Umbau von unten

Frankreich strukturiert seine Energieversorgung um. Der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch soll bis 2020 auf 23 Prozent steigen. Noch aber ist der staatliche Energiekonzern EDF der Platzhirsch.

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Das Gesetz zur sozialen und solidarischen Wirtschaft gibt einen neuen Rechtsrahmen für sozial agierende Unternehmen wie Kooperativen. Damit soll ihnen der Zugang zu Finanzierungen erleichtert werden.


Traditionelle Banken tun sich aber oft noch schwer, Grünstromprojekte zu finanzieren. Diese Erfahrung hat Josef Pesch von der Freiburger Solar GmbH beim Projekt Zusamme Solar Colmar gemacht. Für die Finanzierung einer Aufdachanlage mit einer Leistung von 400 Kilowatt und einem Investitionsvolumen von 800.000 Euro fand sich zunächst keine Bank. „Lokale Banken können ab einem gewissen Volumen nicht selbst entscheiden. Das geht dann nach Paris und ein normaler Banker kann mit erneuerbaren Energien nichts anfangen“, sagt Josef Pesch.


Schließlich fanden die Projektpartner aus Freiburg und dem Elsass mit der genossenschaftlichen Bank La Nef eine Partnerin. Solche Banken gibt es aber noch nicht viele „Es sind aber zarte Pflänzchen“, sagt Pesch.


Crowdfunding-Verordnung


Auch deshalb ist die Finanzierung über Crowdfunding für Grünstromprojekte in den vergangenen Jahren sehr wichtig geworden. Von 2009 bis 2015 wurden in Frankreich 300 Vorhaben mit einem Volumen von 165 Millionen Euro über Crowdfunding finanziert. „Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Bürgerenergiegenossenschaften sehr wichtig sind, spielt Crowdfunding in Frankreich die größere Rolle“, sagt die Fachjournalistin Claire Stam. Das liege auch an der neuen Crowdfunding-Verordnung, die einen guten Rechtsrahmen dafür gegeben habe.


Darüber hinaus existieren in Frankreich noch weitere Finanzierungsformen: Investitionsclubs (Clubs d’Investisseurs pour une Gestion Alternative et Locale de l’Èpargne Solidaire  – Cigale – und Clubs d’Investissement dans les Ènergies Renouvelables Citoyennes  – CIERC) sowie ein Anleihenmodell (Offres au Public de Titres Financiers  – OPTF).


Gesetz zur energetischen Transformation


Das Gesetz will die energetische Gebäudesanierung beschleunigen, schadstoffarme Verkehrsmittel unterstützen, die Kreislaufwirtschaft fördern und den Müll reduzieren, die erneuerbaren Energien ausbauen und die Vorschriften für ihre Förderung vereinfachen. Demnach ist es nun erlaubt, Strom selbst zu erzeugen und selbst zu nutzen. Vorher mussten sich Prosumer für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden, berichtet Josef Pesch von der Solar GmbH.


Wechsel des Stromanbieters ist noch ein Sakrileg


Die zentralistischen Strukturen Frankreichs bilden sich aber auch im Energiesektor ab: „Noch ist der staatliche Energiekonzern EDF der Platzhirsch und eng verflochten mit den Genehmigungsbehörden und den Präfekturen“, sagt Josef Pesch. Das Unternehmen sei immer noch der überwältigende Monopolist. Auch wenn es inzwischen möglich ist, sei der Wechsel des Stromanbieters – es gibt eine Handvoll Stadtwerke als Alternative – „selbst in der Ökoszene ein Sakrileg“, sagt Pesch.


Grundsätzlich biete Frankreich aber für Investoren sehr gute Chancen und sei ein sehr wichtiger Markt, allein schon wegen der starken Solareinstrahlung und der vielen windreichen Standorte. „Enercon ist in Frankreich groß unterwegs und beim Projektmanagement gibt es einen Riesenbedarf.“ Nur bei der Photovoltaik habe sich Deutschland „selbst in den Boden gerammt“. Man brauche eben einen starken Heimatmarkt, um im Export stark zu sein, sagt Pesch.


Um in Frankreich erfolgreich Geschäfte zu machen, rät er dazu, die deutsche Zielstrebigkeit aufzugeben und zunächst erst einmal über alles Mögliche zu sprechen, gern auch bei einem guten Essen.

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