Wie sicher ist das Atomkraftwerk Gundremmingen?

Die Grünen haben zwei Gutachten vorgelegt, die Zweifel an der Notfallbeherrschung in dem bayerischen Atomkraftwerk aufkommen lassen.

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? hier einloggen

Im August 2016 haben die Grünen Manfred Mertins beauftragt, ein Sicherheitsgutachten des Bundesumweltministeriums (BMUB) zu den beiden Kraftwerksblöcken B und C in Gundremmingen auf seine Plausibilität zu überprüfen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob ein in den 1990er Jahren eingebautes „Zusätzliches Nachwärmeabfuhrsystem“ (Zuna), das „hypothetische Notfälle“ beherrschen helfen soll, als vollständiges Not-System zu bewerten ist. In dem Gutachten für das BMUB wird der Versuch gemacht, nachzuweisen, dass Zuna als viertes Notfallsicherheitssystem zu bewerten wäre. Allerdings wird im Gutachten mehrfach auf Wissenslücken hingewiesen.


Das Problem mit Zuna: Es kann nicht ein den Sicherheitsanforderungen entsprechendes Notkühlsystem ersetzen. Da das Akw Gundremmingen nur zwei Notfall-Sicherheitssysteme hat, die auch erdbebensicher sind, ist das eines zu wenig. Für die Grünen ist es deshalb ganz klar, was jetzt passieren muss: „Das Akw muss unverzüglich stillgelegt werden.“ Das fordert auch die Anti-Akw-Bewegung. Die Atomaufsicht in Bayern und die Bundes-Atomaufsicht sind jedoch nicht überzeugt.


Ob die Atomaufsichtsbehörden sich von der Argumentation der Gutachter Mertins und Hahn überzeugen lassen, ist offen. Beide sind sich aber einig, dass für die Bewertung des Systems Zuna als vollwertiges Notfallsystem die „Nachweise“ fehlen, und die Basis für diese Einstufung auf „Vermutungen und  fehlenden Kenntnissen“ fußt. Sie sei nicht überprüfbar und damit auch nicht belastbar. Im BMUB-Gutachten würden „nicht bestimmte Begriffe“ verwendet, und vor allem fehlten die Bewertungsmaßstäbe.


Das Atomkraftwerk Gundremmingen liegt am Donau-Kilometer 2551 im Landkreis Günzburg, nicht weit von Ulm entfernt. Es ist 1974 beantragt worden. Die beiden Kraftwerksblöcke B und C sind im Mai und November 1984 ans Netz gegangen. Sie haben eine Leistung von 2572 Megawatt. Die Beiden Meiler gehören zu 75 Prozent RWE und zu 25 Prozent Preussen-Electra, dem Nachfolge-Unternehmen von Eon.


Das Gebiet ist auf den Risikokarten des Geoforschungszentrums Potsdam in die Kategorie eins eingestuft. Im Jahr 1982 vermerkt die Erdbebenkarte Bayern ein Erdbeben mit einer Stärke von 3,8. Das Risiko für die Sicherheit der beiden Siedewasserreaktoren ergibt sich daraus, dass nur ein Teil der Notfallsysteme auf Erdbeben ausgelegt ist. Im Falle eines Erdbebens könnten sie teilweise ausfallen. Auch dann müssen genügend redundante Sicherheitssysteme funktionsfähig sein, um Notfälle sicher managen zu können. Aus der Reaktorkatastrophe in Fukushima, die sich in wenigen Tagen zum sechsten Mal jährt, haben die Aufsichtsbehörden und die Akw-Betreiber vor allem gelernt, dass die Notstromversorgung jederzeit gesichert sein muss. Ist sie im Erdbebengebiet nicht auf solche ausgelegt, ist das ein Sicherheitsrisiko. Genau das ist in Gundremmingen der Fall.

Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen

Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.

Jetzt kostenfrei testen
Sie sind bereits Background-Kunde? hier einloggen