Standpunkt Wie in Deutschland das nächste Tesla entstehen kann

Tesla hat vergangene Woche VW an der Börse überholt – ein schwarzer Tag für die deutsche Autoindustrie, meint Johannes Reck, CEO & Co-Gründer von GetYourGuide; er warnt: Das ist erst der Anfang der Disruption. Deshalb müsse die Politik nun ran an die Mitarbeiterbeteiligung.

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Deutsche Unternehmen verlieren im internationalen Vergleich seit Jahren an Bedeutung: Laut einer Auswertung der globalen Unternehmensberatung EY kommen nur noch zwei der 100 teuersten Unternehmen der Welt aus Deutschland: SAP und Siemens. Im Jahr 2007 waren noch sieben deutsche Firmen unter den Top 100.

Das EY Ranking ist erschreckend und zeigt, dass die globale Disruption von Tech-Konzernen aus den USA und China vorangetrieben wird. Wir haben aber auch mutige Unternehmerinnen und Unternehmer hierzulande, die ein vielversprechendes Start-up Ökosystem in Berlin und in ganz Deutschland aufgebaut haben. Zudem haben auch Investoren Deutschland mittlerweile am Radar.

Damit auch hierzulande das nächste Google oder Tesla entstehen kann, müssen wir Top-Talente nach Deutschland holen. Wenn wir es nicht schaffen politische Reformen durchzusetzen um Deutschland für internationale Talente attraktiver zu machen, dann werden die Arbeitsplätze der Zukunft an anderen Orten entstehen.

Kaum eine Chance gegen Tech-Giganten im Wettbewerb um Talente 

Ich sehe der Zukunft unseres Tech-Ökosystems aber zuversichtlich entgegen und bin überzeugt davon, dass Tech-Unternehmen künftig die deutsche Wirtschaft prägen werden. Wir haben in Deutschland mittlerweile viele Beispiele hochinnovativer und erfolgreicher Start-up-Gründerinnen und -Gründer, die mindestens so intelligent und mutig sind wie Elon Musk – doch diese Dynamik läuft Gefahr durch gravierende Standortnachteile verloren zu gehen.

Gerade bei den zwei wichtigsten Faktoren ist Deutschland international nicht mehr wettbewerbsfähig: Kapital und Talent. Dabei könnten hier mit vergleichbar einfachen politischen Reformen enorme Fortschritte gemacht werden. Aktuell haben wir im Kampf um Bewerber gegen Tech-Giganten aber leider kaum eine Chance, weil Deutschland weit abgeschlagen hinter anderen technologieorientierten Märkten liegt, wenn es um Mitarbeiterbeteiligungen geht.

Wir müssen Mitarbeiter zu Teilhabern machen

Um im globalen Wettbewerb um Talente erfolgreich zu rekrutieren, müssen wir nicht nur auf nationaler Ebene mit kapitalkräftigen Konzernen mithalten können, sondern wir konkurrieren zusätzlich noch auf internationaler Ebene mit Unternehmen in etablierten Tech-Ökosystem wie London, Paris und dem Silicon Valley. Speziell im Wettbewerb mit globalen Tech-Hubs liegen wir derzeit weit abgeschlagen, weil wir in Deutschland keine Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen haben.

Die Idee der Mitarbeiterbeteiligung ist simpel: Unternehmer, Investoren und Mitarbeiter gehen gemeinsam ein Risiko ein und teilen den Zugewinn, wenn ein Unternehmen verkauft wird oder an die Börse geht. Während die Investoren ihr Kapital einsetzen, investieren Unternehmer und Mitarbeiter ihre Zeit und nehmen Opportunitätskosten in Kauf.

In den USA hat genau dieser Mechanismus zur Blüte des digitalen Ökosystems entscheidend beigetragen. Die erfolgreichen Mitarbeiter der ersten Generation wurden die Investoren und Gründer der zweiten Generation, so auch Elon Musk. Der Verkauf von Paypal an eBay im Jahr 2002 war der Startschuss für eine Welle von Innovation, die das Entstehen einiger der größten und erfolgreichsten Technologiefirmen der Gegenwart – wie etwa Tesla – zur Folge hatte.

Der Standortnachteil wird mittelfristig nicht auszugleichen sein

In Deutschland sind Mitarbeiterbeteiligungsprogramme kaum zu ermöglichen, da Anteile bereits bei der Ausgabe auf den geldwerten Vorteil versteuert werden. Zusätzlich müssen Mitarbeiter pauschal die Einkommenssteuer bezahlen, während in den USA, England, Frankreich oder Israel auf Aktienoptionen lediglich die Kapitalertragsteuer bezahlt werden muss. Somit bleiben den Mitarbeitern in Berlin oder München im Schnitt weniger als die Hälfte der Erlöse, als wenn das gleiche Unternehmen in London, Paris oder San Francisco sitzen würde. Dieser Standortnachteil wird mittelfristig nicht auszugleichen sein.

Wir können, wollen und dürfen den Status quo nicht akzeptieren. Die Trendwende in der Digitalpolitik ist überfällig, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Wir haben die vielversprechende Chance in Deutschland eines der weltbesten Technologie-Ökosysteme aufzubauen und so die deutsche Wirtschaft anzukurbeln. Wenn wir das schaffen wollen, müssen wir uns dem globalen Wettbewerb um die besten Talente stellen – und das bedeutet, die gleichen Rahmenbedingungen in der Vergütung durch Aktienprogramme zu schaffen.

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