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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Pro: Mit E-Fuels in Pkw Klimaziele erreichen

Tim Böltken, Geschäftsführer, Gesellschafter und Partner von Ineratec in Karlsruhe
Tim Böltken, Geschäftsführer, Gesellschafter und Partner von Ineratec in Karlsruhe

Besonders in der Markhochlaufphase von E-Fuels spielt die Autoindustrie eine besonders wichtige Rolle: Die Zahlungsbereitschaft pro vermiedener Tonne CO2-Emission ist hier am höchsten, meint Tim Böltken, Geschäftsführer des Unternehmens Ineratec. Er plant, in einer Pionieranlage jährlich bis zu 4,6 Millionen Liter E-Fuels zu produzieren, die ab 2023 an Tankstellen verfügbar sein könnten.

von Tim Böltken

veröffentlicht am 21.04.2021

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Synthetische Kraftstoffe sind ein Schlüssel für klimaneutrale Mobilität und damit zur Erreichung der Pariser Klimaziele. Denn auch im Jahr 2050 werden wir trotz massiver Anstrengung im Bereich Elektromobiliät und direkter Elektrifizierung von Energieimporten abhängig sein. Diese Energieimporte werden heute durch fossile Rohstoffe gedeckt. Dies muss und wird sich in Zukunft ändern. Dann erfolgen die Energieimporte allerdings in Form von flüssigen, aus erneuerbarem Wasserstoff und dem Klimakiller CO2 erzeugten synthetischen Kohlenwasserstoffen. Denn für die Bewältigung der Klimakriese benötigt es einen globalen und technologieoffenen Ansatz

Wir stehen vor der Herausforderung einer gigantischen Bestandsflotte. Selbst im Jahr 2030 werden in der EU noch Millionen Verbrennerfahrzeuge auf den Straßen sein. Diese sollten zum Klimaschutz beitragen dürfen. Auch wenn die batterieelektrische Mobilität bei direktem Stromeinsatz eine höhere Effizienz aufweist, haben klimaneutrale synthetische Kraftstoffe den Charme, dass sie ungeschlagen hohe Energiedichte und eine bereits vorhandene Infrastruktur miteinander verbinden. E-Fuels können global an Standorten mit hoher Sonneneinstrahlung oder hervorragenden Windbedingungen, wo also günstig und mit hoher Auslastung erneuerbarer Strom hergestellt wird, produziert, gespeichert und transportiert werden. 

Fokus auf nur eine Mobilitäts-Nische funktioniert nicht

Um die Luftfahrt klimaneutral zu stellen, ist synthetisches Kerosin die einzige Möglichkeit. Der Fokus auf nur eine Nische der Mobilität funktioniert allerdings schon prozessbedingt nicht: im Power-to-Liquid Prozess entsteht neben der Kerosinfraktion eine Bandbreite an Koppelprodukten. Unter anderem wird klimaneutraler E-Diesel produziert, die Naphtha-Fraktion kann in E-Benzin veredelt werden. Die Wachsfraktion eignet sich hervorragend zur Defossilisierung der chemischen Industrie.

Über einen breiten Einsatz können die im Vergleich zum fossilen Rohstoff noch höheren Produktionskosten von allen Mobilitätsbereichen geschultert werden. Insbesondere in der Markhochlaufphase spielt die Automobilindustrie eine besonders wichtige Rolle, da die Zahlungsbereitschaft pro vermiedener Tonne CO2-Emission aufgrund des regulatorischen Drucks am höchsten ist. So wird Ineratec ab 2022 in einer Pionieranlage in Frankfurt Höchst aus bis zu 10.000 Tonnen biogenem CO2 und erneuerbarem Strom jährlich bis zu 4,6 Millionen Liter E-Fuels produzieren, welche ab 2023 an ersten ausgewählten Tankstellen verfügbar sein könnten.

Aufgrund ihrer Drop-in Fähigkeit können die nachhaltigen E-Fuels herkömmlichen Kraftstoffen graduell zugemischt werden. Durch fest vorgegebene Quoten wird ein Markt geschaffen, sodass Investitionen weniger in fossile Geschäftsfelder, als vielmehr in den Aufbau einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft fließen.

Synthetische Kraftstoffe sind wichtige Bausteine für den Klimaschutz. Denn alles auf Elektrifizierung zu setzen wird die Pariser Klimaziele nicht erreichen. Wir brauchen den Beitrag der Bestandsflotte, um die Treibhausgasemissionen zu senken.

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