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Smart City & Verwaltung

Standpunkt

Stadtentwicklung: Digitalisierung als Chance

Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg
Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg Foto: Lena Lux Fotografie & Bildjournalismus

Für die Städte und Gemeinden ist Digitalisierung in vielerlei Hinsicht eine Chance, schreibt Nicole Razavi, Vorsitzende der Bauministerkonferenz der Länder. Digitalisierung kann Resilienz gegenüber Krisen erhöhen sowie Planungsprozesse schneller, transparenter und damit bürgernäher machen. Dies ist besonders wichtig, denn eine moderne, am Gemeinwohl orientierte Stadtentwicklung lebt von der Teilnahme und Kreativität der Bürgerinnen und Bürger.

von Nicole Razavi

veröffentlicht am 13.09.2022

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In der Neuen Leipzig Charta, dem Leitdokument für eine zeitgemäße Stadtpolitik in Deutschland und Europa, wird die transformative Kraft der europäischen Stadt beschworen. Dabei spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Sie leistet einen maßgeblichen Beitrag zu den notwendigen Veränderungen und beeinflusst alle Dimensionen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Für die Städte und Gemeinden ist die Digitalisierung in vielerlei Hinsicht eine Chance.

Sie kann dabei helfen, die Resilienz der Städte und Gemeinden gegenüber Krisen zu erhöhen, mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umzugehen und die öffentlichen Räume dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie Aufenthaltsqualität, aber auch Schutz vor den Veränderungen bieten, die der Klimawandel verursacht. Die Ziele für eine nachhaltige Stadt- und Ortsentwicklung sind definiert. Nun gilt es, die digitale Transformation der Kommunen im Sinne der „Smart City Charta“ des Bundes zu unterstützen.

Der digitale Stadtzwilling

In den Smart Cities der Zukunft werden über Sensoren automatisch Daten erhoben. Damit sind schnelle Analysen, umfassende Prognosen sowie zielgerichtete Planungen von Infrastrukturmaßnahmen, Energieversorgungssystemen, Verkehrsflüssen und Mobilitätsangeboten möglich. Damit dies alles in Echtzeit passieren kann, werden die erhobenen Daten mit einem digitalen Stadtzwilling vernetzt. Dadurch können wir unsere Städte und Gemeinden in die Lage versetzen, Entwicklungsprozesse effizienter und auch nachhaltiger zu gestalten, um damit einen großen Schritt in Richtung CO2-Neutralität zu machen.

Damit digitale Zwillingsstädte funktionieren, ist es notwendig, die einzelnen Komponenten steuerbar zu machen. Intelligente Netze kommunizieren untereinander und ermöglichen so nicht nur die Datenerhebung, sondern auch die Steuerung in Echtzeit. So können beispielsweise sogenannte Smart Grids die Energieversorgung in Quartieren zwischen Produzent und Konsument zielgerichtet steuern und damit die verfügbare Energie effizienter nutzbar machen.

Mit den digitalen Zwillingen lassen sich zudem wichtige Fragen der nachhaltigen Stadtentwicklung frühzeitig beantworten: Welche Stadtteile sind besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels? Wo entstehen Hitzeinseln oder Überschwemmungen in Folge von Starkregen? Und wie wirken sich bestimmte Anpassungsmaßnahmen auf diese Bereiche aus?

Planung effizienter und bürgernäher machen

Im Mobilitätsbereich können in Echtzeit Daten zum Nutzungsverhalten erhoben werden, aus denen sich zum Beispiel ableiten lässt, ob eine zusätzliche Busverbindung den Umstieg vom Auto auf den ÖPNV attraktiv macht. Die Digitalisierung erleichtert so eine moderne, regional ausgerichtete Mobilitätspolitik.

Planungsprozesse werden immer komplexer, die Anforderungen an zu berücksichtigende Interessen und Belange immer höher. Dadurch steigt insbesondere die Verfahrensdauer und die Fehleranfälligkeit. Gleichzeitig werden Beteiligungshemmnisse größer. Die Digitalisierung bietet uns nun die Chance, Entscheidungen und Prozesse transparent zu machen und damit die Teilhabe und die Mitgestaltung durch die Bürgerinnen und Bürger zu fördern. So können etwa der digitale Zugang zu Planungsunterlagen, Beteiligungsveranstaltungen sowie Planungsinformationen erleichtert und Planungsentscheidungen mittels Visualisierung von Daten transparenter gemacht werden.

Kompetenzen in den Kommunen schaffen

Die meisten der beschriebenen Handlungsansätze werden auf der kommunalen Ebene verhandelt. Die Kommunen benötigen dazu entsprechende Kompetenzen und Kapazitäten, um die digitale Transformation im Sinne einer nachhaltigen, gemeinwohlorientierten Stadt- und Ortsentwicklung zu befördern. Es ist vor diesem Hintergrund empfehlenswert, dass die Kommunen jeweils eine kommunale Smart-City-Strategie erarbeiten und diese in ihre Stadt- und Ortsentwicklungskonzepte integrieren.

Die Stadt Freiburg erarbeitet beispielsweise aktuell eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie. Dazu gehört auch eine zentrale digitale Daten- und Austauschplattform – unter anderem für Daten zu Umwelt, Klima, Wohnen, Gewerbe, Natur und Landschaft. Ziel dieser Maßnahme ist insbesondere eine Steigerung der Prozessqualität in der Stadtplanung. Dies ist ein vielversprechender Weg.

Unterstützung durch das Land

Die Landesregierung Baden-Württembergs unterstützt daher auch weiterhin die Entwicklung in den Städten und Gemeinden hin zu nachhaltigen, digitalen, partizipativen und smarten Dörfern, Städten und Regionen. Projekte und Initiativen für Smart Cities und Smart Regions wie auch zur Erstellung digitaler Zwillinge werden in Baden-Württemberg gefördert und untereinander vernetzt. Bund und Länder haben sich also bereits auf den Weg gemacht, aber es ist noch viel zu tun.

Nicole Razavi ist Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg und Vorsitzende der Bauministerkonferenz der Länder. Seit 2006 ist sie Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis 11 in Geislingen. Bis zu ihrer Ernennung als Ministerin im Mai 2021 war sie in der CDU-Landtagsfraktion unter anderem Sprecherin für Verkehr und Infrastruktur, Parlamentarische Geschäftsführerin sowie stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

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