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Verkehr & Smart Mobility

Standpunkt

Warum E-Auto-Batterien gute Speicher sind

Dennis Schulmeyer, CEO der LADE GmbH
Dennis Schulmeyer, CEO der LADE GmbH Foto: promo

Wo können wir den Strom aus erneuerbaren Energien künftig sinnvoll zwischenspeichern? In den Batterien von Elektroautos, meint Dennis Schulmeyer, Gründer und Geschäftsführer des E-Mobility-Startups LADE. Vehicle-to-Grid könne ein wichtiger Baustein zum Erreichen der deutschen Klimaziele sein.

von Dennis Schulmeyer

veröffentlicht am 16.05.2022

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Robert Habeck hat mit seinem EEG-Osterpaket ein wichtiges Zeichen für den Ausbau von Photovoltaik und Wind gesetzt: 2030 sollen in Deutschland Solaranlagen mit einer Leistung von 215 Gigawatt installiert sein. Aktuell stehen wir bei rund 60 Gigawatt. 

Zudem will der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz den Ausbau der Windkraft massiv beschleunigen, durch schnellere Genehmigungsverfahren, mehr artenschutzrechtliche Ausnahmen und weniger strenge Abstandsregeln. Bis 2050 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 80 Prozent und bis 2025 auf dann 100 Prozent steigen. Zum Vergleich: Ende 2021 waren es noch etwas mehr als 40 Prozent. 

Eine Kernfrage der Energiewende hat Robert Habeck bisher allerdings noch nicht beantwortet: Wo soll die ganze Energie aus Erneuerbaren denn zwischengespeichert werden? Experten bringen immer wieder Wasserstoff ins Gespräch. Aus der Sicht von Maximilian Fichtner, Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm für Elektrochemische Energiespeicherung, geht bei der Umwandlung von H2 in Strom und umgekehrt schlichtweg zu viel Energie verloren. H2 ist also  zumindest zum aktuellen Zeitpunkt  zu ineffizient.

Fakt ist allerdings: Wir müssen uns aufgrund der bevorstehenden Klimakrise mit der Energiewende wirklich sputen und können nicht abwarten, bis Wasserstoff irgendwann effizient wird. Einen schnelleren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele könnte „Vehicle-to-Grid“ (V2G) liefern. 

Keine nenneswerten Auswirkungen auf die E-Autos

Vehicle-to-Grid bezeichnet das Zwischenspeichern von Strom in den Batterien von Elektrofahrzeugen, der bei Bedarf wieder ins Netz zurückgeführt wird. Die Nutzung von Elektroauto-Batterien als Speicher kann ein wichtiger Baustein zum Erreichen der deutschen Klimaziele sein, weil er einfach und günstig umgesetzt werden kann und eine enorme Wirkung hat. Und das Beste: Die Speicher sind ohnehin vorhanden und werden immer mehr. 

Denn die Ampelregierung hat in puncto Elektromobilität ehrgeizige Ziele formuliert: Bis 2030 sollen über deutsche Straßen mehr als 15 Millionen E-Autos rollen. Zum Vergleich: Aktuell stehen wir noch bei weit weniger als einer Million elektrifizierter Fahrzeuge, die hierzulande angemeldet sind. Auch wenn es in der Öffentlichkeit immer wieder anderslautende Gerüchte gibt: Die Nutzung der Elektroauto-Batterie als Speicher hat grundsätzlich keine nennenswerten negativen Auswirkungen auf die Performance des Elektroautos sowie auf Leistung und Kapazität der verbauten Batterie. 

Ebenso wird immer sichergestellt sein, dass in der Batterie genug grüner Strom für die Fahrt in den Urlaub oder an die Arbeitsstätte vorhanden ist. Smarte Steuerung und Künstliche Intelligenz werden hierbei eine große Rolle spielen, und das letzte Wort haben selbstverständlich immer die Nutzerinnen und Nutzer. 

AC-Laden wird sich durchsetzen

Der Strom kann generell auf zwei verschiedenen Wegen ins Elektroauto geladen und dann auch wieder ins Netz gespeist werden: über einen DC-Anschluss (Gleichstrom) oder einen AC-Anschluss (Wechselstrom). Beim AC-Laden ist das Ladegerät direkt im Auto verbaut, die dazu passende Ladesäule ist relativ einfach gehalten und benötigt nur wenig Technik. Beim DC-Laden ist das Ladegerät und die gesamte Technik außerhalb des Fahrzeugs zu finden – beispielsweise direkt an den entsprechenden Ladesäulen. Beide Lademöglichkeiten sind derzeit mit Elektroautos der gängigen Hersteller gegeben. Doch welches System ist besser geeignet, um V2G tatsächlich in die Masse zu bringen?

Um das volle Potenzial von Vehicle-to-Grid zu nutzen, müssen die Fahrzeuge, wenn sie nicht gerade unterwegs sind, möglichst immer über V2G-fähige Ladepunkte mit dem Netz verbunden sein. Deshalb brauchen wir am Ende des Tages mehr Ladepunkte als Fahrzeuge – also wird sich aus meiner Sicht mit AC-Laden die günstigere Ladepunkttechnologie auf Dauer durchsetzen. 

Die Politik muss hier in nächster Zeit ein Signal setzen, beispielsweise indem sie die Hersteller verpflichtet, E-Fahrzeuge entsprechend auszurüsten und bidirektionale Onboard-Ladegeräte zu verbauen. Das würde das effiziente Laden und Entladen der Elektroautos für die breite Masse deutlich erleichtern und damit auch die flächendeckende Nutzung von Vehicle-to-Grid ermöglichen.

Großer organisatorischer Aufwand

Die Implementierung von V2G ist insgesamt natürliche eine Herausforderung – aber es ist definitiv möglich. Die entsprechende Regulierung und Standardisierung sowie ein möglichst einfaches Vergütungssystem müssen schnellstmöglich vorangetrieben werden, damit das Potenzial auch wirklich gehoben werden kann. Technologisch ist Vehicle-to-Grid problemlos umsetzbar und die ersten Hersteller haben bereits entsprechende Pilotprojekte ins Leben gerufen.

Organisatorisch ist der Aufwand allerdings noch ziemlich groß. Jetzt sind Politik, Industrie und Wissenschaft gleichermaßen gefragt. Wir haben mit Vehicle-to-Grid eine riesengroße Chance, die wir nutzen sollten. Allerdings müssen wir die Weichen dafür jetzt stellen, wenn wir E-Autos in spätestens fünf bis zehn Jahren auch tatsächlich als Speicher nutzen wollen.

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