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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Pro – Konzerne und Käufer brauchen keine Anreize mehr

Oliver Falck, Leiter des Ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien
Oliver Falck, Leiter des Ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien Foto: promo

Die Unsicherheit, ob sich die Elektromobilität durchsetzen wird, ist verschwunden. Die Regulierung verdrängt Benziner und Diesel vom Markt. Kaufprämien sind überflüssig, meint Oliver Falck vom Ifo Institut.

von Oliver Falck

veröffentlicht am 19.08.2022

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Die Bundesregierung hat im Jahr 2016 die Einführung eines Umweltbonus für den Kauf von Elektrofahrzeugen und aufladbaren Hybridautos beschlossen. Damit wollte sie einen nennenswerten Beitrag leisten zur Verringerung der Schadstoffbelastung der Luft. Und gleichzeitig die Nachfrage nach umweltschonenden Elektroautos stärken. 

Zu dieser Zeit war die Kaufprämie wahrscheinlich sinnvoll. Vermutlich waren die umweltbelastenden Auswirkungen von Verbrennungsmotoren noch nicht ausreichend finanziell spürbar für die Fahrerinnen und Fahrer. Und es herrschte große Unsicherheit, ob sich die Elektromobilität durchsetzen werde, was verständlicherweise zu Kaufzurückhaltung führte.

Doch seit 2016 hat sich viel geändert. Im April 2019 wurde eine neue EU-Verordnung zu den CO2-Flottengrenzwerten für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge verabschiedet. Sie legt die Werte fest, die ab 2025 beziehungsweise 2030 greifen. Hersteller können Strafzahlungen vermeiden, indem sie mehr Elektroautos anbieten. 

In einer Modellrechnung zeigt Ferdinand Dudenhöffer, dass der finanzielle Beitrag eines verkauften elektrischen Fahrzeugs für die deutschen Hersteller über die Vermeidung von Strafzahlungen bei mehr als 10.000 Euro liegt. Demnach haben die Hersteller seitdem selbst einen Anreiz, den Verkauf ihrer Elektrofahrzeuge zu bezuschussen. Das muss nicht der Staat machen. 

Zusätzlich kam in wichtigen ausländischen Absatzmärkten die frühzeitige Festlegung auf Zulassungsverbote von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hinzu. So legte etwa Großbritannien im Herbst 2020 das Verbot des Verkaufs von Autos mit Verbrennungsmotoren auf das Jahr 2030 vor. Im gleichen Jahr entschied sich Kalifornien für ein Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2035. Inzwischen zog auch die EU nach. 

Verbrenner werden teurer und weniger attraktiv

Diese Entwicklungen veranlassten Autobauer dazu, nicht weiter in die Entwicklung von neuen Verbrennungsmotoren zu investieren. Sie sehen ihre Zukunft in der Elektromobilität. Die Unsicherheit um die Elektromobilität, wie sie 2016 bestand, gibt es heute nicht mehr. Den künftigen Autokäuferinnen und Autokäufern sollte inzwischen klar sein, dass die Wende zur Elektromobilität rasant kommen wird. Wozu braucht es also noch staatliche Kaufanreize?

Seit Januar 2021 gilt die CO2-Steuer in Deutschland auf Diesel und Benzin als Teil des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung. Sie soll die umweltbelastenden Auswirkungen von Verbrennerautos den Fahrerinnen und Fahrern im Geldbeutel spürbar machen. Damit ist ein weiterer Grund entfallen, Elektroautos durch staatliche Kaufanreize attraktiver zu machen.

Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine können nicht für die Begründung von Kaufprämien für Elektroautos herhalten. Die krisenbedingten Lieferengpässe von Vorprodukten führen dazu, dass die Autobauer die knappen Teile in die Produktion ihrer margenstärksten Fahrzeuge lenken, darunter auch Elektro- und Hybrid-Premiumfahrzeuge. 

Diese verkaufen sie erfolgreich ohne Preisabschläge. Das beschert den Autobauern Rekordumsatzrenditen – allen voran Tesla, Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW. Und die mit dem Krieg in der Ukraine einhergehenden steigenden Benzin- und Dieselpreise werden nicht zuletzt selbst unter den eingeschworensten Fahrerinnen und -Fahrern von Verbrennerautos ein Nachdenken über Alternativen anregen.

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