Erweiterte Suche

Smart City & Verwaltung

Wir brauchen die Talente

Sabine Meigel, Sabine Meigel, Leiterin Digitale Agenda, über den Alltag in Ulm.
Sabine Meigel, Leiterin Digitale Agenda, über den Alltag in Ulm. Foto: Carola Gietzen Fotodesign

von Sabine Meigel

veröffentlicht am 01.02.2022

aktualisiert am 25.04.2022

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen

„Lass Zukunft da“: Wohl bei den wenigsten Lesern wird das Motto des bundesweiten Talentewettbewerbs „Jugend forscht“ aus dem vergangenen Jahr Assoziationen zur Smart City hervorrufen. Und doch reichten Jugendliche viele Ideen aus diesem Themenfeld ein. Es ging zum Beispiel um lebenswerte Städte, um die Temperaturentwicklung oder Digitalisierung und Stadtplanung. Diese Einreichungen kenne ich als langjährige Jurorin im Bereich Geo- und Raumwissenschaft bei den regionalen Vorausscheidungen des Wettbewerbs.

Über die Jahre stelle ich fest, dass die Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung im regionalen Wettbewerb immer stärkeren Raum einnehmen. Bundesweit machen Beiträge aus dem Bereich Geo- und Raumwissenschaften von allen sieben Themenbereichen am Ende allerdings nur 5,4 Prozent aus. Schade eigentlich, dass diese zukunftsweisenden und wichtigen Themen wohl insgesamt im Bildungsbereich der Schulen noch nicht so angekommen zu sein scheinen. Dabei gehören nicht nur wissenschaftliche Disziplinen wie Geographie, Astronomie und Geologie, sondern auch Disziplinen wie Geoinformatik, Raumforschung und Regionalentwicklung zu diesem Fachgebiet. 

Wir müssen die Jugend und andere Gruppen einbinden

Jörn von Lucke betont im Interview mit Tagesspiegel Background, dass Smart Cities Experimentierräume brauchen – auch für die Zivilgesellschaft. Für mich ist „Jugend forscht“ ein solcher Experimentierraum. Bei diesem im Jahr 1965 von Henri Nannen ins Leben gerufenen Wettbewerb waren im vergangenen Jahr trotz Pandemie fast 9000 junge Menschen in verschiedenen Regionen beteiligt.

Ich teile Jörn von Luckes Ansicht, dass unglaublich viel Wissen bei der Bürgerschaft liegt, bei Jung und Alt und wir für die digitale Stadtentwicklung endlich eine breite Öffentlichkeit brauchen. Ich unterstütze seine Forderung, dass wir bereits die Kinder in der Schule für die urbanen Gestaltungsaufgaben begeistern müssen. Genau darin liegt auch die Chance des Themenbereich Geo- und Raumwissenschaften in der Zukunft. Wir sollten zum einen die Verantwortlichen für den Themenbereich in den Schulen ermuntern, sich zu öffnen und zum anderen in den Städten bei unseren Zukunftsaufgaben und der Beteiligung viel stärker etablierte Formate mit in unsere Überlegungen einbeziehen. Dann gilt es auch, über Fokusgruppen die Jungforscher in unsere Beteiligungsformate einzubinden, damit sie mit uns über unsere Stadt der Zukunft zu diskutieren. 

Der Wettbewerb als Innovationsaustausch

Bei uns wird der Regionalwettbewerb von „Jugend Forscht“ seit fast 20 Jahren von der Innovationsregion Ulm als Patin ausgerichtet. Die Veranstaltung fördert den Austausch des Innovationsökosystems mit Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Kommunen. Gut 40 ehrenamtliche Juroren und Jurorinnen aus diesen Bereichen bilden jedes Jahr aufs Neue einen wichtigen Teil der regionalen „Jugend forscht“-Familie – dort findet ein Austausch über die Themengebiete hinweg statt, dem auch die virtuelle Ausrichtung in der Pandemie nichts anhaben kann. 

Zusammen mit fünf weiteren weiblichen Role Models ist es neben der Jurytätigkeit meine Aufgabe in diesen Tagen des Regionalwettbewerbs als Vorbild für die Herausforderungen und Chancen in Mint-Fächer zu werben. Dabei ist erfreulicherweise der Anteil der Teilnehmerinnen von 8 Prozent im Jahr 1965 auf mittlerweile immerhin fast 40 Prozent im Jahr 2021 gestiegen. 

Was hat das nun alles mit der Smart City zu tun, wie zu Beginn erwähnt? Ganz einfach: Talentförderung und Förderung des Frauenanteils in Mint-Fächern sind in Zeiten des Fachkräftemangels ein wichtiger Bestandteil unserer städtischen Bemühungen. Uns dürfen keine Talente verloren gehen, wir müssen Jugendliche für das Thema der Stadt der Zukunft begeistern, sie einbinden und ihnen Möglichkeiten geben etwas zu bewegen. 

So bieten wir bei uns in der Abteilung Digitale Agenda im Bereich Verschwörhaus auch einen Platz für ein „Freiwilliges Digitales Jahr“ an. Freiwillige können so zwölf Monate lang an digitalen Themen arbeiten. Vergangenes Jahr bestand etwa eine der Aufgaben der Stelle darin, den Livestream der virtuellen Preisverleihung des „Jugend forscht“-Regionalwettbewerbs in den städtischen Räumen zu betreuen. 

Das ist ein schöner Anfang. Vielleicht bewerben sich ja bald regelmäßig Jugendliche auf die Freiwilligenstelle. Vielleicht engagieren sie sich zuvor bei „Jugend forscht“ noch im Bereich Geo- und Raumwissenschaften. Und vielleicht wollen viele von diesen Talenten später bei uns in der Stadtverwaltung bleiben. Es ist ein weiter Weg – arbeiten wir in den Schulen und unseren Verwaltungen daran.

Sabine Meigel leitet die Digitale Agenda der Stadt Ulm. In dieser Rolle verantwortet sie unter anderem die Vorhaben Zukunftsstadt 2030 und Zukunftskommune@bw und koordiniert Smart-City-Projekte im Rahmen des Förderprogramms des Bundesinnenministeriums. Außerdem vertritt sie die Stadt Ulm im Netzwerk der 100 intelligenten Städte Europas (ICC Network).

Bisher in dieser Rubrik von ihr erschienen: „Der Programmierer aus New York“„Unser Kirchturm reist nach Dubai“ und „Wie kommt Innovation zur Bürgerschaft“

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? Hier einloggen