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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkte Pro Kaufprämie: Neu denken, nicht abschaffen

Kurt-Christian Scheel, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Verbandes ZDK
Kurt-Christian Scheel, Hauptgeschäftsführer des Kfz-Verbandes ZDK Foto: ZDK

Keine Technologie darf auf Dauer am Tropf des Staates hängen. Aber es war falsch, den Umwelbonus abrupt zu beenden. Spürbare und gezielte Anreize für die Elektromobilität sind noch notwendig – nicht nur beim Kauf der E-Autos.

von Kurt-Christian Scheel

veröffentlicht am 21.12.2023

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Die Bundesregierung hat viele elektrobegeisterte Autokäufer am dritten Advent unter Schock gesetzt. Der überfallartige Förderstopp führt bei vielen, die ihr Traumauto schon gekauft hatten, zu Ärger und Enttäuschung – der Umweltbonus fehlt in der Kalkulation. Nach unseren Schätzungen sind etwa 60.000 Käuferinnen und Käufer betroffen, die ihr gekauftes Auto noch nicht zulassen konnten. Ein massiver Vertrauensverlust. 

Natürlich: Keine Technologie darf auf Dauer am Tropf des Staates hängen. Aber noch sind Elektroautos in der Anschaffung deutlich teurer als Verbrenner. Deswegen war es richtig, mit dem Umweltbonus einen spürbaren Anreiz zu setzen. Und falsch, diesen Anreiz abrupt zu beenden. Jetzt gilt es, neu zu denken. Der Automobilhandel steht bereit, seine Stärke auszuspielen: Kundennähe und Beratungskompetenz. Wir kennen die Kunden und wissen: Intelligente Rahmenbedingungen sind und bleiben zentral. Dabei sind vor allem drei Aspekte zu berücksichtigen. 

Zum ersten: Elektrofahrzeuge sind für viele Menschen noch immer sehr teuer. Hier ist die Industrie gefragt, schnell günstigere Fahrzeuge in den Verkehr zu bringen. Wichtig sind aber auch langfristig stabile und berechenbare Rahmenbedingungen, gerade auch bei den Steuern. Wer über die Kosten eines E-Autos berät, sollte klare Aussagen treffen können. Und es kann nicht Aufgabe des Handels sein, die Auswirkungen des Überfall-Förderstopps aus eigener Tasche auszugleichen. 

Zum zweiten: 56 Prozent der potenziellen Autokäufer können sich nach einer aktuellen Umfrage nicht vorstellen, für ein Elektroauto zu optieren. Die Ladeinfrastruktur ist für die Kunden ein zentrales Thema. Der Automobilhandel tut seinen Teil: In die Beratung für ein Elektroauto investieren die Händler im Schnitt 40 Prozent mehr Zeit, um solche Fragen zu beantworten. Jede Kürzung bei der Ladeinfrastruktur ist daher fatal. 

Und zum dritten: Viele Elektrokunden sind sehr technologieaffin. Sie begeistern sich für ein systemisches Verständnis – zum Elektroauto gehört für diese Kunden auch die PV auf dem Dach und der Speicher in der Garage. Der Automobilhandel kann auch auf diesem Feld beraten und unterstützen. Gezielte Anreize können hier einen Trend setzen. Bidirektionales Laden muss zum Standard werden. Das ist technologisch und regulatorisch noch nicht flächendeckend möglich. Auch dafür brauchen wir Deutschland-Tempo.  

Die Förderung der E-Mobilität muss neu gedacht, nicht abgeschafft werden. Für einen weiteren Markthochlauf, der Deutschland auch nur in die Nähe des Regierungsziels von 15 Millionen rein-batterieelektrischen Fahrzeugen im Jahr 2030 bringen soll, ist eine langfristige, verlässliche und intelligente Förderkulisse mit dem Dreiklang Steuern – Infrastruktur – Innovationen unabdingbar.

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