Standpunkt Sensordaten machen Lieferketten transparent

Multimodale Supply Chains brauchen die Daten von Sensoren. So werden komplexe Lieferprozesse transparent und steuerbar. Aber ohne eine gemeinsame, weltweite „Sprache“ entsteht kein Vertrauen unter den Partnern, argumentiert Sandra Hohenecker, Senior Manager Identifikation/Datenträger, GS1 Germany GmbH.

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Moderne Sensor-Technologien und digitale Services ermöglichen eine vernetzte, intelligente Supply Chain. Physische Objekte erfassen Umgebungsdaten, kommunizieren miteinander über das Internet und agieren auf Basis von Algorithmen selbstständig. Alles in Echtzeit. Das vereinfacht Lieferprozesse, minimiert Transportzeiten und spart Kosten. Ganz im Sinne der Anwender.

So überrascht es nicht, dass das Internet of Things (IoT) verstärkt Einzug in die multimodale Logistik hält. Damit alles reibungslos vonstattengeht, ist ein permanenter Informationsfluss entlang der Supply Chain notwendig. Zu komplex und atomistisch sind die Transportprozesse, zu viele proprietäre Insellösungen sind in der Vergangenheit entstanden. Auch das Vertrauen unter den beteiligten Partnern litt in mancher Hinsicht.

Deshalb sind global gültige Standards unabdingbar. Sie ermöglichen es, die physische mit der digitalen Welt ganzheitlich zu verbinden. Objekte werden eindeutig und automatisch identifizierbar und mit ihrer virtuellen Repräsentation, ihrem digitalen Zwilling, verknüpft. Immer häufiger ist in diesem Kontext von Wertschöpfungsnetzwerken die Rede: einzelne Lieferketten verschmelzen demnach zu „One Reality“.

Sensoren schaffen Transparenz

Diese Verknüpfung gelingt nur mit der internetbasierten Verfügbarkeit sämtlicher relevanten Informationen. Und zwar am richtigen Ort, in ausreichender Qualität und in Echtzeit. Je mehr standardisierte Ereignisdaten zugrunde liegen, umso feingranularer lassen sich Informationen verarbeiten und auswerten. Um schlussendlich daraus wichtige Rückschlüsse hinsichtlich Transparenz und Effizienz zu ziehen sowie belastbare Prognosen für multimodale Logistikflüsse abzuleiten.

GS1-Standards für Identifikation, Datenträger, elektronische Kommunikation und Prozessgestaltung schaffen die Voraussetzungen für Transparenz entlang agiler Supply Chains. Erst durch die weltweite Eindeutigkeit von Objekten in einer einheitlichen Semantik sowie dem automatischen Erfassen der Objekte über standardisierte Schnittstellen, wird ein einheitlicher Waren- und Informationsaustauch und somit eine effiziente Zusammenarbeit zwischen allen Teilnehmern eines „Value Added Network“ ermöglicht. 

Das kann exemplarisch durch die Verwendung von Cyber-physischen Systemen (CPS) erfolgen. CPS können durch Sensoren ihre Außenwelt wahrnehmen und auf Informationen wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit automatisiert und autonom reagieren. Außerdem lassen sich Informationen gesammelt zur weiteren Verarbeitung an übergeordnete IT-Systeme weitergeben – oftmals unterstützt durch abgerufene GPS-Koordinaten.

Die Vorteile der dadurch in Echtzeit und automatisch übermittelten Informationen liegen auf der Hand: Sämtliche Beteiligte wissen zum Beispiel, wie viele Behälter sich im Lager befinden, ob genügend Behälter bereitstehen oder neue zu bestellen sind und welche Produkte sich auf welchem Ladungsträger befinden. 

Mit den GPS-Koordinaten und hinterlegtem Reverse Geocoding weiß das System sofort, wo sich gerade welcher Behälter befindet, wie lange sich der Behälter im gesamten Umlauf befunden und welcher Kunde wie viele Behälter hat. Gleichzeitig wird hierdurch die Erstellung von Prognosen wie zur voraussichtlichen Ankunftszeit der Ware vereinfacht.

Ohne Standards keine multimodale Logistik

Im vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreuten Forschungsprojekt „Digitale Services zur Gestaltung agiler Supply Chains“ (Sasch) entstand eine solche Lösung für intelligente und vernetzte Lieferketten. 

Die Verbreitung vom Internet of Things in der modularen Logistik schreitet voran – beschleunigt durch günstiger werdende Hardwareprodukte wie Sensoren und Transponder sowie einer verbesserten Konnektivität dank Breitbandnetzen und einem schnelleren, mobilen Internet. Und natürlich durch die Digitalisierung. 

Trends wie Cloud Computing und die Möglichkeit, durch künstliche Intelligenz große Datenmengen zu analysieren, haben maßgeblichen Einfluss auf die Weiterentwicklung von IoT sowie agilen Supply Chains. Die Integration mehrerer Technologien in übergeordneten IoT-Anwendungen erfordert ein hohes Maß an Interoperabilität zwischen den verschiedenen Komponenten – und allen Beteiligten. Ohne Standards drohen multimodale Logistikprozesse langfristig zu scheitern.

Die Autorin spricht heute bei der Online-Konferenz IoT Business Trends 2020: Multimodale Logistik mit IoT zum Thema „Transparenz durch Sensordaten in der multimodalen Supply Chain“.

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