Saudi-Arabien: Vom Öl zu Sonne und Wind

Die vielen arbeitslosen jungen Menschen im Land sind ein Treiber für den Umbau der Energieversorgung in Saudi-Arabien. Jedoch hemmen fehlende regulatorische Rahmenbedingungen den Ausbau der erneuerbaren Energien, schreibt die Außenhandelskammer Saudi-Arabien in einer Analyse.

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„Es mangelt nach wie vor an einem geeigneten regulatorischen Rahmen, der Fragen wie den Netzzugang, standardisierte technische Vorgaben für den Betrieb und die Vertragsgestaltungsverfahren klärt“ heißt es in der Analyse, die die Außenhandelskammer Saudi-Arabien (AHK) für die Bundesregierung verfasst hat. Auch die Frage, wem das Land für größere Solarprojekte gehören darf, hätte sich in der Praxis als schwierig erwiesen.


„Mit der Saudi Vision 2030 ist ein zukunftsweisendes Konzept entworfen worden. Ob die Maßnahmen die Gesellschaft letztlich transformieren, bleibt abzuwarten“, schreibt die AHK weiter. Intransparente Strukturen der Zuständigkeiten zwischen der King Abdullah City for Atomic & Renewable Energy (K.A.CARE, eine Regierungsbehörde) sowie der Saudi Electricity Company und dem Ölkonzern Saudi Aramco hätten jedenfalls zu hohen Bürokratiekosten geführt. „In der Folge wurden verabschiedete Politikprogramme gar nicht oder nur unvollständig ausgeführt.“


White Paper blieb erst einmal folgenlos


So hatte das K.A.CARE 2013 in einem White Paper angekündigt, bis zum Jahr 2032 rund 54 Gigawatt erneuerbare Energien, vornehmlich Konzentrierte Solarthermische Energie und Photovoltaik, aber auch Wind- und Geothermieanlagen zu bauen. Die ersten Ausschreibungen starteten aber erst 2017.


Ungünstige Rahmenbedingungen für Photovoltaik bestehen laut AHK wegen der enormen staatlichen Subventionen für Strom. Trotz Preiserhöhungen seien die Anreize für ein Umdenken in der Bevölkerung weiterhin zu gering. „In den Augen der Saudis ist die Versorgung mit sehr günstiger Energie eine Art Grundrecht“, urteilt die AHK.


Häuser haben geringere Lebensdauer als eine PV-Anlage


Aus kulturellen Gründen werde die langfristige Amortisation von Investitionsprojekten nur selten beachtet. Oft würde der preisgünstige Wettbewerber den Zuschlag erhalten. Eine mögliche Erklärung liege in der jahrzehntelangen Dynamik des gesellschaftlichen Wandels und der minderen Qualität der Bausubstanz.


„Allein die Lebensdauer eines Solarmoduls von etwa 30 Jahren übersteigt in der Regel die Lebensdauer eines Hauses; selten hält ein Eigentümer eine Immobile für eine so lange Zeit“, berichtet die AHK. Hinzu komme, dass wegen der weit verbreiteten Klimaanlagen auf den Dächern nicht immer Platz für eine Solaranlage sei.


Saudisierung als Lösung für die Jugend


„Saudi-Arabien hat große sozio-ökonomische und strukturelle Probleme“, urteilt Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. 90 Prozent der Staatseinnahmen kämen aus dem Öl. Gleichzeitig gebe es 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit. Mit dem Verfall des Ölpreises funktioniere die Strategie nicht mehr, die neu auf den Arbeitsmarkt drängenden Bürger im Staatsdienst zu absorbieren. „Das kann man nicht mehr mit der Ölrente abfedern“, sagt Sons.


Saudi-Arabien will also nicht nur wegen des Ölpreisverfalls diversifizieren, sondern auch, um Jobs zu schaffen. Die entsprechende Strategie läuft unter dem Stichwort „Saudisierung“. Dies biete für deutsche Unternehmen eine gute Gelegenheit, im Land Fuß zu fassen, sagt der Experte. Allerdings besteht laut Sons die Tendenz, dass die Saudis eher Großprojekte beauftragen, die klein- und mittelständische Unternehmen nicht stemmen könnten.


Der neue König versuche aber, die Regeln für den Marktzutritt zu liberalisieren und zu vereinfachen. „Ausländische Unternehmen brauchen jetzt nicht mehr zwingend einen saudischen Partner“, berichtet Sons.


Ausschreibungen auf dem Portal MEED


Unternehmen, die sich an Ausschreibungen beteiligen wollen, finden Informationen dazu auf dem bezahlpflichtigen Portal MEED. In einer ersten Ausschreibungsrunde waren drei Tranchen geplant. Die erste umfasste 400 Megawatt Wind und 300 Megawatt Photovoltaik. Rechtlichen Rat dafür kann man sich laut MEED bei der Kanzlei DLA Piper holen. Mit der Beratung für die technische Umsetzung ist die deutsche Fichtner-Gruppe beauftragt.

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