und technologieoffene Diskussion zur Mobilität an sich, in der das Auto selbstverständlich gleichberechtigt vorkommen muss. Leider ist bislang unter dem Schlagwort „Mobilitätswende“ wenig passiert, wenn man die fast zwanghaften Verweise auf den öffentlichen Nahverkehr, das Fahrrad und die Elektromobilität vernachlässigt.

Mehr fällt Verkehrsexperten und sich dazu zählenden „Lautsprechern“ offenbar nicht ein. Natürlich sind auch diese drei Mobilitätsformate genau wie das Auto Teil des Ganzen, aber eben nicht ausschließlich. Es gibt immer Mobilitätsaufgaben, für die sich das eine Format besser eignet als das andere. Dummerweise hat das Auto da sehr oft die Nase vorn, denn lustvoller, komfortabler und emotional ansprechender sind die „Nicht-Auto-Alternativen“ leider selten. Aber nicht immer! Wenn man Aspekte wie Reisezeit, Kosten, Raumbedarf und last but not least das jeweils geltende Regelwerk für den gewünschten Einsatzzweck gewichtet, gerät das Auto auch schon mal ins Hintertreffen.

Das Auto steht nicht 23 Stunden des Tages herum, sondern immer bereit

Das geschieht umso öfter, je besser der Wettbewerb aufgestellt ist. Allerdings muss sich der Wettbewerb auch heute noch an dem extrem attraktiven Mobilitätsmodell Auto messen lassen. Das Auto hat die Latte nun einmal verdammt hoch gelegt, wenn es um Mobilität geht. Mancher glaubt sogar, zu hoch. Zu hoch für die Alternativen zum Auto, bei denen es immer ein bisschen um Verzicht und Gleichmacherei geht oder die nicht universell für jeden (wie das Auto) passen.

Und genau deswegen brauchen wir das Auto auch in Zukunft, zur Motivation und als Ansporn der anderen Mitspieler. Das Auto kann in Zukunft kleiner, smarter, gerne etwas hübscher und seltener werden, aber trotzdem immer auch dort präsent sein, wo seine Alternativen nicht fahren können oder wollen. Denn auch in Zukunft wird das Auto nicht etwa 23 Stunden des Tages nur herumstehen und dabei öffentlichen Raum belegen, sondern immer bereitstehen! Bereit für den Weg von A nach B.

Andreas Keßler diskutiert heute bei der Veranstaltung „Fahrgemeinschaft“ mit VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel und Philosoph Christian Uhle.

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