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Sustainable Finance

Standpunkt

Auseinandersetzung mit Komplexität nötig

Dieter Aigner, Geschäftsführer des österreichischen Vermögensverwalters Raiffeisen KAG
Dieter Aigner, Geschäftsführer des österreichischen Vermögensverwalters Raiffeisen KAG Foto: Raiffeisen KAG/Pia Morpurgo

Nachhaltige Investoren sollten sich deutlich von selbsternannten Friedensstiftern abgrenzen und sich dafür auch mit schwierigen Fragestellungen eingehend befassen, meint Dieter Aigner, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft, die zu der größten Bankengruppe Österreichs gehört.

von Dieter Aigner

veröffentlicht am 18.08.2022

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Der Krieg in der Ukraine hat uns die Fra­gilität des Friedens überdeutlich vor Augen geführt. Er zwingt uns auch dazu, darüber nachzudenken, welche Strukturen wir als Gesellschaften vorantreiben müssen, um Frieden zu schaffen oder diesen zumindest aufrechtzuerhalten. Militärisch gut ausgestat­tete Verteidigungssysteme scheinen ange­sichts der Angriffslust eines nicht einschätz­baren Gegners ein Gebot der Stunde.

Doch darüber hinaus braucht es auch starke Institutionen, eine unabhängige Justiz, politi­sche Bündnisse und wirtschaftliche Zusam­menarbeit auf Augenhöhe – eben starke demokratische Strukturen. All das schafft das Fundament, auf dem sich Frieden und Gerechtigkeit aufbauen lassen.

Frieden braucht unabhängige Justiz und Kooperation auf Augenhöhe

Die Vereinten Nationen haben dazu das Ziel 16 für eine nachhaltige Entwicklung „Frieden, Gerech­tigkeit und starke Institutionen“ formuliert. Das vormals etwas abstrakte Ziel ist zuletzt merklich in den Vordergrund gerückt und es wird lebhaft darüber diskutiert, ob und wie es zu erreichen sei.

In diesen Diskussionen bringt sich auch die Rüstungsindustrie als Friedensstifter in Stel­lung. Die Waffenlobby wittert Morgenluft und setzt alle Hebel in Bewegung, um das Image der Branche zu verbessern und sich als „nach­haltig“ zu positionieren. Das geht so weit, dass sich die Rüstungsindustrie nun sogar in die in Ausarbeitung befindliche „Social Taxonomy“ der EU hineinzureklamieren versucht.

Imagekampagnen argumentativ begegnen

All das zeigt einmal mehr, wie wichtig es für nachhaltige Investoren ist, sich klar abzu­grenzen. Und um diese Abgrenzungen argu­mentativ möglichst gut absichern zu können, ist eine intensive Beschäftigung mit komple­xen, auch wertebasierten Fragestellungen notwendig.

Das betrifft die hier diskutierten Themen Frieden und Gerechtigkeit, aber auch ganz viele andere Bereiche: Ich denke da an die Energiewende, an die Ernährungs­krise, an Rohstoffknappheit, und das sind nur sehr wenige Beispiele dafür. Für uns zeigt sich immer deutlicher, dass ein zentraler Kern von nachhaltigem Investment die tiefe Auseinandersetzung mit derartigen Themen ist, um dann Antworten auf komplexe Fra­gestellungen zu erhalten.

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