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Sustainable Finance

Standpunkt

Auf dem Weg zu grünen Kryptowährungen

Dr. Christian Conreder (Foto) und Magdalena Okonska von Rödl & Partner
Dr. Christian Conreder (Foto) und Magdalena Okonska von Rödl & Partner Foto: Rödl & Partner

Christian Conreder, Partner und Leiter des Bereichs Kapitalanlagerecht bei Rödl & Partner in Hamburg, und Magdalena Okonska, Rechtsanwältin in dem Bereich, erläutern Bestrebungen, Kryptowährungen klimafreundlicher zu machen.

von Christian Conreder und Magdalena Okonska

veröffentlicht am 13.01.2022

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Kryptowährungen und Klimaschutz gehören in den letzten Jahren zu den großen Themen in der Finanzwelt. Die Popularität von Bitcoin & Co. wächst von Jahr zu Jahr. Daraus resultiert allerdings auch ein immer weiter steigender Stromverbrauch, der mit dem Mining von Krypto-Coins verbunden ist. Das Schürfen von Kryptowährungen, insbesondere des Bitcoins, wird daher von deren Gegnern als klimaschädlich kritisiert. Die umweltfreundlichere Ausgestaltung alter und neuer Kryptowährungen stellt daher eine essenzielle Herausforderung der jungen Entwickler dar. Ist die Entwicklung grüner Kryptowährungen überhaupt möglich?

Warum Kryptowährungen schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben

Die Klimaschädlichkeit von Kryptowährungen wird grundsätzlich in dem in Verbindung mit dem sogenannten Mining stehenden enormen Stromverbrauch gesehen. Zahlreiche Studien, wie das Bitcoin network power demand von Cambridge Centre for Alternative Finance, zeigen, dass die zum Mining von Bitcoins eingesetzten Rechner hochgerechnet auf ein Jahr so viel Energie wie ganze Nationen, wie beispielsweise die Niederlande, verbrauchen. Zwischen den Jahren 2015 und 2021 ist der zum Mining von Bitcoin benötigte Energieverbrauch um das fast 62-fache gestiegen. Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass mit dem Anstieg des Kurses von Bitcoin die Miner ihre Rechenleistungen ständig erhöhen mussten, um mit anderen Teilnehmern konkurrieren zu können.

Zudem hat sich die Kryptowährungspolitik einiger Länder zuletzt ebenfalls geändert. Bis 2021 galt China als weltweiter Marktführer des Bitcoin-Minings. Nach Angaben des Cambridge Centre for Alternative Finance waren dort zu Spitzenzeiten fast drei Viertel aller Bitcoin-Miner tätig. Vor Kurzem hat China jedoch das Mining aus Sorge über die finanziellen Risiken der Kryptowährung und den enormen Energieverbrauch gesetzlich stark eingeschränkt. Aufgrund dieser neuen Krypto-Vorschriften wurden viele ältere und ineffiziente Geräte dauerhaft vom Netz genommen. Dies führte auch dazu, dass sich die Geografie des Minings in den letzten sechs Monaten drastisch verändert hat. Eine solche erhebliche Änderung könnte möglicherweise die CO2-Bilanz beim Mining von Bitcoin & Co. verbessern, da die Miner jetzt zu günstigeren Energiequellen, die in den meisten Fällen erneuerbar sind, migrieren.

Wie Europa versucht, den Einfluss von Kryptomining auf die Umwelt zu reduzieren

Die Stromintensivität des Schürfens von Kryptowährungen ist der Europäischen Kommission durchaus bewusst. Die Kommission prüft derzeit unterschiedliche Messmethoden, um der schlechten Energie- und Umweltbilanz von Kryptowährungen zu begegnen. Um die umweltfreundlichen Technologien weiter zu fördern, hat die Europäische Union die Beobachtungsstelle und Forum der Europäischen Union für die Blockchain-Technologie (EUBOF) mit der Erstellung eines Berichts zum Energieverbrauch verschiedener Blockchain-Technologien beauftragt. Darüber hinaus wird auch die Generierung einer eigenen digitalen Währung, der E-Euro, in Erwägung gezogen. Nach dem Bericht der Europäischen Zentralbank sollte die Gestaltung des digitalen Euro auf Technologielösungen beruhen, die den ökologischen Fußabdruck minimieren und den des derzeitigen Zahlungsökosystems verkleinern.

Wie sich die Generierung von Kryptowährungen klimafreundlich gestalten lässt

Eine klimafreundlichere Ausgestaltung der Erzeugung von Kryptowährungen ist bereits möglich. Das zeigt insbesondere das Beispiel von Ethereum 2.0. Hier wird der bisher meist verbreitete Konsensmechanismus Proof of Work (der sogenannte Arbeitsnachweis) durch ein alternatives Validierungssystem namens Proof of Stake (Anteilsnachweis) abgelöst. Damit können Ethereum sowie auch andere Kryptowährungen den zum Mining benötigten Energieverbrauch senken. Beim Validierungssystem Proof of Stake wird im Vergleich zum bisher benutzten Proof of Work keine stromverbrauchintensive Rechenleistung benötigt.

Dies liegt vor allem daran, dass hier keine komplexen kryptographischen Aufgaben gelöst werden müssen. Das Proof of Stake funktioniert, vereinfacht gesagt, wie eine Lotterie. Um die digitale Münze, den Coin, zu erhalten und als Teilnehmer berücksichtigt zu werden, muss ein potenzieller Validierer seine eigenen Ethereum-Coins (ETH) in das System einsetzen. Je mehr Coins eingesetzt wurden, desto größer sind die Chancen, vom System zufällig als Validierer ausgewählt zu werden. Nachdem ein neuer Block vom System akzeptiert wird, wird der Validierer mit neuen Coins belohnt, die von ihm zuvor eingesetzten ETH kann er behalten.

Eine weitere Möglichkeit für die Verbesserung der bisher mit dem Schürfen von Kryptowährungen verbundenen schlechten Ökobilanz ist die Verwendung von erneuerbaren Energien. Hier sind insbesondere Kollokationen von Kryptowährung-Mining-Betrieben mit Kernkraft-, Wasserkraft-, Wind- und Solaranlagen denkbar, da sie dazu beitragen können, dass die mit dem Mining verbundenen Kohlenstoffemissionen reduziert werden. Eine solche Zusammenlegung der Betriebe würde auch einen finanziellen Anreiz für die Kraftwerke bieten, da sie ihren Strom an die Miner verkaufen könnten, anstatt ihn in Zeiten niedriger Nachfrage und niedriger Preise ins Netz einzuspeisen.

Worauf Anleger achten sollten, wenn sie in Kryptowährungen investieren

Anleger, die Wert auf Klimaschutz legen, sollten insbesondere darauf achten, welchen Konsensmechanismus die von ihnen ausgewählte Kryptowährung verwendet. Auch die Entwickler neuer Kryptowährungen befassen sich größtenteils mit den Umweltaspekten, um eine breitere Akzeptanz auf dem Markt zu finden. Neue Kryptowährungen werden oft von jungen und nachhaltig denkenden Programmierern entwickelt, so dass bereits in der Entwicklungsphase die Umweltverträglichkeit der Währung nicht außer Acht gelassen wird. Weiterhin bleibt abzuwarten, ob die derzeitige Regulierung zur Nachhaltigkeit im Finanzbereich künftig auch auf Kryptowährungen ausgedehnt wird, um hier für den Verbraucher eine höhere Transparenz zu schaffen.

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